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So lautet das Urteil für das Dealer-Paar

Zwei Tschechen haben von Seifhennersdorf aus Crystal hergestellt und verkauft. Das SEK rückte an. Nun hat das Gericht ihre Strafen festgelegt.

Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei stürmte ihr Haus in Seifhennersdorf.
Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei stürmte ihr Haus in Seifhennersdorf. © xcitepress

Das Landgericht Görlitz hat am Freitag ein Urteil im Fall des tschechischen Dealer-Paars gefällt, das im Dachgeschoss ihres Hauses in Seifhennersdorf eine Crystal-Drogenküche betrieb.

Demnach muss der 52-Jährige für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Die 65-jährige Ehefrau und Hauseigentümerin kommt wegen Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln mit einer Bewährungsstrafe davon. Die Strafandrohung beträgt anderthalb Jahre. So hat Richter Thomas Fresemann entschieden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Vor allem die Staatsanwaltschaft forderte deutlich höhere Strafen.

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Der Fall war nach einem Hinweis der tschechischen an die deutsche Polizei zutage getreten. Nach kurzer Observierung stürmte Anfang Dezember das SEK das Haus in Seifhennersdorf, weil die Polizei von erheblicher Gefahr durch das ungleiche Dealer-Paar ausging. Schließlich wusste man von einer Waffe. Im Nachhinein war diese Gefahr deutlich geringer. Schließlich ist der Mann nach einem Schlaganfall seit zwei Jahren körperlich stark beeinträchtigt, die Frau im Rentenalter eher harmlos. "Man war wohl auf der Jagd nach einem Tiger und hat dann nur den Bettvorleger gefunden", schilderte Verteidiger Christian Penning süffisant.

Trotzdem: Der Vorwurf des bewaffneten Handelns mit Betäubungsmitteln, des Herstellens der Betäubungsmittel und des unerlaubten Waffenbesitzes blieben. Und sie wurden im Gerichtsverfahren bestätigt. Der Angeklagte gestand in vollem Umfang, wollte nur seine Frau aus allem heraushalten. Seine Frau musste schließlich aber einräumen, bei einigen Verkäufen doch geholfen zu haben.

Nur ein minderschwerer Fall

Wegen der geladenen Waffe, von der der Angeklagte vor Gericht behauptete, dass sie für seinen möglichen Suizid da war, drohte den Angeklagten eine Verurteilung wegen bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln - Mindeststrafe 5 Jahre. Die Staatsanwältin forderte dann auch eine Verurteilung zu acht Jahren Freiheitsentzug für den Mann und zu viereinhalb Jahren (wegen Beihilfe) für die Frau. Aber das Gericht erkannte auf einen minderschweren Fall. Nachgewiesen vor Gericht und eingeräumt durch das Geständnis des Mannes wurde ein Herstellungsprozess von rund 200 Gramm Crystal überdurchschnittlicher Qualität (Der Angeklagte: "Meins hat mir immer am besten geschmeckt!"), wovon rund 30 Gramm eigen verbraucht und der Rest bis auf die gefundenen elf Gramm verkauft wurden.

    Dass das Gericht den Fall als minderschwer bewertete, hatte vor allem mit der Behinderung des Mannes zu tun, der lange gebraucht hätte, um an die Waffe im Schlafzimmer zu kommen. Der Zugriff auf diese Waffe war nur in Ausnahmen schnell möglich, und sie verließ auch nie das Haus.

    Die Mindeststrafe für den Mann sank damit auf sechs Monate. Das Gericht entschied sich vor allem wegen der einschlägigen Vorstrafen des Mannes für knapp die Mitte des Strafrahmens bis zehn Jahre Freiheitsentzug. Der Frau konnte das Gericht das Wissen um die funktionstüchtige Waffe und die Drogenküche im Dachgeschoss nicht nachweisen. Die Hilfe beim Drogenverkauf bewertete der Richter als "falsche verstandene Fürsorge" für ihren Ehemann.

    Die Bewährungsstrafe war in Anbetracht der fehlenden Vorstrafen und der guten Sozialprognose für die Frau dann eine logische Folge. Noch einmal eine solche Straftat in ihrem Haus zulassen wird die Frau wohl nicht. Ein SEK-Einsatz und ein halbes Jahr Untersuchungshaft sind genug.

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