merken
PLUS Löbau

Drogen-Dealer mit seltsamer Religion

Drei junge Männer aus der Löbauer Region sollen kiloweise Marihuana gekauft haben, um damit zu handeln. Das Gericht erlebt einen esoterischen Auftritt.

Vor dem Landgericht Görlitz wird gegen drei Männer wegen des Verdachts des Drogenhandels in großem Stil verhandelt.
Vor dem Landgericht Görlitz wird gegen drei Männer wegen des Verdachts des Drogenhandels in großem Stil verhandelt. © Symbolbild: Rene Meinig

Eine solche Szene hat das Görlitzer Landgericht bislang wohl noch nie gesehen. In einem Drogenprozess um drei junge Leute  - zwei Brüder aus Schönbach im Alter von 29 und 25 Jahren und ein 24 Jahre alter Mann aus Eibau - gestaltete sich schon der Auftakt des Verfahrens außergewöhnlich. Die beiden Schönbacher Brüder wollten sich nicht auf ihren Platz in der Anklagebank setzen, sondern blieben im Zuschauerraum stehen und verweigerten es zunächst, auf dem vorgesehenen Platz neben ihren Verteidigern Platz zu nehmen. 

Ihre gleichlautende wie verwirrende Erklärung: "Ich bin als  Vertreter der juristischen Person erschienen, ich weiß nicht, wer angeklagt ist". Als der Ältere der beiden Brüder dann eine mehrseitige, vorbereitete Erklärung verlesen wollte, die damit begann, dass er Mitglied einer bestimmten Kirche sei, unterbrach der Vorsitzende Richter Thomas Fresemann mit dem Hinweis, dass jetzt nicht die Zeit für solche Erklärungen sei. 

Anzeige
Gesund und glücklich trotz Krise
Gesund und glücklich trotz Krise

Wie kommen wir glücklich und gesund durch diese Zeit? Diese und weitere Fragen beantwortet Manuel Eckardt in einer digitalen Veranstaltung der VRB Niederschlesien eG.

Die Feststellung der Personalien der beiden Brüder erwies sich dann als "schräg". Als die beiden gefragt wurden, ob sie die Angeklagten seien, antworteten beide zunächst: "Ich kann mich unter diesem Namen nicht ausweisen", um später zu sagen, dass sie "landläufig" so genannt wurden. Geburtsdatum und -ort sowie Wohnanschrift gaben sie aber preis, auch der Staatsanwalt identifizierte beide und die Verteidiger bestätigten, dass beide ihre Mandanten seien. Richter Fresemann ließ Justizbeamte im Saal erscheinen, schickte sie aber in Bereitschaft wieder weg. Die Angeklagten nahmen dann doch, wohl nach einer stillen Genehmigung einer "Einflüsterin" (dem Vernehmen nach ihre Mutter), auf ihren Plätzen neben den Verteidigern Platz, nicht ohne zu betonen: "Ich beuge mich der Gewalt".

Zahlreiche Waffen gefunden

Angeklagt sind drei jungen Männer wegen unerlaubten Handelns mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Das ist sie tatsächlich nicht. Gefunden wurden bei einer Durchsuchung im Juni 2018 in der Schönbacher Wohnung des jüngeren Bruders über 3,3 Kilogramm Marihuana. Gekauft haben sollen es laut Anklage die beiden anderen Männer in Dresden. Gefunden wurden in dem Zimmer, in dem das Rauschgift aufbewahrt wurde, zudem ein geladener CO2-Revolver, zwei Softair-Waffen, eine Machete, ein Beil, drei Jagdmesser, ein Luftdruckgewehr und ein Bajonett, zugriffsbereit aufbewahrt. Auch bei den beiden anderen Angeklagten wurden allerdings kleine Mengen Mariuhana gefunden.

Dr. Ines Kilian, die Verteidigerin des Hauptangeklagten jüngeren Schönbachers, regte dann ein Verständigungsgespräch an. Dazu kam es auch. Die drei Verteidiger und auch der Staatsanwalt näherten sich dem Vergleich: Geständnisse der Angeklagten (allerdings ohne den Einkaufsweg zu nennen) gegen Freiheitsstrafen, die zur Bewährung ausgesetzt werden können. Der Staatsanwalt signalisierte seine Bereitschaft dafür, weil zwar die Menge der Drogen sehr groß sei, andererseits Marihuana eine "weiche" Droge sei, die Angeklagten nicht oder nur gering vorbestraft und über zwei Jahre vergangen seien. Das Gericht lehnte die Verständigung zwar nicht ab, stimmte ihr aber auch nicht ausdrücklich zu, weil die Ermittlungen sehr schwierig gewesen seien und längst nicht alles klar geworden sei, wie Fresemann erklärte. Daraufhin stellte Verteidigerin Kilian das in Aussicht gestellte Geständnis ihre Mandanten zurück.

Mit schnellen Autos der Polizei davonfahren

Der Eibauer aber erzählte: von seiner inzwischen geheilten Spielsucht, angehäuften Schulden von rund 40.000 Euro und der Mühe, alles zurückzuzahlen. Um das zu beschleunigen, sei er auf die Idee mit dem Drogenhandel gekommen. Beim  Drogeneinkauf in Dresden sei er aber nicht dabei gewesen und könne dazu auch nichts sagen. Maximal fünf Verkäufe, der mit Abstand größte war 50 Gramm, habe er getätigt. Dann flog schon alles auf, weil er bei einem Kumpel auf der Suche nach weiteren Konsumenten nachgefragt habe und letztlich ein Freund von diesem alles zur Anzeige gebracht habe.

Zumindest dieser Angeklagte erweist sich im Prozess weder als ausgebuffter Drogenbaron, noch als kaufmännisch sonderlich helle. Er gab an, lediglich Kurierdienste geleistet zu haben - also die Drogen an Kunden ausgeliefert und die Bezahlung dafür bei den Brüdern abgegeben zu haben. Eigenkapital, um in den Handel einzusteigen, hatte er eh nicht - wohl aber Kosten für die Auslieferung. Ob er den Unterschied zwischen Erlös und Gewinn kenne, wollte der Vorsitzende Richter von ihm wissen. Nun ja, zumindest hatte sich der junge Mann nach Verkauf der gesamten Drogenmenge einen Anteil in "dreistelligen Euro-Höhe" versprochen - nicht bloß die 60 bis 80 Euro, die er selbst als Aufwand hatte. Wovon man so träumt als Drogenhändler, berichtete eine zum Prozess geladene Zeugin: "Er hat mir gesagt, er will immer schnellere Autos kaufen, um der Polizei zu entkommen."

Der Prozess wird am 24. und 29. September jeweils um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Mehr Nachrichten aus Löbau und dem Oberland lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Zittau und dem Umland lesen Sie hier

Mehr zum Thema Löbau