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Ebersbach: Frau drohte Haus zu sprengen

Die Zwangsräumung eines Hauses in Ebersbach mündet in einem Großeinsatz der Polizei samt Evakuation der Nachbarn. Die Gefahr war wohl real.

In diesem Haus in der Neugersdorfer Straße in Ebersbach drohte die Bewohnerin, sich in die Luft zu sprengen.
In diesem Haus in der Neugersdorfer Straße in Ebersbach drohte die Bewohnerin, sich in die Luft zu sprengen. © Markus van Appeldorn

Die Neugersdorfer Straße in Ebersbach ist ein kleines Wohnidyll. Kleine Einfamilienhäuser reihen sich an der Straße entlang, die mitten in der Natur endet. Und hinter dem letzten Haus mit der Nummer 15 erstreckt sich nur noch ein weites Gerstenfeld. Doch am Freitagmorgen, am 25. Juni, verwandelte sich dieser Frieden in Angst. Als ein ungebetener Besucher an der Tür dieses Hauses klingelt, droht die Bewohnerin mit einer entsetzlichen Tat.

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Es ist acht Uhr am Freitagmorgen, als gegen die Frau die bittere Konsequenz eines Rechtsweges vollstreckt werden soll, der sie zur Verzweiflungstäterin werden lässt. Ein Gerichtsvollzieher steht vor der Tür - in der Tasche hat er einen Zwangsräumungsbeschluss. Und der bedeutete: Sie würde ihre Heimat verlieren. Nach Auskunft einer Nachbarin hatten die mittlerweile verstorbenen Eltern der Frau das Haus als Heim für ihre Familie erworben. Mit einem Bruder wuchs die Frau dort auf. Doch offenbar hatten sich in den letzten Jahren Schulden angehäuft.

Nach SZ-Informationen war das Haus vor Kurzem zwangsversteigert worden. "Vor ein paar Wochen hat sich hier in der Nachbarschaft ein Herr als neuer Eigentümer vorgestellt", sagt eine Nachbarin. Und der hatte nun offensichtlich die Zwangsräumung betrieben. Ein erster Termin dafür war eigentlich schon vor rund drei Wochen angesetzt - diesen aber hatte die Bewohnerin noch mal abwenden können, informiert Pressesprecherin Anja Leuschner von der Polizeidirektion Görlitz.

Im Haus gemeinsam mit Schafen gelebt

Wohlgelitten waren die Frau und ihre damalige Familie in der Nachbarschaft augenscheinlich nicht. "Wir kannten sie nicht" oder "Wir haben möglichst Abstand gehalten" - das sagen mehrere Nachbarn. Wie sich zeigt, vielleicht eine kluge Haltung. Und die alleinstehende Frau führt auch ein etwas ungewöhnliches Leben in ihrem Haus. In einer Art Wintergarten etwa hält sie mehrere Schafe, hat dafür den Raum mit Stroh ausgelegt. Quer durch den Raum liegen zwei Birkenstämme. In den letzten Wochen war möglicherweise auch schon der Strom abgestellt worden. "Es brannte nie Licht", sagt eine Nachbarin.

Die Frau lässt den Gerichtsvollzieher nicht ins Haus. Nach Auskunft der Polizei sagte sie ihm am Gartenzaun: Lieber wolle sie sich samt Haus in die Luft sprengen, als ihr Heim zu verlassen. Wie ernst diese Drohung gemeint gewesen sein könnte, soll sich im Verlaufe der nächsten Stunden noch erweisen. Der Gerichtsvollzieher alarmiert sofort die Polizei - und die löst einen Großeinsatz aus.

Im Wintergarten des Hauses leben mehrere Schafe.
Im Wintergarten des Hauses leben mehrere Schafe. © Markus van Appeldorn

Gewaltloser Zugriff

Der Einsatzzug der Polizeidirektion Görlitz rückt an, sogenannte Lebel-Kräfte, das Kürzel steht für "Lebensbedrohliche Einsatzlagen". Die Orts-Feuerwehren von Ebersbach und Neugersdorf kommen mit 42 Kameraden und 11 Fahrzeugen. Die Straße wird weiträumig abgesperrt. Zehn Bewohner der Nachbarhäuser evakuiert die Feuerwehr in einer nahen Turnhalle. Und aus Leipzig alarmiert die Polizei eine Verhandlungsgruppe des Landeskriminalamtes. Das sind psychologisch versierte Spezialkräfte, geschult dafür, in solchen Situationen das Gespräch mit Tätern zu suchen.

Der Erfolg gelingt der Polizei dann völlig gewaltlos. "Während um das Haus Aufklärungsmaßnahmen liefen, hat die Frau das Haus verlassen", sagt Pressesprecherin Leuschner. Diesen Moment nutzten die Polizeikräfte, um sie zu greifen. Es ist 12.15 Uhr, als ein Polizeiwagen mit der Frau auf dem Rücksitz das Wohnviertel verlässt. "Wir haben sie in Gewahrsam genommen und sie wird auch einem Arzt vorgeführt", informiert Leuschner dazu. Nach Mitteilung der Polizei sei sie in ein Fachkrankenhaus eingeliefert worden. Doch die Gefahr ist in diesem Moment noch nicht vorbei.

Hier wird die Frau auf dem Rücksitz eines Streifenwagens weggefahren.
Hier wird die Frau auf dem Rücksitz eines Streifenwagens weggefahren. © xcitepress

Gasflaschen und Benzinkanister im Haus

Niemand weiß zunächst, ob die Frau tatsächlich eine Sprengung des Hauses vorbereitet hatte. Gegen 12.17 Uhr betreten Feuerwehrkräfte das Haus. "Wir nehmen eine Gasmessung vor und überprüfen, ob gefährliche Stoffe austreten", sagt Thomas Kriegel, Stadtwehrleiter von Ebersbach-Neugersdorf. Die Messungen ergeben: Weder ist Gas ausgetreten, noch andere gefährliche und explosive Stoffe. Aber: Die Feuerwehr trägt vier Elf-Kilo-Propangasflaschen aus dem Haus und außerdem einen vollen Fünf-Liter-Benzinkanister. Eine Nachbarin wundert das kein bisschen: "Der Frau traue ich alles zu, auch dass sie sich mit dem Haus in die Luft jagt", sagt sie.

Die Feuerwehr bringt diese Propangasflaschen aus dem Haus.
Die Feuerwehr bringt diese Propangasflaschen aus dem Haus. © Markus van Appeldorn

Gegen 12.50 Uhr übergibt Stadtwehrleiter Thomas Kriegel dem neuen Eigentümer die Hausschlüssel. In Begleitung des Gerichtsvollziehers und eines Mitarbeiters des Ordnungsamtes nimmt dieser das Haus in Besitz. Sprechen will er mit SZ nicht, sagt nur: "Ich bin der Eigentümer des Hauses" und bestätigt auch, die Zwangsräumung betrieben zu haben. (mit SZ/tc)

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