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Kann ein City-Manager den Handel retten?

Die Löbauer Geschäftsleute erhoffen sich davon dringende Hilfe. Was haben City-Manager in anderen Städten bewirkt?

Von Markus van Appeldorn
 5 Min.
Die Innere Zittauer Straße in Löbau - seit Jahren grassiert hier der Laden-Leerstand.
Die Innere Zittauer Straße in Löbau - seit Jahren grassiert hier der Laden-Leerstand. © Matthias Weber (Archiv)

Die Löbauer Einzelhändler sorgen sich um die Attraktivität der Stadt als Einkaufsstandort und Löbaus wirtschaftliche Zukunft. So grassiert etwa in der Inneren Zittauer Straße in der Stadtmitte seit Jahren der Leerstand. Traditionsgeschäfte gaben auf und niemand folgte nach. Die Corona-Krise belastet den stationären Handel zusätzlich. Die Innenstadthändler setzen nun Hoffnung in einen City-Manager für Löbau. Auf Antrag der AfD und der Bürgerliste beauftragte der Stadtrat in seiner Dezember-Sitzung Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos), zu prüfen, welche Möglichkeiten es für die Einrichtung eines City-Managements gibt. Wie klappt so ein City-Management in Löbaus Nachbarstädten Zittau und Görlitz?

Innenstadt-Händler und Bürgerliste-Fraktionschef Ingo Seiler schwanen schlimmste Szenen. Weil die Händler auch oft Eigentümer der Häuser sind, in denen sie ihre Läden betreiben, würde ein Niedergang des Handels auch das Stadtbild nachhaltig schädigen und so weiter die Attraktivität senken. "Wir werden Zustände bekommen wie 1989, als die Fassaden bröckelten", sagte Seiler im Stadtrat. Ein City-Management könne so eine Entwicklung abwenden.

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Die Nachbarstädte setzen auf City-Manager

OB Buchholz steht einem solchen Projekt durchaus wohlwollend gegenüber - sieht darin aber keine Aufgabe der Stadtverwaltung. Buchholz stieß mit dieser Auffassung im Stadtrat durchaus auf Kritik. Schließlich gebe es viele Kommunen, bei den City-Manager angestellt seien. Doch könnte Buchholz mit seiner Haltung durchaus richtig liegen - denn so ein Manager muss gar nicht bei der Verwaltung selbst angestellt sein. "Ein Citymanager sollte die Brücke zur Verwaltung sein, nicht Teil von ihr, um unabhängig die Ziele verfolgen zu können", sagt etwa Zittaus IHK-Geschäftsstellenleiter Matthias Schwarzbach. Gesteuert werden müsse der Prozess vom Handel selbst.

So sind auch die City-Manager in Löbaus Nachbarstädten nicht bei der jeweiligen Stadtverwaltung angestellt. Der Zittauer City-Manager Stephan Eichner wird seit Mai 2018 und zunächst befristet mit 28 Wochenstunden vom "Gewerbe- und Tourismusverein Zittau lebendige Stadt" beschäftigt. Finanziert wird seine Tätigkeit über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, dem Eigenanteil der Stadt Zittau sowie Zuwendungen von vier Sponsoren. In Görlitz ist die ehemalige Karstadt-Managerin Ilona Markert als City-Managerin engagiert. Sie ist unbefristet in Teilzeit angestellt bei der "City Initiative Görlitz e. V.". "Gegründet wurde die City-Initiative im Frühjahr 2020 von unterschiedlichsten Akteuren, die sich seit Jahren in den Bereichen Handel, Immobilienwirtschaft, Gastronomie und Dienstleistung für die Görlitzer Innenstadt engagieren", sagt Markert. Finanziert wird ihre Tätigkeit aus Mitgliedsbeiträgen des Vereins. In Löbau soll der City-Manager aus von der Stadt beantragten Fördergeldern und Beiträgen der Einzelhändler finanziert werden.

Die Aufgaben des City-Managements

"Die Ziele der Arbeit des Citymanagers werden in der Arbeitsgruppe "Citymanagement" festgelegt. In der AG sitzen Vertreter des Vereins, der Stadt Zittau, der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft und der IHK", erklärt Stephan Eichner. Demnach ist es Ziel, die Innenstadt zu beleben, die Fachgeschäfts-Quote zu sichern, Leerstand zu mindern sowie Umsätze in Einzelhandel, Tourismus oder Gastronomie zu sichern.

Ähnliche Aufgaben stehen auch im Lastenheft der Görlitzer City-Managerin Ilona Markert. "Es geht dabei vor allem darum, gemeinsam mit Partnern aus Handel, Gastronomie, Hotellerie, Erlebnis, Kultur, Sport, den Immobilieneigentümern, interessierten Bürgern sowie Politik und Verwaltung, die Zukunft der Görlitzer Innenstadt zu gestalten", beschreibt sie ihr Aufgabenspektrum. So habe sie seit Beginn ihrer Tätigkeit viele Gespräche geführt, um die "City-Initiative Görlitz" Entscheidern und Institutionen vorzustellen und in der Stadt bekannt zu machen.

Wie sich Erfolg im Handel bemisst

Wie nun aber sieht es aus mit konkreten Erfolgen? Der Einzelhandels-Erfolg einer Stadt lässt sich messen. Dafür wird die sogenannte Zentralitätskennziffer herangezogen. Die besagt, welche Einkaufsattraktivität eine Stadt für sich und das Umland hat. Vereinfacht gesagt: Liegt der Wert genau bei 100, versorgt die Stadt quasi nur ihre eigene Bevölkerung. Ein Wert unter 100 bedeutet, dass Kaufkraft abfließt, einer über 100, dass Kaufkraft aus dem Umland in die Stadt fließt. Die weitaus höchste Zentralitätskennziffer der Region weist Bautzen auf, Görlitz rangiert mit einem Wert von aktuell 117 bei einem guten Wert. Zittau weist gar (Stand 2014) eine Zentralitätskennziffer von über 147 aus. Für Löbau gibt es keinen aktuellen Wert. Weil es in vielen umliegenden Gemeinden kaum Einzelhandel und etwa gar keine großen Einkaufsmärkte gibt, dürfte relativ viel Kaufkraft aus dem Umland nach Löbau fließen. Diese Vermutung stützt auch ein von der Stadt Löbau selbst erstelltes Einzelhandelskonzept.

Um den Handel in der aktuellen Corona-Krise konkret zu unterstützen, hat der Zittauer City-Manager Stephan Eichler etwa abgestimmte Corona-Aktionen koordiniert. "Das betrifft etwa Bereitstellung aller Formulare zur Beantragung von Hilfen, Bereitstellung eines kostenloses Lieferservices für die Händler oder Hilfe bei der Suche nach bestehenden Onlineshops oder anderen Online-Vermarktungsmöglichkeiten", erklärt er. So eine Idee hat auch Ilona Markert für Görlitz entwickelt. "Ab dem beginnenden Lockdown im Dezember haben wir die Möglichkeit für unsere Gewerbetreibenden geschaffen, kostenlos auf unserer Website auf ihren Onlineshop oder andere Aktionen aufmerksam zu machen, um so trotz des Lockdowns Umsätze generieren zu können. Hierbei bieten wir auch entsprechende Beratungen und Unterstützungen an", sagt sie.

Schwer zu sagen sei allerdings, ob sich die Kosten für die Beschäftigung des City-Managers tatsächlich refinanziert haben - also ob der Handel zusätzliche Umsätze generiert hat oder befürchtete Umsatzverluste ausgeblieben sind. Zittaus City-Manager Stephan Eichler dazu: "Zu Besucherzahlen oder Umsätzen gibt es weder Erhebungen noch konkrete Zahlen. Die positive Wirkung von Events, Projekten oder Maßnahmen bestätigen die Mitglieder des Vereins jedoch bei regelmäßigen Auswertungen und vereinsinternen Umfragen."

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