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Ein essbares Wäldchen im Oberland

Auf dem alten Lautex-Gelände in Ebersbach-Neugersdorf wachsen jetzt heimische und exotische Bäume. Und die nächste Idee ist schon gereift.

Claudia Pohl, Marina Griesbach und Gabriele Opitz-Gehrisch (von rechts) heben die Löcher für die Stangen des neuen Sonnensegels aus.
Claudia Pohl, Marina Griesbach und Gabriele Opitz-Gehrisch (von rechts) heben die Löcher für die Stangen des neuen Sonnensegels aus. © Matthias Weber/photoweber.de

Es wird noch einige Jahre dauern, bis die Ernte reichlich ausfällt. Bäume brauchen ihre Zeit zum Wachsen und Früchte ansetzen. Der Anfang allerdings ist gemacht: In Ebersbach-Neugersdorf entsteht auf dem ehemaligen Lautex-Gelände ein essbarer Waldgarten.

"Der erste gepflanzte Baum ist eine Maulbeere", erzählt Projektleiterin Claudia Pohl. Neben alten Apfelsorten wie der Gewürzrenette oder dem Gravensteiner, wurzeln im Waldgarten auch Bäume, die bisher kaum in Gartenanlagen oder auf Obstbaum-Alleen zu entdecken sind. Claudia Pohl nennt die Indianer-Banane, eine sibirische Kaki und einen Butternussbaum – die eher als "Exoten" in der hiesigen Flora gelten dürften. "Durch den Klimawandel ändert sich vieles", begründet die Berufsschullehrerin die besondere Anpflanzung. Auch deshalb und als Antwort auf klimawandelbedingte Probleme für den konventionellen Obst- und Gemüseanbau sollen auf der etwa 50 mal 50 Meter großen Fläche ausschließlich mehrjährige Sorten angebaut werden. "Wie in einem Wald, werden die Pflanzen auf verschiedenen Ebenen wachsen und sich gegenseitig durch ihre nutzbringenden Eigenschaften begünstigen", sagt Claudia Pohl.

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Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung veröffentlichte bereits 2020 in einer Mitteilung, dass der Klimawandel mit steigenden Temperaturen und verlängerter Vegetationszeit den Anbau subtropischer Gewächse in Deutschland begünstige. Das ermutige so manchen landwirtschaftlichen Betrieb, auch exotische Früchte anzubauen. So auch in der Spreequellstadt.

Etwa 20 Bäume gepflanzt

Gestartet ist der Anbau auf dem alten Lautex-Areal 2019 mit einer einheimischen Wildobsthecke. Schlehe, Weißdorn, Apfelbeere und Co. wachsen da. Die Sträucher haben Private gesponsert. Eine Herausforderung ist das Projekt auf jeden Fall. "Die Pflanzen werden vermutlich sehr langsam wachsen, da der Mutterboden gerade mal 30 Zentimeter beträgt", erklärt die 38-Jährige. Das hänge mit der extremen Bodenverdichtung zusammen – schließlich ist das Gelände eine Abrissfläche. Deshalb wird fleißig gemulcht, um den Boden zu verbessern. Etwa 20 Bäume wurden gepflanzt – alle mit essbaren Früchten. Sie wurden bereits beschildert. Wenn sie irgendwann einmal und hoffentlich reichlich tragen, soll die Ernte keinesfalls verfallen. Claudia Pohl hat viele Ideen: Die Äpfel könnten zu Saft werden, aus anderen Früchten Marmeladen gekocht, zum Naschen gepflückt oder ein Teil an die Oberlausitzer Tafel abgegeben werden.

Dass sich die Lehrerin so für das ehrenamtliche Projekt stark macht, hängt auch damit zusammen, dass ihr die Natur sehr am Herzen liegt. "Während meines Sprachenstudiums in Großbritannien lernte ich Menschen kennen, die in London Ideen zu essbaren Quartieren und Umweltschutz in der Stadt vorantrieben", erzählt sie. Das fand Claudia Pohl spannend, absolvierte selbst einen Kurs zum Thema "essbare Landschaften" und machte eine einjährige Ausbildung zum Anlegen von Waldgärten. Zukunftsweisend seien solche Projekte, wie sie sagt. Nun ist Ebersbach-Neugersdorf zwar nicht mit London vergleichbar. Allerdings lassen sich auch im Kleinen solche ungewöhnlichen Gartenideen umsetzen.

Jeder kann mitmachen

Zwei Mitstreiterinnen hat Claudia Pohl bereits gefunden, auch Familien mit Kindern kommen gern ab und an helfen. Selbstverständlich freut sie sich, wenn der essbare Waldgarten Anklang und Unterstützung findet. Jeder kann mitmachen. Dienstags von 15 bis 17 Uhr ist Treff auf der Ernst-Thälmann-Straße 38. Gern gesehen sind auch Sachspenden wie Samen, Pflanzen, Gartengeräte oder Holzhäcksel zum Mulchen. Ab kommenden Jahr sollen Seminare zur Gestaltung von Waldgärten angeboten werden. Nach dem Baumprojekt steht schon eine nächste Idee in den Startlöchern: Der "Garten des ewigen Gemüseeintopfs" ist das. Da werden mehrjährige Gemüsearten angepflanzt und später zweimal im Jahr mit den Nachbarn ein großer gemeinsamer Eintopf aus der Ernte gekocht.

Der essbare Waldgarten ist eines der vielen Projekte des Lebens(T)räume-Vereins, der regional und generationsübergreifend einen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Region leisten will.

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