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Wo Schul-Konkurrenz echt klasse ist

Bestnoten erhält die Schullandschaft in vier Gemeinden zwischen Löbau und Zittau, weil hier aus der Not eine Tugend gewachsen ist - und freie Schulen.

Ein Bild aus den ersten Tagen im neuen Schulhaus: Die Zinzendorfschulen in Herrnhut setzen als freie Schule inhaltlich und auch architektonisch Zeichen.
Ein Bild aus den ersten Tagen im neuen Schulhaus: Die Zinzendorfschulen in Herrnhut setzen als freie Schule inhaltlich und auch architektonisch Zeichen. © Matthias Weber

Beim Thema Schule mit Bestnoten zu glänzen - mit diesem Pfund können die vier Gemeinden wuchern, die beim SZ-Familienkompass zum Gebiet "Zwischen Löbau und Zittau" zusammengefasst sind: Kottmar, Herrnhut, Oderwitz und Mittelherwigsdorf. Sie erhielten nicht nur beim Thema Lehre, wo die Förderung der Kinder, die Mitsprachemöglichkeiten der Eltern oder der Zustand der Schulen gefragt war, mit der Note 2,12 die beste Bewertung im Kreis und die zweitbeste sachsenweit. Auch bei den schulischen Rahmenbedingungen, mit Fragen nach Mobbing, Ausfall oder Schulessen, bekam die Region mit 2,45 die Kreis-Bestnote und liegt im Freistaat auf Platz 6 von 146.

Was also läuft hier besser? Zum einen liegen die guten Noten sicherlich an den Sanierungsanstrengungen, die über Jahre aus der Oderwitzer  Oberschule oder auch der Ruppersdorfer und der Schönauer Grundschule moderne Einrichtungen gemacht haben. Zum anderen spielt sicherlich auch Herrnhuts Schullandschaft eine Rolle, die durchaus mehr bietet als für eine Stadt dieser Größe üblich ist: Denn neben der staatlichen Grundschule in Ruppersdorf führt die Evangelische Schulstiftung der Brüdergemeine nicht nur seit 30 Jahren die Förderschule "Johann Amos Comenius", sondern eben auch die Zinzendorfschulen, die neben einem zweizügigen Gymnasialzweig auch einen einzügigen Oberschulzweig hat. Dennoch machen auch die allgegenwärtigen Probleme wie der Lehrermangel vor der Region nicht halt. Aber manchmal hilft - wie an der Grundschule Mittelherwigsdorf - guter Zusammenhalt, um Lücken zu stopfen.

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So haben die Befragten aus Kottmar, Herrnhut, Oderwitz und Mittelherwigsdorf insgesamt abgestimmt. Sie liegen im Sachsenschnitt mit Tendenz zum Positiven.
So haben die Befragten aus Kottmar, Herrnhut, Oderwitz und Mittelherwigsdorf insgesamt abgestimmt. Sie liegen im Sachsenschnitt mit Tendenz zum Positiven. © SZ Grafik
Mit ihrem Wohnumfeld sich die Umfrage-Teilnehmer zum Teil zufriedener als der Durchschnitt.
Mit ihrem Wohnumfeld sich die Umfrage-Teilnehmer zum Teil zufriedener als der Durchschnitt. © SZ Grafik
Stundenausfall ist ein Wehrmutstropfen - ansonsten sind die Befragten beim Thema Schule sehr zufrieden.
Stundenausfall ist ein Wehrmutstropfen - ansonsten sind die Befragten beim Thema Schule sehr zufrieden. © SZ Grafik
Die Kita-Landschaft zwischen Löbau und Zittau funktiert offenbar gut.
Die Kita-Landschaft zwischen Löbau und Zittau funktiert offenbar gut. © SZ Grafik
Bei der Ausstattung mit Haus-, Fach- und Kinderärzten vor Ort klemmt es - finden auch diese Befragten.
Bei der Ausstattung mit Haus-, Fach- und Kinderärzten vor Ort klemmt es - finden auch diese Befragten. © SZ Grafik
Beim Thema angemessene Bezahlung und der Perspektive für die Zukunft sind die Befragten unzufriedener als der Sachsenschnitt.
Beim Thema angemessene Bezahlung und der Perspektive für die Zukunft sind die Befragten unzufriedener als der Sachsenschnitt. © SZ Grafik
Bei Bus und Bahn gibt es noch Luft nach oben.
Bei Bus und Bahn gibt es noch Luft nach oben. © SZ Grafik

Die Frage nach einer möglichen Konkurrenz zwischen freien und staatlichen Schulen ist somit durchaus präsent: Denn staatliche Schulen wie die nächstgelegene Bernstädter Oberschule Klaus Riedel spüren durchaus, dass die freien Schulen Schüler aus ihrem Einzugsgebiet anziehen. In Bernstadt warf eine Stadträtin kürzlich die Frage auf, wie man sich gegen diese Konkurrenz besser wappnen könne. Immerhin seien ja Eltern willens, in Herrnhut 75 Euro Schulgeld pro Monat zu bezahlen, obwohl man den Schulbesuch an der staatlichen Schule in Bernstadt kostenlos haben könne. Und nicht nur aus der unmittelbaren Umgebung kommen die Zinzendorfschüler: Das evangelisch-diakonische Konzept, der moderne Bau und die familiärere Atmosphäre spricht inzwischen Familien aus dem ganzen Kreis an.

Wie wichtig Schulen in freier Trägerschaft - zu der ja im Kreis auch die Schkola mit ihren verschiedenen Standorten gehört - inzwischen für viele sind, zeigen Angaben aus dem Familienkompass wie diese: "Die gute schulische Ausbildung wird nur durch eine Schule in freier Trägerschaft gewährleistet, die staatliche Schule vor Ort hat keine gute Qualität", schreibt eine 32-Jährige mit drei Kindern aus der Gemeinde Kottmar zu diesem Thema. 

Konkurrenz oder Kooperation?

Auch wenn es von außen also wie eine echte Konkurrenzsituation aussieht - die Ellenbogen ausgefahren haben die Schulen nicht. "Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zur Herrnhuter Schulleitung, pflegen eine gute Kooperation", beschreibt Torsten Berndt, Leiter des Löbauer Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Zwar ist das Löbauer Gymnasium mit seinen knapp 1.000 Schülern per se sicher weniger gefährdet, durch die Zinzendorfschulen echte Abbrüche zu verzeichnen. Aber das sei gar nicht der Punkt: "Beide Schulen haben eine spezielle Profilierung und ergänzen sich gut", sagt Berndt. Das sei für die Bildungslandschaft eher ein Vorteil.

Auch Peter Selle fürchtet nicht um seine Schülerzahlen an der Oberschule "Klaus Riedel", auch wenn es mit den Zinzendorfschulen eine zweite Oberschule gibt, die in seinem Stammgebiet Schüler anzieht. Zwar hätte er in diesem Jahr drei fünfte Klassen aufnehmen können, dass es nur zwei geworden sind, sieht er aber nicht als Problem. "Fakt ist eins: Freie Schulen gehören dazu und sind politisch gewollt, das fördert auch ein gesundes Konkurrenzverhalten", analysiert er. Denn selbstverständlich müssen sich die Schulen mit ihren Profilen oder Ganztagsangeboten mehr strecken, um bei Schülern und Eltern anzukommen.

Bekannt ist zudem, dass das Interesse an den Zinzendorfschulen größer ist als die Aufnahmekapazität: "Wir nehmen jedes Jahr zwei Gymnasialklassen mit insgesamt 50 bis 54 Schülern sowie eine Oberschulklasse mit 25 bis 27 Schülern auf", sagt Schulsprecherin Mandy Vogt. Anmeldungen hätte die Schule für die doppelte Anzahl. Beträchtlichen Aufwind hatten freie Schulen im Kreis durch die Schließung staatlicher Schulen wie in Ostritz, Berthelsdorf oder eben dem Herrnhuter Merian-Gymnasium. Inzwischen aber ist es ihnen gelungen, auch bei den Menschen vor Ort nicht nur Lückenfüller zu sein, sondern aus der ersten Not eine echte Tugend gemacht zu haben.

Insgesamt geben sich die Teilnehmer am Familienkompass zwischen Kottmar, Oderwitz, Herrnhut und Mittelherwigsdorf aber nicht nur mit der Schullandschaft zufrieden: Auch die jeweilige Kita- und die Wohnsituation loben sie. Kritik üben sie hingegen deutlich an der Gesundheitsversorgung, den Möglichkeiten des öffentlichen Nahverkehres und auch an der Frage nach fairer Entlohnung. Insgesamt ist die Region zwischen Löbau und Zittau die zweitzufriedenste im Kreis und landet auch im Sachsenvergleich mit Platz 20 von 146 auf einem sehr guten Rang.

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