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Alkohol von der Erdachse: Bernstadts edle Tröpfchen

Erdachsenschmiere und Erdachsenglühwein sind seit dem Advent die Renner in Bernstadt. Mit dem Verkaufserlös ist Gutes geplant.

Von Anja Beutler
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Marcel Ernst mit einer Flasche Bernstädter Erdachsenglühwein (links) und einer Flasche Erdachsenschmiere.
Marcel Ernst mit einer Flasche Bernstädter Erdachsenglühwein (links) und einer Flasche Erdachsenschmiere. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Sache mit der Erdachsenschmiere hatte Marcel Ernst schon lange auf dem Zettel. Kurz vor dem Jahresende nahm das Ganze aber enorm an Fahrt auf. Der Vorsitzende des Ortschaftsrats Bernstadt/Kunnersdorf hatte sich gemeinsam mit seinen Mitstreitern vorgenommen, eine Tradition wiederzubeleben - und hat sie am Ende vielleicht sogar erweitert. Aber der Reihe nach.

Für den Stoff, mit dem - der Legende nach - die durch Bernstadt führende Erdachse regelmäßig geschmiert wird, gibt es ein hochprozentiges Rezept: Ein Gebräu aus Kirschlikör, Kümmel und Rum soll es sein. Da diese Mischung nicht unbedingt jedermanns Geschmacksnerven treffen dürfte, hatten sich Ernst und seine Mitstreiter für etwas anderes entschieden: "Es ist ein Johannisbeerlikör, der wirklich sehr lecker schmeckt", erklärt Ernst. Kurz nachdem die Dreharbeiten zum MDR-Beitrag zur Sendereihe "Unterwegs zur Bernstädter Erdachse" liefen, waren die ersten Flaschen des Getränkes erhältlich.

Der Likör wird von der Likörmanufaktur Müller in Dürrröhrsdorf-Dittersbach hergestellt. "Wir hätten gern einen einheimischen Partner gewählt, aber es war nicht so einfach, jemanden zu finden, der diese Mengen, die wir brauchten, so schnell liefern konnte", erklärt der Ortschaftsratsvorsitzende. Die Freude über die auch gut zum Verschenken geeignete Erdachsenschmiere war unter den Bernstädtern offenbar groß: "Wir haben sehr gut verkaufen können", freut sich Marcel Ernst. Viele Flaschen der Spezialität seien jedenfalls nicht mehr vorrätig, bestätigt er.

Erdachsenglühwein ebenso begehrt

Ähnlich gut lief es beim spontan zusätzlich auf den Markt gebrachten Erdachsenglühwein. "Eigentlich wollten wir den auf dem Weihnachtsmarkt verkaufen", sagt Ernst. Die Einnahmen sollten dann - wie jedes Jahr - in die Sammelaktion des Weihnachtsmarktes fließen. Doch das war mit der durch Corona bedingten Absage aller Märkte hinfällig. "Wir hätten den Wein auch noch gut ein Jahr aufheben können, haben uns dann aber entschlossen, ihn so zu verkaufen - zum gemütlich zu Hause trinken", schildert er.

Der Wein stammt diesmal auch aus der näheren Umgebung: von der Kelterei Mitschke in Ebersbach. Dort mussten die Initiatoren auch noch mal nachordern, denn die anfänglich bestellten 300 Flaschen hielten nicht lange vor. Und auch weitere 200 Erdachsenglühweine fanden danach reißend Absatz. Übrig geblieben sind nur noch einige wenige Flaschen.

Und was geschieht mit den Einnahmen? Die sollen einem guten Zweck zugutekommen. Ganz entschieden, was das genau sein wird, ist aber noch nicht. Vielleicht aber unterstützt der Ortschaftsrat die Sanierung des Kriegerdenkmals auf dem Bernstädter Kirchplatz mit seiner kleinen Spende. Denn dafür werden aktuell Fördermittel beantragt. "Das wird aber noch abgestimmt, fest steht, dass wir etwas für die Stadt tun wollen", betont Marcel Ernst, der auch Mitglied im Stadtrat ist.

Da im Gegensatz zum Glühwein die Erdachsenschmiere kein Saisonprodukt ist, wird es auch künftig immer wieder Nachschub geben. Und vielleicht ändert sich ja auch mal die Geschmacksrichtung. Ausgeschlossen ist das nicht.