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Der neue Chef am Beckenrand

Der Zittauer Steffen Blümke ist der neue Schwimmmeister im Löbauer Herrmannbad - und für manches Kind jetzt schon der "böse Bademeister".

Steffen Blümke ist der neue Schwimmmeister im Löbauer Herrmann-Bad.
Steffen Blümke ist der neue Schwimmmeister im Löbauer Herrmann-Bad. © Matthias Weber/photoweber.de

Gleich nach den Eltern, der Kindergärtnerin und der Grundschullehrerin ist er eine der ersten Respektspersonen im Leben vieler Deutscher - der Bademeister. Meist kennt ihn die ganze Stadt, weil er ganzen Generationen von Kindern und Jugendlichen ihre "Seepferdchen"- Prüfung und andere Schwimm-Abzeichen abgenommen hat oder ihnen mit stets wachsamem und strengem Auge auch schon mal einen Ordnungsruf erteilt hat. Nach über 40-jährigem Wirken seines Vorgängers Michael Queißer ist Steffen Blümke seit dieser Badesaison der neue Chef am Beckenrand im Löbauer Herrmannbad.

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Es gibt wohl kaum einen jugendlichen Schwimmbadbesucher, der diese eine Ermahnung noch nicht gehört hat: "Nicht vom seitlichen Beckenrand springen!" - der Klassiker aus Schwimmmeister-Munde. "Ja, daran hat sich nichts geändert und das wird wohl auch immer so bleiben", sagt Steffen Blümke lachend. Und für das Löbauer Herrmannbad hat er sich seit seinem Antritt im April schon zwei weitere Standard-Rufe zugelegt. "Runter von der Leine!" heißt es, wenn mal wieder jemand auf der Trennleine im Schwimmerbecken sitzt oder sich darüber legt. Und "Nicht im Stehen rutschen, sonst ist der Sommer für Dich zu Ende!" ruft Blümke, wenn Kinder oder Jugendliche mal wieder besonders waghalsig auf der Wasserrutsche herumturnen. "Man muss mit Konsequenz auftreten und sich Respekt verschaffen. Sonst tanzen die einem auf der Nase herum", sagt Blümke und spricht aus Erfahrung. Gut 20 Jahre lang war der 46-jährige Zittauer zuvor im Trixi-Bad. Und seit 1992 führte er auch schon als Rettungsschwimmer die Aufsicht am Beckenrand in Ostritz, Reichenbach oder Görlitz.

Kultberuf Bademeister

Den genügenden Respekt hat er sich bei den Löbauer Kindern und Jugendlichen offenbar schon gesichert. "Neulich hat mich ein Junge aus dem Wasser heraus angeschaut und gesagt: ,Sie sind ein böser Bademeister'", erzählt Steffen Blümke. "Warum denn?", hat er den Jungen gefragt und der sagte: "Sie ärgern Kinder!" Und Blümke war um keine Antwort verlegen: "Ich habe ihm gesagt: ,Siehst Du, genau deswegen bin ich hier.'" Dabei ist Blümke weiß Gott kein "böser Bademeister" - er weiß, dass er in seiner Position auch manchmal den fürsorglichen Kummer-Onkel abgeben muss. "Man ist der Tröster für alles", sagt er. Aber die richtige Portion Respekt muss eben auch sein.

Viele seiner Kollegen hören die Bezeichnung "Bademeister" ja gar nicht gerne. Korrekt heißt der Beruf auch "Geprüfter Meister für Bäderbetriebe" - und die schätzen eher die Bezeichnung "Schwimmmeister". Aber Steffen Blümke hat kein Problem damit, auch als der "Bademeister" angesprochen zu werden. "Wenn das freundlich geschieht, ist das völlig in Ordnung", sagt er. Er trägt sogar ein T-Shirt mit der Aufschrift "Bademeister". Und überhaupt: Mit dem Lied "Paul der Bademeister" von der Band "Die Ärzte" oder der Comedy-Figur "Bademeister Schaluppke" habe der Beruf ja Kultstatus erlangt - völlig zurecht, findet Blümke.

Nützliches Studium für Rabauken

"Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht", sagt Steffen Blümke. Denn schon von Kindesbeinen an verbrachte er etliche Stunden im Schwimmbecken. Einst besuchte der Zittauer die damalige Kinder- und Jugendsportschule in Dresden und war sogar in der Junioren-Nationalauswahl der DDR. "Dreimal täglich zwei Stunden Training im Becken - das war härter als die Bundeswehr", erzählt er. Und auch seinen Wehrdienst verbrachte er ganz nah am Wasser, als Sanitäter auf einem Marine-Stützpunkt auf Sylt. "Ich wäre gerne aufs Schiff gegangen, Matrose geworden", erzählt er - es kam dann aber irgendwie anders.

Sechs Semester lang studierte er Sozialpädagogik in Görlitz. "Ich hab's abgebrochen. Mein Fokus lag damals mehr auf dem Schwimmverein und der Freundin", erzählt Blümke. Das Studium war aber für seinen Beruf jetzt vielleicht gar nicht so schlecht. Denn wenn ein Jugendlicher es im Herrmannbad im Becken zu wild treibt, hat er auch eine spezielle Erziehungsmethode entwickelt: Fünf Liegestütze. "Die Jugendlichen haben die Wahl. Entweder die fünf Liegestützen oder raus aus dem Becken und ab auf die Wiese", erzählt er. "Aber die meisten schaffen eh keine fünf", hat er die Fitness der Löbauer Jugend beobachtet - er drückt dann aber ein Auge zu. In anderen Fällen muss er hingegen zu härteren Maßnahmen greifen, wie neulich, als es eine Prügelei unter zwei Jugendgruppen gab. "Wer hier prügelt, fliegt raus - und zwar beide Gruppen. Das ist mir dann auch egal wer angefangen hat", sagt er. Das diene vor allem auch der Sicherheit im Becken. "Ich muss mich auf die Badesicherheit konzentrieren und kann mich deswegen nicht mit Dingen beschäftigen, die nicht ins Bad gehören", erklärt Blümke.

Auch andere Unarten vieler Jugendliche stören ihn. "Rumrotzen tun die hier alle", berichtet er von gewissen Erziehungsdefiziten. Und dann diese seltsame neue "Bademode". "Viele Jungs tragen Schlüpper unter ihren Bade-Shorts, ich weiß nicht, wie man auf so eine Idee kommen kann." Das will Steffen Blümke möglichst schnell abstellen - und zwar nicht, weil er sich als Stil-Polizei versteht. "Mit dieser Bekleidung wird viel Wasser aus den Becken herausgetragen und übermäßig Dreck hinein", erklärt er - das könne man an der Wasserqualität tatsächlich gut messen.

Frau Holle im Bad

"Das Löbauer Herrmannbad ist ein Schmuckkästchen", schwärmt Steffen Blümke - weite Grünflächen, rege genutzte Volleyball-Plätze und zwischen dem Team und einigen Stammgästen herrscht eine familiäre Atmosphäre. Ein Badegast, den Blümke einlässt, überreicht ihm einen Beutel voller Bücher. "Hier habt Ihr wieder was für Eure Bücherbox", sagt der Gast. Denn wer mag, muss gar keine eigene Lektüre mit ins Bad bringen, sondern kann sich einfach aus einer Bücherkiste im Eingangsbereich bedienen. "Mancher bringt auch mal Kaffee mit", sagt Blümke, "es ist einfach ein tolles Arbeiten hier".

Und Steffen Blümke möchte mit der Zeit noch mehr aus dem Herrmannbad machen. Möglichst schnell will er wieder eigene Schwimmkurse anbieten. "Ich beobachte, dass es hier in Löbau mehr unsichere Schwimmer oder Nichtschwimmer gibt als anderswo", sagt er. Deshalb will er noch in dieser Badesaison an die Löbauer Kitas herantreten, damit möglichst viele Kinder schon im Vorschulalter schwimmen lernen. Und auch das Thema Unterhaltung will er angehen. Am Rand des Bads stehen ein gemauerter Kamingrill und ein Rundbogen. "Das sieht irgendwie so nach Frau Holle aus, da könnte man für Kinder vielleicht mal eine Art Märchen-Rallye machen", erzählt er - damit das Herrmannbad ein immer kostbareres Schmuckkästchen wird.

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