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Keine Rutsche, keine Schaukel - aber Verbote

Eltern sind über ein ein neues Schild auf dem Spielplatz an der Mozartstraße in Löbau irritiert. Was dahinter steckt und was Stadt und Wobau dazu sagen.

Dieses Schild im Innenhof der Mozartstraße steht erst seit einigen Tagen - und ist von einigen Anwohnern nicht gut aufgenommen worden.
Dieses Schild im Innenhof der Mozartstraße steht erst seit einigen Tagen - und ist von einigen Anwohnern nicht gut aufgenommen worden. © Matthias Weber/photoweber.de

Das kleine Schild im Innenhof der Löbauer Mozartstraße steht erst seit Kurzem. Es zeigt an, was auf dem "Spielplatz Niederhof" alles verboten ist. Durchgestrichen sind ein Hund, ein Fahrrad und ein Fußball spielendes Kind. Das sorgt für Diskussionsstoff: Ist das jetzt ein rigoroses Verbot? Was soll das, wenn Kinder nicht einmal mehr auf dem Spielplatz Ball spielen dürfen?

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Gleich mehrere Mütter, die mit ihren Kindern an dem Nachmittag auf dem Hof unterwegs sind, verstehen den Grund für die neue - in ihren Augen rigorose - Beschilderung nicht. Sie können sich auch nicht erklären, warum jetzt so plötzlich so ein Schild aufgestellt wurde. Es habe keinen Vorfall oder Ärger gegeben. Und eine Information vom Vermieter habe man auch nicht erhalten. Der Vermieter und Betreiber des Spielplatzes ist in diesem Fall die städtische Wobau.

Das Schild stößt hier aber noch aus einem anderen Grund auf wenig Verständnis, denn für die Wünsche der Eltern, den Spielplatz in Ordnung zu halten, werde kaum reagiert. Eine der Mütter, die mit ihrem Kind auf dem Spielplatz ist, zeigt auf das Gerüst, an dem mal eine Schaukel hing: "Da hat mal so ein Trottel den Balken angesägt", erklärt sie. Deshalb sei die Schaukel abgenommen worden - und so wird es wohl auch bleiben. Eine Reparatur wäre zu teuer, habe man ihr gesagt.

Hier gab es mal eine Schaukel. Da aber ein Unbekannter nachts einen Holzbalken angesägt hat, schaukelt hier schon lange niemand mehr.
Hier gab es mal eine Schaukel. Da aber ein Unbekannter nachts einen Holzbalken angesägt hat, schaukelt hier schon lange niemand mehr. © Matthias Weber/photoweber.de
Dieser Kletterturm ist das einzige Spielgerät, das es im Niederhof in Löbau Ost gibt. Die Anwohner wünschen sich mehr.
Dieser Kletterturm ist das einzige Spielgerät, das es im Niederhof in Löbau Ost gibt. Die Anwohner wünschen sich mehr. © Matthias Weber/photoweber.de

Eltern wünschen sich Spielgeräte statt Schilder

In der Tat ist der Spielplatz im Plattenbauviertel Löbau Ost nicht sonderlich üppig ausgestattet: Nur einen kleinen modernen Kletterturm gibt es. Bänke zum Ausruhen auch. Aber die Sandkästen sind mangels Umrandung kaum zu erkennen und stinken nach Katzenurin, erzählen die Mütter. Dennoch ist der Spielplatz für sie ein wichtiger Ort für alle. "Wir sind als Mieter auch an den Kosten des Spielplatzes beteiligt, zahlen pro Jahr rund fünf Euro", ärgert sich eine andere Mutter. "Keine Rutsche, keine Schaukel - aber Verbote", spitzt sie zu.

Ganz so verbissen sieht es die kleine Gruppe aus vier Erwachsenen und mehreren Kindern, die es sich ein wenig abseits der Hofmitte vor ihrem Hauseingang an einem Tisch bei Knabberzeug und Limo bequem gemacht hat, nicht. "Ich habe mich erkundigt und zu dem neuen Schild auch ganz ausführlich Auskunft bekommen", sagt eine Frau mit kurzen Haaren. Das, was sie dabei gehört hat, findet sie okay und kann es gut nachvollziehen: "Die Beschilderung gilt für den Spielplatz selbst, nicht für die anderen Wege und Flächen im Hof", sagt sie. "Das hat wohl der TÜV empfohlen, wegen der Haftung", sagt die Hofbewohnerin.

Der Mann, der sein Kleinkind gerade auf dem Schoß hat, findet sogar etwas Positives: "Der Mülleimer, der jetzt unten beim Schild befestigt ist, ist eine sehr gute Option." Vorher gab es im Hof nämlich gar keinen. Aber ja - natürlich gebe es Verbesserungsbedarf: "Warum kann man den Sandkasten nicht abdecken, damit die Katzen nicht reinpinkeln können?", sagt er. Und warum müssen hier dornige Sträucher stehen?

Was mögliche Verbesserungen angehe, prüfe man Möglichkeiten, erklärt Wobau-Geschäftsführer Ullrich Wustmann auf SZ-Nachfrage. Eine genaue Aussage zu diesem Spielplatz könne er ad hoc nicht geben, wolle sich aber erkundigen, stellt er in Aussicht. Die Sache mit den Schildern sei jedoch ganz einfach: "Die müssen aus versicherungstechnischen Gründen aufgestellt werden", sagt er. Und das tue man nun nach und nach überall.

An manchen Spielplätzen in Löbau - wie hier im Rosengarten - stehen Schilder mit noch weitaus üppigeren Verbotsanweisungen. Nach Angaben der Stadt werde das speziell abgewogen.
An manchen Spielplätzen in Löbau - wie hier im Rosengarten - stehen Schilder mit noch weitaus üppigeren Verbotsanweisungen. Nach Angaben der Stadt werde das speziell abgewogen. © Anja Beutler

Nicht alle Beschilderungen sind gleich

Auch die Stadt Löbau bestätigt genau das für ihre eigenen Spielplätze: "Laut Sicherheitsvorgaben ist eine Spielplatzbeschilderung zwingend vorgeschrieben", erklärt Löbaus Stadtsprecherin Eva Mentele. Der Bauhof stelle aktuell auf allen Spielplätzen, die in städtischer Hand sind, entsprechende Schilder auf. Welche Regelungen für welchen Platz genau getroffen werden, liege zum Teil auch im Ermessen der Stadt, betont Frau Mentele. Die vorgegebene Norm lasse hier Spielraum zu, deshalb berate man sich mit einer "externen Sicherheitsfachkraft".

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Dass sich die Verbote - beispielsweise fürs Ballspielen - explizit auf die Spielplatzfläche selbst und nicht auf die angrenzenden Freiflächen beziehen, ist ein Punkt, den auch Ullrich Wustmann hervorhebt. Auf den Rasenflächen sei Ballspielen nicht verboten. Es gehe vielmehr um das Bolzen direkt auf dem Spielplatz. Kontrolliert wird das Einhalten der Regeln laut Stadt übrigens regelmäßig - durch das Ordnungsamt.

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