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Was wird aus Bernstadts Waldbad?

Ein eher beschaulich-ruhiges Familienbad oder mehr Spaßfaktor? Bernstadt will die Weichen für sein Freibad stellen und dazu auch die Bürger mit einbeziehen.

Oliver Ernst hat 2012 von seinem Vater die Leitung im Waldbad übernommen. Er pflegt die Technik so gut es geht, ist sich aber bewusst, dass sich nach 30 Jahren Schäden häufen können.
Oliver Ernst hat 2012 von seinem Vater die Leitung im Waldbad übernommen. Er pflegt die Technik so gut es geht, ist sich aber bewusst, dass sich nach 30 Jahren Schäden häufen können. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Oliver Ernsts Gäste müssen auch diese Saison ohne das Kinderbecken auskommen. Leider. Doch so sehr es Bernstadts Bad-Chef auch bedauert - ihm ist bewusst, dass es für das kaputte Becken keine schnelle Lösung geben kann. "Die Zeiten, in denen man schnell selbst etwas gebaut oder repariert hat, sind vorbei - es muss ja auch die nötige Sicherheit vorhanden sein", sagt der Mann, der das Bad seit 2012 leitet. Das kleine Becken habe ein grundlegendes Problem: Der Beton ist damals, Mitte der 90er, nicht wie beim Schwimmerbecken richtig fachgerecht erneuert worden. Man hatte nur die Folie draufgeklebt. Nun ist der Betonuntergrund gerissen, die Folie auch und das Becken undicht. "Hier muss eine grundsätzliche Lösung her", sagt Ernst und meint damit auch, dass man die Zukunft des Waldbades generell genauer betrachten sollte.

Oliver Ernst, Fachangestellter für Bäderbetriebe und Chef im Waldbad, zeigt die Risse im kaputten Kinderbecken.
Oliver Ernst, Fachangestellter für Bäderbetriebe und Chef im Waldbad, zeigt die Risse im kaputten Kinderbecken. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Das will auch Bürgermeister Markus Weise (Kemnitzer Liste). In der jüngsten Stadtratssitzung schlug er vor, eine Art Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, die Grundlage für die weitere Badentwicklung sein soll. Weise will vermeiden, dass man immer dann, wenn etwas kaputtgeht - so wie jetzt das Kinderbecken - ad hoc eine Lösung aus dem Hut zaubern muss. Er sorgt sich dabei um die Kosten, denn allein der Bau eines neuen Beckens könne rasch mit zwei oder drei Millionen Euro einhergehen und ohne ein gerade dann passendes Förderprogramm wird das schwierig.

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Hinzu kommt der Faktor Zeit: Ein neues Becken zu planen und zu bauen, braucht locker zweieinhalb Jahre. Das sehe man jetzt beim Kinderbecken. Deshalb schlägt er vor, eine Art Entwicklungsstrategie zu erstellen, mit der man rasch reagieren kann, wenn Fördergelder greifbar sind. Aktuell denkt Weise dabei vor allem auch an Gelder aus dem Strukturwandel.

Der Gedanke, rund 17.000 Euro für ein solches Handlungskonzept auszugeben, stieß bei den Räten auf wenig Begeisterung. Ob man das nicht gleich in die Reparatur des Beckens stecken könne, ob so teure Planungen wirklich nötig seien. Sind sie, bekräftigte Bauamtsleiter Marko Fröhlich: "Wenn wir heute bei Förderprogrammen zum Zuge kommen wollen, können wir nicht mehr nur eine Bleistiftskizze abgeben, da brauchen wir schon eine fundierte Planung und ein Gesamtkonzept." Und bei den Investitionskosten werde es ohne Fördergeld nicht gehen.

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Wohnmobile, Rutsche, Sprungbrett?

Wenn man das Bad aber einmal generell betrachtet, sollte man sich auch fragen, ob man etwas ändern will: "Sollten wir auf dem Gelände noch etwas hinzufügen, Wohnmobilstellplätze anbieten, im Winter hier eine Eishockeyfläche anbieten", zählte Weise Möglichkeiten auf und warf auch die Frage nach einer Rutsche oder einem Ein-Meter-Sprungbrett in die Waagschale. Zwar waren sich Bürgermeister und Räte einig, dass das Waldbad kein Spaßbad werden solle, sondern gerade durch seine Ruhe bewusst von Familien angesteuert wird. Dennoch plädiert Weise dafür, auch die Bürger zu fragen, was sie sich für das Waldbad vielleicht noch wünschen.

Markus Weise betonte dabei aber, dass er sich - parallel zum Bad-Konzept - um eine raschere Sanierung des Kinderbeckens bemühen wolle. Generell sei mit Blick auf das Schwimmerbecken und die Technik - von den Kiesfiltern bis zur Elektronik - absehbar, dass man sich nach rund 30 Jahren darauf einstellen müsse, dass es Ausfälle geben kann. "Es kann noch fünf bis zehn Jahre gut gehen, aber sicher ist das nicht", sagte er und plädiert deshalb dafür, jetzt mit einem Konzept den ersten Schritt zu gehen. Ganz ausräumen konnte er die Skepsis der Räte nicht. Dirk Neumann (FWG - Vereinigte Bürgerliste) fragte, ob es angesichts der aktuellen Preissteigerungen beim Bau sinnvoll sei, sich ein Konzept in die Schublade zu legen, dessen Kalkulationen am Ende Makulatur sind.

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Dennoch beschloss der Rat mit elf Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen, ein Ingenieurbüro mit einem Bad-Konzept zu beauftragen. Beratungs- und Diskussionsbedarf gibt es aber dennoch und so werden die Stadträte sich demnächst bei Oliver Ernst im Waldbad einfinden - um vor Ort offene Fragen zu klären. Und ab 16. Juni können sie sich - nach heißen Diskussionen - auch gleich abkühlen. Denn dann soll das Bad öffnen.

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