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Gaspreise in der Oberlausitz steigen 2022 kräftig an

Die Erhöhung beträgt etwa ein Viertel. Betroffen sind alle, die SachsenEnergie versorgt. Wer einen Fix-Vertrag besitzt, hat zunächst vielleicht Glück.

Von Ulf Mallek
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Das dürfte heftig werden: Der Zähler rennt. Eine Familie muss etwa 200 bis 330 Euro im Jahr mehr fürs Heizen und Warmwasser mit Erdgas bezahlen.
Das dürfte heftig werden: Der Zähler rennt. Eine Familie muss etwa 200 bis 330 Euro im Jahr mehr fürs Heizen und Warmwasser mit Erdgas bezahlen. © Stephan Jansen/dpa

So eine drastische Preiserhöhung für alle Gaskunden gab es lange nicht, vermutlich noch nie. SachsenEnergie (früher Enso/Drewag) erhöht ab 1. Januar 2022 für Privat- und Gewerbekunden in Dresden sowie den Landkreisen Meißen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Bautzen und Görlitz die Verbrauchspreise von Erdgas um 1,43 ct/kwh brutto (1,2 ct/kWh netto). Das teilte das Unternehmen am Montag sächsische.de mit. Der Grundpreis bleibt konstant.

Was hier so statistisch formuliert ist, hat große negative Auswirkungen aufs Portmonee eines jeden einzelnen Kunden. Denn die 1,2 Cent netto mehr pro Kilowattstunde bedeuten etwa eine Preiserhöhung von rund einem Viertel bei einem Jahres-Verbrauch von rund 17.000 kWh (ohne Grundpreis). Diese Menge wird benötigt, um ein mittleres modernes Einfamilienhaus zu heizen. SachsenEnergie gibt bei einem noch höheren Verbrauch von 21.000 kWh eine Steigerung von 21 Prozent im Jahr an.

Rechenbeispiele je nach Verbrauch am Beispiel der Preiserhöhung um 1,43 ct/kWh brutto:

  • monatlich 14,30 Euro (brutto) bei 12.000 kWh pro Jahr
  • monatlich 20,26 Euro (brutto) bei 17.000 kWh pro Jahr
  • monatlich 27,41 Euro (brutto) bei 23.000 kWh pro Jahr

Glück haben jene Kunden, die einen laufenden Vertrag mit Preisgarantie abgeschlossen hatten, wie etwa Enso.Erdgas.Fix.24. Sie bleiben vorerst von der Erhöhung verschont. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Weiter teilte SachsenEnergie mit, dass einige Kunden "produktspezifische Preisänderungen und neue Angebote erhalten werden". Treuen Bestandskunden möchte die SachsenEnergie "in dieser dynamischen Zeit ein Stück Sicherheit geben". Deshalb bietet sie wieder ein Erdgas.Fix-Produkt an, das eine Preisstabilität für ein Jahr garantiert. Zudem gibt es einen einmaligen Treuebonus von bis zu 50 Euro. Allerdings: Eine sichere Prognose, wie sich der Gaspreis 2022 auf den Weltmärkten entwickeln wird, gibt es nicht. Die Experten gehen davon aus, dass noch bis Mitte 2022 mit einem hohen Preisniveau gerechnet werden muss.

Hintergrund der kräftigen Erhöhung, so das Unternehmen, sei die Preisentwicklung auf dem Energiemarkt. Es handele sich um ein Allzeithoch, das den gesamten Welthandel betrifft. Zu den Gründen zählt ein überraschend starkes Anziehen der weltweiten Konjunktur, welche auf geringe Förderkapazitäten trifft. Flüssiggaslieferungen aus den USA landen deshalb größtenteils auf dem boomenden asiatischen Markt und nicht in Europa. Der lange und kalte Winter 2020 und 2021 hat die Speicher geleert. Zudem musste Gas die Defizite bei der Stromproduktion auf der Basis von Windkraft ausgleichen. Einige Experten befürchten sogar Lieferengpässe im Winter.

Weitere bestimmende Faktoren für den Erdgaspreis der Kunden sind die Netzentgelte sowie staatlich regulierte Umlagen und Abgaben. So beträgt seit 1. Januar 2021 die staatliche CO2-Abgabe in Deutschland 0,455 ct/kWh netto beziehungsweise 0,541 ct/kWh brutto. Ab 1. Januar 2022 wird sie auf 0,546 ct/kWh netto beziehungsweise 0,65 ct/kWh brutto erhöht. Bereits im Oktober diesen Jahres hatten Enso und Drewag ihre Gaspreise um etwa zehn Prozent erhöht. Davor gab es eine Erhöhung im Jahr 2019 sowie ein Senkung 2016 und 2015.

Die gute Nachricht, die aber kaum tröstet: Dank der langfristigen Beschaffung von SachsenEnergie konnte ein Teil dieser enorm gestiegen Kosten für die Kunden aufgefangen werden. Zumindest wird der Strom für alle Privat- und Kleingewerbekunden derzeit nicht teurer.

Wer denkt, ein Anbieterwechsel sei die Lösung des Problems, wird wohl auch nicht so leicht fündig. In der Grundversorgung mit Erdgas bleibt SachsenEnergie trotz der Erhöhung mit einem Verbrauchspreis von 8,18 Ct/kWh brutto deutlich einer der günstigsten Versorger Ostdeutschlands. Die Angebote auf Vergleichsplattformen wie Verivox und Check24 zeigen eine Spanne zwischen rund 11 und 14 Cent je Kilowattstunde. Allerdings ist der Grundpreis von SachsenEnergie meist deutlich höher.