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Abgerissen: Der Gasthof Altlöbau ist weg

Er zählte zu den größten Gasthäusern mit großem Tanzsaal in Löbau. Zuletzt lag er brach und verfiel zunehmend. Jetzt kam die Abrissfirma - aber viele Fragen bleiben.

Nur noch ein Haufen Schutt: Der "Gasthof Altlöbau" an der Seltenrein wurde vor Kurzem überraschend abgerissen.
Nur noch ein Haufen Schutt: Der "Gasthof Altlöbau" an der Seltenrein wurde vor Kurzem überraschend abgerissen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Ein Haufen Schutt ist vom einst so berühmten "Gasthof Altlöbau" noch übrig. Generationen haben hier getanzt, gespeist und geflirtet - von Hochzeit bis Jugendweihe hat das Haus so ziemlich alles gesehen. Nun ist plötzlich alles anders. Vereinzelt ragt ein Fensterrahmen oder ein Stück Holz aus dem vom Ziegelrot gefärbten Steinberg. Am Rande liegen abgeschlagene Birkenstämme - offenbar die, die aus dem Gebäude bereits herausgewachsen waren. Dass es mit dem "Gasthof Altlöbau" so zu Ende geht, hätte von den Anwohnern in dem kleinen, seit 1934 zu Löbau gehörenden Dorf wohl niemand gedacht. "Ich bin richtig erschrocken als die Baufirma für den Abriss plötzlich da war", sagt Nachbarin Isolde Porfitz. Wenn sie von ihrem Grundstück heraus will, muss sie auf schmalem Weg direkt am alten Gasthof gleich neben der Seltenrein vorbei - es gibt nur diese Zufahrt zu ihrem Grundstück.

Der Bagger frisst sich Ende März in den alten Gasthof. Die Abrissarbeiten waren für die Anwohner überraschend.
Der Bagger frisst sich Ende März in den alten Gasthof. Die Abrissarbeiten waren für die Anwohner überraschend. © Eberhard Tucek

Dass das Gebäude - und vor allem der große Saal - immer weiter verfiel, war seit Jahrzehnten Normalzustand im Ort. Seit 1991 ist der Gasthof, der einst mit rund 400 Plätzen zu den größten in der Stadt gehörte, geschlossen. Danach wechselten, so erzählt man im Ort, die Besitzer. Wem das Gebäude jetzt gehört, ist in gewisser Weise ein Geheimnis - ein Phantom: "Den Eigentümer kennen wir nicht, es hat sich hier auch in den Jahren niemand sehen lassen", sagt der Nachbar zur anderen Seite, Eberhard Tucek. Man munkelt im Ort, dass es ein West-Berliner sei - aber so genau weiß das niemand. Und die Behörden dürfen - mit Blick auf den Datenschutz - dazu keine Auskünfte geben.

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Auskünfte gab es vorab auch zum Abriss, der am 30. und 31. März recht schnell erledigt war, keine. Vor allem auch, wer dahinter steckt, würden deshalb jetzt viele gern wissen. Denn Beschwerden über den verwahrlosten Zustand des Gebäudes, in dem sich auch gern mal lichtscheue Gestalten zum Trinken, Rauchen und Übernachten trafen, gab es seit Jahren. "Wir haben zuletzt 2019 den Eigentümer angeschrieben, dass er handeln soll", erklärt Löbaus Stadtsprecherin Eva Mentele auf Nachfrage. Als nichts geschah, leitete die Stadt den Fall Anfang 2020 an das Bauaufsichtsamt des Landkreises weiter.

In einer Serie über alte Gasthäuser in Löbau berichtete die SZ auch über den "Gasthof Altlöbau".
In einer Serie über alte Gasthäuser in Löbau berichtete die SZ auch über den "Gasthof Altlöbau". © Screenshot: Anja Beutler

Dort hat man jetzt gehandelt. Der Landkreis bestätigt gegenüber der SZ: "Die Bauaufsicht hat die Gefahr beseitigt." Weitere Auskünfte seien derzeit nicht möglich, denn man befinde sich in einem offenen Verfahren, erklärt Kreissprecherin Franziska Glaubitz. Was aus dem Schutthaufen wird, ist damit allerdings noch nicht geklärt. Aus Sicht des Kreises "geht vom Schutthaufen keine Gefahr aus".

Das sehen Anwohner wie Frau Porfitz und Lothar Schlagehan, dessen Familie den Gasthof lange Zeit betrieben hat, anders. Zugegeben, die Gefahr, dass das Gebäude in sich zusammenfällt, den Weg versperrt oder Neugierigen beim Stöbern auf den Kopf fällt, gibt es nun tatsächlich nicht mehr. Eine Lösung für das Areal könne das aber noch nicht sein, finden sie. "Da ist ja noch nichts gesichert, der Schuttberg ist nicht umzäunt", sagt Isolde Porfitz. Dass sich auf dem Abriss-Berg jetzt immer wieder Neugierige und auch Kinder tummeln, die sich Baustoffe herausfischen - sogar Handwerker seien darunter - betrachten die Anwohner mit gewisser Sorge, denn unter dem Materialberg sind ja noch die Keller des Gebäudes. Abgesehen davon fragen sie sich: "Wie sieht das denn jetzt aus?" Immerhin, so sagt Isolde Porfitz, habe die Abrissfirma Gefahrenstoffe gleich entsorgt.

Martina Krumbiegel - hier im SZ-Bericht von 2013 - gehörte zur Familie Schlagehan, die den Gasthof viele Jahre betrieben haben.
Martina Krumbiegel - hier im SZ-Bericht von 2013 - gehörte zur Familie Schlagehan, die den Gasthof viele Jahre betrieben haben. © Screenshot: Anja Beutler

So bleiben aktuell viele Fragen offen, die wohl erst geklärt werden können, wenn das vom Kreis angesprochene Verfahren beendet ist. Zu klären wird dabei sicherlich auch sein, was beispielsweise mit dem Hang in Richtung Lessingstraße wird. Dort steht noch eine Mauer des einstigen Gasthofes - offensichtlich auch zur Sicherung des stark abfallenden Geländes. Allerdings, so berichten viele, die es noch von früher kennen, wurde diese Wand bereits zu DDR-Zeiten abgestützt, weil der Hang drückte.

Die Altlöbauer warten nun gespannt, wie es weitergeht, hoffen auf eine neue Perspektive für das Grundstück - und schwelgen in Erinnerungen. Tanzabende mit Musik, Erntedankfeste, Familienfeten - der Gasthof hat im Leben vieler Löbauer und auch vieler Offiziershochschüler, die zu DDR-Zeiten gern kamen, einen besonderen Platz. Auch jetzt, wo seine Mauern nicht mehr stehen.

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