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Warum der Gasthof Altlöbau besonders war

Einblicke in die Geschichte der Gaststätte mit Tanzsaal. Sie ist eine der größten und renommiertesten in Löbau gewesen.

Der „Gasthof Altlöbau“ mit dem Saalanbau als
Motiv einer in
den 1950er Jahren aufgelegten Ansichtskarte. Rund 300 Gäste konnten hier Platz finden.
Der „Gasthof Altlöbau“ mit dem Saalanbau als Motiv einer in den 1950er Jahren aufgelegten Ansichtskarte. Rund 300 Gäste konnten hier Platz finden. © www.fotoloebau.de

Ein steinerner Schuttberg blieb nach dem überraschenden Abriss der Gaststätte Altlöbau in diesem Frühjahr (die SZ berichtete). Wenn die Abriss-Steine reden könnten, sie hätten stundenlang aus der Geschichte des Hauses zu erzählen.

Wann es erbaut wurde, darüber lassen sich keine konkreten Angaben finden. Die Entstehung des Gasthofes wird der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die des Festsaals dem Ende des 19. Jahrhunderts zugeschrieben. Aber über 100 Jahre alte Ansichtskarten zeigen, wie geschätzt die Gaststätte mit ihrem wuchtigen Saalanbau bereits zu dieser Zeit nicht nur bei den Löbauern war. Über Jahrzehnte war die Lokalität, die anfangs noch „Alt-Löbau“ geschrieben wurde, mit dem Namen Schlagehan verbunden. „Wir gehen zu Schlagehan“, hieß es deshalb. Vor allem Richard Schlagehan hatte dafür gesorgt. In einem Löbauer Adressbuch pries er sein Haus, Postanschrift An der Seltenrein 10, zu Beginn der 1920er Jahre als Gasthof mit Tanzsaal und eigener Fleischerei, empfahl ein 80 Personen fassendes Vereinszimmer für Hochzeiten, Kindtaufen und Versammlungen, zudem einen „schönen Sommergarten“ und jeden Sonntag öffentliche Ballmusik.

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Auch nach 1945 blieb die Gaststätte eine Größe im Löbauer öffentlichen Leben. Das belegen Fakten aus der dreiteiligen „Chronik der Stadt Löbau“ von Dr. Egon Storch, die die Jahre 1945 bis 1960 beleuchtet. Demnach fand hier am 29. März 1947 die Gründungsversammlung der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) des Kreises Löbau statt. Am 19. März 1959 öffnete eine Spielstätte des Kreislichtspielbetriebes im Gasthof. Am 1. Juli 1959 übernahm das Haus die staatliche Handelsorganisation HO, was an seiner Popularität nichts änderte. Hier kam man zu Feiern der Jugendweihe und anderen Familienfesten oder zum Erntedank zusammen.

Ein beliebtes Tanzlokal

Vor allem aber war „Altlöbau“ ein beliebtes Tanzlokal. So spielten zum Beispiel in den 70er und 80er Jahren Formationen mit klangvollen Namen wie „Fortunas“, Naissance“, „Sonix“ oder „Akzent“ auf. Das wussten auch die Löbauer Offiziersschüler zu schätzen. Manch späteres Ehepaar dürfte sich hier kennengelernt haben. Folglich hat es mit dem „Gasthof Altlöbau“ zu tun, dass es in der Stadt mittlerweile ein „Kussgässchen“ gibt. Denn diesen bis dahin namenlosen Weg, der die Lessingstraße mit Altlöbau verbindet, nutzten viele Pärchen auf ihrem nächtlichen romantischen Nachhauseweg von dem renommierten Tanzlokal. Also erhielt die Gasse bei einer Neu- und Umbenennung von Löbauer Straßennamen 1996 diesen treffenden Namen.

Doch bereits Mitte der 80er Jahre schrillten ob des Bauzustandes von „Altlöbau“ die Alarmglocken. Die Heizung war verschlissen. 1985 führte das zu einem Rauchgaseintritt in den Saal. Eine Reparatur war nicht mehr möglich, wie Jens Krüger vom Löbauer Stadtarchiv in Erfahrung brachte. Wegen Materialmangels konnte auch keine neue Heizung installiert werden. Die schlechte Gebäudesubstanz wurde im August 1987 auch von der Löbauer SZ thematisiert. Doch die Lage verbesserte sich nicht, obwohl in der Liste der Kulturdenkmale in Löbau der „Gasthof Altlöbau mit Saalanbau“ als „baugeschichtlich und ortsgeschichtlich von Bedeutung“ eingestuft war. 1991 wurde das Haus geschlossen. Mit dem Leerstand war der Verfall nicht mehr aufzuhalten.

Doch der nun erfolgte Abriss kann die vielen positiven Erinnerungen an das Haus nicht löschen. Peter Emrich, der seit Jahren seine stadtgeschichtlich wertvolle Internetseite www.loebaufoto.de pflegt, schreibt dort: „Danke für die schönen Stunden, die wir im Gasthof Altlöbau verleben durften!“

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