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Hier brutzeln bald wieder Steaks

Das ehemalige "Steak Inn" in Neusalza-Spremberg hat einen neuen Besitzer. Er will mit brasilianischer Küche punkten, wird aber wegen Corona noch ausgebremst.

Die Brüder Edu (links) und Celso Eduardo aus Brasilien wollen in Neusalza-Spremberg ein Steakhaus und eine Kaffeerösterei etablieren. Auch Edus Frau arbeitet mit im Familienbetrieb.
Die Brüder Edu (links) und Celso Eduardo aus Brasilien wollen in Neusalza-Spremberg ein Steakhaus und eine Kaffeerösterei etablieren. Auch Edus Frau arbeitet mit im Familienbetrieb. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Corona ist allgegenwärtig und sorgt überall für Einschränkungen oder durchkreuzt Pläne. So auch die von Edu Eduardo - zumindest zum Teil. Für den Brasilianer, der sich jetzt mit seiner Familie im Oberland niedergelassen hat, bedeutet die weltweite Pandemie, dass er mit der Eröffnung seines großen Traumes noch warten muss. Sein großer Traum - der steht an der B96 in Neusalza-Spremberg in Form des alten Kretschams der Stadt. Zuletzt war hier ein Steakhaus und das soll es auch wieder werden. Der Brasilianer will die kulinarischen Besonderheiten seiner Heimat den Deutschen nahe bringen und den Brasilianern in Deutschland und Sachsen ein Stückchen Heimat geben, erklärt er seine Pläne mit dem Haus. 

Doch noch bleibt die Küche kalt. Die Köchin aus Brasilien, die er engagiert hat, kann nicht anreisen - wegen Corona. Bis Ende des Monats, so hofft Gastwirt und Hotelier Eduardo, wird sie einreisen dürfen. 

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Das Steakhaus ist ein echter Familienbetrieb. Denn auch Edus Bruder Celso Eudardo wird mitmachen und im Steakhaus eine Kaffeerösterei betreiben. Denn er besitzt eine eigene Kaffeeplantage in Brasilien. Der Kaffeeanbau hat eine lange Tradition in der Familie der Brüder. Ihr Ururgroßvater war bereits Kaffeebauer. Der stammte aus Sachsen, aus Penig in der Nähe von Chemnitz. Der zweite Nachname der Brüder ist deshalb Herrmsdorf. "In Brasilien hat man zwei Nachnamen", erklärt Edu Eduardo. "Den vom Vater und den mütterlicherseits." Ururopa Herrmsdorf wanderte vor 200 Jahren nach Brasilien aus. In Europa tobte der napoleonische Krieg und es herrschte viel Armut. In Brasilien wurde er schließlich Kaffeebauer. "Ich baue noch genau so an, wie mein Ururgroßvater vor 200 Jahren", erklärt Celso Eduardo stolz. "Alles wird per Hand erledigt." Er verwende auch wenig Dünger, weswegen sein Kaffee quasi Bio-Qualität habe. "Er wächst im Gebirge auf rund 1.000 Metern Höhe", erzählt er. Das sei ebenfalls ein besonderes Qualitätsmerkmal. Den Kaffee will er künftig nach Deutschland einführen und hier in Neusalza-Spremberg rösten. 

Ururgroßvater war ein Sachse

Dass die Brüder hier in Sachsen gelandet sind, ist kein Zufall. Sie haben sich den Freistaat bewusst ausgesucht, weil sie hier eben ihre deutschen Wurzeln haben. Kaffeebauer Celso kaufte bereits vor einiger Zeit ein Fachwerkhaus im Geburtsort des Ururopas, in Penig. Dort richtet er ein Kaffeemuseum ein. Auch sein Bruder Edu wollte gern nach Deutschland. Am liebsten wollte er ein Hotel betreiben, denn das war auch in Brasilien schon sein Job. Zusammen suchten sie nach Hotels in Sachsen, die zum Verkauf standen. Und stießen auf das Steakhaus in Neusalza-Spremberg. "Es ist nahezu fertig eingerichtet. Ich musste nicht viel investieren", sagt Edu Eduardo. Den Hotelbetrieb in den 14 Zimmern hat er bereits gestartet, es gibt erste Buchungen. 

Überzeugt hat ihn aber nicht nur der Zustand des Hauses. Er ist ganz verliebt in die Landschaft. "Die Berge, das viele Grün. Das ist ähnlich, wie bei uns zu Hause", sagt der 51-Jährige. Er kommt aus dem Bundesland Minas Gerais, aus der Millionenstadt Belo Horizonte. Und dessen typische Gerichte, will Edu künftig in Neusalza-Spremberg servieren. Da gibt es zum Beispiel Churrasco, ein typisches Fleischgericht oder den Bohneneintopf Feijoada. "Das ist bei uns eine Art Nationalgericht", erzählt der Gastronom. Und seinem Namen Steakhaus soll das Lokal natürlich auch gerecht werden. Sein Ziel ist es, die brasilianische Kultur in die Region zu holen und hier zu etablieren. "Ich möchte, dass die Menschen mein Heimatland und die brasilianische Gastfreundlichkeit kennenlernen." Und Brasilianern in Deutschland will er ein Stück Heimat geben mit seinem brasilianischen Steakhaus in Neusalza-Spremberg. Dazu gehört auch Livemusik. Mit einem großen Partysaal hat Edu Eduardo dafür ebenfalls Platz. 

Brasilianische Kultur in die Oberlausitz holen

Nun hofft er aber erst einmal, dass es bald richtig losgehen kann und die Küche nicht länger kalt bleiben muss. 

Ungeachtet dessen hat er weitere Zukunftspläne mit dem Lokal in Neusalza-Spremberg. Für das nächste Frühjahr hat er sich vorgenommen einen Biergarten einzurichten und einen Spielplatz für die Gäste-Kinder auf dem Grundstück zu bauen. Außerdem soll ein Beachvolleyballplatz entstehen. Hier soll es sportlich zugehen - aber ebenfalls typisch brasilianisch. Edu Eduardo will dort Peteca anbieten. Das ist eine Sportart aus dem südamerikanischen Land, die ähnlich funktioniert wie Volleyball. Nur gibt es statt eines Balls eine Gummischeibe mit bunten Federn. 

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