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Hat der Zinzendorf-Schulbau den Kanal beschädigt?

Das Landgericht Görlitz hat im Streit um einen Betonpfropf im Herrnhuter Regenwasserkanal entschieden. Die Besonderheit des Baumaterials half weiter.

Von Anja Beutler
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Die Gebäudeteile der Zinzendorfschulen ruhen auf Bohrpfählen im Untergrund. Bei deren Bau ist etwas schiefgegangen.
Die Gebäudeteile der Zinzendorfschulen ruhen auf Bohrpfählen im Untergrund. Bei deren Bau ist etwas schiefgegangen. © Matthias Weber

Die 1. Zivilkammer des Landgerichtes hat einer Klage der Stadt Herrnhut stattgegeben. Dabei ging es um einen riesigen Pfropfen aus Beton, der nach den Bauarbeiten für die neuen Gebäude der Zinzendorfschulen den Regenwasserkanal der Stadt verstopft. Ob tatsächlich die Bauarbeiten für das neue Schulgebäude Ursache für die Probleme sind, war umstritten.

Nun aber ist vor allem durch Gutachten klar, dass es sich um den Beton handelt, der für die Pfahlgründung der Zinzendorfschulen genutzt wurde. Da der Untergrund in Herrnhut bautechnisch generell schwierig ist, ist diese Methode der Bauwerkstabilisierung üblich. Bei dieser Technik werden Löcher in den Untergrund gebohrt und mit Beton verfüllt. Dabei hat die Baufirma wohl einen, in den Unterlagen verzeichneten Regenwasseranschluss beim Bohren getroffen. Das bestätigte der Gutachter in seinem Bericht in dem Verfahren. Dass der Firma der "erhebliche Mehrverbrauch von Beton durch Abfluss" in den Regenwasserkanal nicht aufgefallen war, "erschließe sich nicht", heißt es in der Urteilsbegründung.

Laboruntersuchungen brachten Beweis

Zudem haben Laboruntersuchungen des Betons ergeben, dass es sich um das Material handeln müsse, das nur für diese Bohrpfähle genutzt wurde. Da die Baumaßnahme unter besonderen umweltschonenden Standards ausgeführt wurde, weicht die Zusammensetzung der Materialien durchaus von den sonst üblichen Baustoffen ab. Da die Anschlüsse der Altgebäude in den vorhandenen Unterlagen ersichtlich waren und die Firma durch eine einfache Befahrung des Regenwasseranschlusses hätte Aufschluss erlangen können, sei "ein zumindest fahrlässiges Verschulden offensichtlich", heißt es in der Begründung des Gerichts.

Da der Zusammenhang von Verstopfung des Kanals und den Bauarbeiten für das Gericht klar nachgewiesen ist, verurteilte es die Baufirma zur Zahlung von insgesamt etwa 78.600 Euro. Darin enthalten sind vor allem die Kosten für die nun nötigen Reparaturarbeiten am Regenwasserkanal. Sollten die Arbeiten teurer werden oder weiterer Schaden entstanden sein, müsse dies ebenfalls von der Baufirma getragen werden, hieß es.

Der Betonpfropf befindet sich unter der Kreuzung am Zinzendorfplatz beim Abzweig Löbauer Straße. Das Abflussproblem war bei starkem Regenfall rund ein halbes Jahr nach Fertigstellung der Bohrpfähle aufgetreten.