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Löbaus neobarocke Brücknervilla

In der Oberlausitz gibt es Häuser, die viele Menschen kennen – aber nicht deren Geschichte. Die SZ stellt einige in loser Folge vor.

Die Brücknervilla in Löbau, Brücknerring 8, besticht durch ihre bemerkenswerte Architektur. Wer sie entdeckt, kann wenige Meter vom Zentrum entfernt Ruhe und schöne Ausblicke genießen. Kleines Bild: Heinrich Curt Brückner.
Die Brücknervilla in Löbau, Brücknerring 8, besticht durch ihre bemerkenswerte Architektur. Wer sie entdeckt, kann wenige Meter vom Zentrum entfernt Ruhe und schöne Ausblicke genießen. Kleines Bild: Heinrich Curt Brückner. © SZ-Repro/öp

Diese Löbauer Villa ist weithin bekannt, auch wenn sie abseits größerer Straßen und etwas versteckt ihren Standort hat. Dabei ist sie gar nicht weit vom Zentrum zu finden: am Brücknerring hinter dem Technischen Rathaus, der ehemaligen Preuskerschule. Im Straßennamen steckt bereits der Name der Villa. Umgangssprachlich wird sie Brücknervilla genannt, exakt laut Liste der Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen Brücknersche Villa. Es handele sich dabei um ein herrschaftliches neobarockes Gebäude mit Turm und hölzernen Anbauten, das baugeschichtlich und gartenkünstlerisch von Bedeutung sei. Umgeben sei die Villa von einem eingefriedeten Villengarten, so die Beschreibung des Landesamtes für Denkmalpflege.

1901 wurde das Haus am damaligen Schulgraben erbaut. Bauherr war Heinrich Curt Brückner (1851–1922), der hier mit seiner Familie einzog. Brückner war in Löbau ein angesehener Apotheker, Notar und Stadtrat. Nach Schulabschluss, Apothekerlehre und Studium hatte er 1877 in Löbau das Apothekengeschäft seiner Vorfahren übernommen. Früh engagierte er sich für die Kommunalpolitik seiner Heimatstadt. Zunächst Mitglied des Schulausschusses, dann Stadtverordneter, wurde er 1889 Mitglied des Rates der Stadt. 20 Jahre später wurde er zum stellvertretenden Bürgermeister von Löbau gewählt.

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Die Verdienste Heinrich Curt Brückners um Löbau wurden mehrfach gewürdigt. Schließlich ist sein Name untrennbar mit dem Bau des Elektrizitätswerkes und der Jägerkaserne verbunden. Bereits 1911 wurde ihm zu Ehren der Schulgraben in Brücknerring umbenannt, „in Anerkennung der langjährigen und vortrefflichen Dienste als Mitglied der städtischen Kollegien sowie auf dem Gebiete der Wohltätigkeit seiner Vaterstadt“, wie der Stadtgemeinderat begründete. 1913 wurde der Apotheker zum königlich-sächsischen Hofrat, 1921 zum Löbauer Ehrenbürger ernannt.

Nach Brückners Tod am 9. Dezember 1922 verlor die Villa nicht an Bedeutung, ihr Denkmalwert blieb unbestritten. In der DDR waren hier die Kreissekretariate des Kulturbundes und der Volksolidarität untergebracht. Ein Veteranenklub bot Rentnern Abwechslung und Entspannung. Wenn zum Beispiel ein Chor auftrat, nutzte er gern die Freitreppe im Foyer. Nach der Wende konstatierte die Sächsische Zeitung Dezember 2013, dass die Brücknervilla „alles andere als vernachlässigt“ aussieht. Zwischen 1998 und 2005 war sie umfangreich saniert worden. Eigentlich sollten etliche der insgesamt 1.200 Quadratmeter Fläche für Hochzeitsfeiern angeboten werden. Doch diese Pläne gingen nicht auf, die Villa stand zum Verkauf. Heute wird sie von der Wasserbau und Aquakultur GmbH genutzt.

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