merken
PLUS Löbau

Das war einst die modernste Volkschule

In der Oberlausitz gibt es Häuser, die viele Menschen kennen – aber nicht deren Geschichte. Die SZ stellt einige vor. Heute: Die Mittelschule Neusalza-Spremberg.

Die 1928 eingeweihte Pestalozzi-Schule Neusalza-Spremberg. Architekt war der Zittauer Richard Schiffner. Das in hellen Farben gehaltene Gebäude ist als Denkmal baugeschichtlich und ortsgeschichtlich von Bedeutung.
Die 1928 eingeweihte Pestalozzi-Schule Neusalza-Spremberg. Architekt war der Zittauer Richard Schiffner. Das in hellen Farben gehaltene Gebäude ist als Denkmal baugeschichtlich und ortsgeschichtlich von Bedeutung. © SZ-Archiv

Eine Schule kann auch bei Wanderern populär sein: Die Pestalozzi-Mittelschule Neusalza-Spremberg unweit der B 96 hat sich bei ihnen als beliebter Start- und Zielpunkt der Mittellausitzer Berglandtour jahrzehntelang eingeprägt. Wenngleich die von den Kultur- und Heimatfreunden der Stadt organisierte Sportveranstaltung derzeit ausgesetzt ist: Nicht wenige, die sich in die Startlisten eintrugen, schwärmen von der Architektur des Gebäudes, die sich auch in der Fassade und der Eingangsgestaltung widerspiegelt.

Fast 100 Jahre ist es jetzt her, als 1922 erste Überlegungen zum Bau dieser Schule reiften. Das Projekt war dringend nötig, denn drei kleine Schulen mit unzureichenden Bedingungen waren damals über den 1920 zur Stadt vereinten Doppelort verstreut. Aber erst am 9. Juli 1924 entschied eine Jury aus Einwohnern und Ratsmitgliedern über die Vorschläge eines öffentlichen Ideenwettbewerbes und erteilte dem Vorschlag des Stuttgarter Professors Just und des Zittauer Architekten Richard Schiffner (1881 bis 1953) den Zuschlag. Eine ebenfalls vorgesehene Turnhalle und eine Fortbildungsschule konnten allerdings wegen zu hoher Kosten nicht berücksichtigt werden.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Dennoch entstand mit dem Bau, für den am 22. Juni 1927 der Grundstein gelegt wurde, die damals modernste Volksschule des Kreises Löbau. Zehn Klassenzimmer, ein Physikzimmer, ein Zeichensaal, eine Aula und ein Werkraum wurden für den Unterricht der damals fast 400 Mädchen und Jungen angeboten, recherchierte der 2002 verstorbene Dankmar Kaden, selbst langjähriger Lehrer an der Schule. Und auch außen konnte sich das Gebäude sehen lassen: Fachleute ordnen es als architektonisch anspruchsvollen dominanten Schulbau mit expressionistischen Elementen ein. Dieser Stil wurde bis Ende der 1920er Jahre in Deutschland angewandt.

Dabei lässt sich Richard Schiffners Handschrift, der auch Architekt der Schulen Niederoderwitz (1923) und Großpostwitz (1929) war, nicht leugnen. Nach nur 18-monatiger Bauzeit konnte am 18. Oktober 1928 in Neusalza-Spremberg Einweihung gefeiert werden. An diesem Festtag, so schreibt Dankmar Kaden, zogen die Schulkinder von den bisherigen drei alten Schulhäusern (Kirchschule Spremberg, Niedere Schule Bautzner Straße und Neusalzaer Schule) vor den Haupteingang des neuen Gebäudes. In Erinnerung an seinen 100. Todestag bekam die Bildungseinrichtung den Namen „Heinrich Pestalozzi“.

Und aktuell? Auch heute entspreche das Haus, das nach 1945 einen schweren Neuanfang und unterschiedliche Schulformen erlebte, allen Ansprüchen der Lernenden und Lehrenden, wird auf der Webseite der Schule festgestellt. Umfassende Sanierungen sorgten dafür. Moderne Lernkabinette wurden eingerichtet. Heizung, Sanitär, Fenster, Bedachung erneuert. Wörtlich heißt es in der Internet-Präsentation: „Nach Schließung der Mittelschulen in Oppach und Schönbach hat die Pestalozzi-Mittelschule mit ihrem weiter gewachsenen Schülereinzugsbereich noch stärker an Bedeutung gewonnen.“

Mehr zum Thema Löbau