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Abriss besiegelte Ende der Textilindustrie

Vor 25 Jahren verschwand die Weberei Horn, die spätere Frottana, aus Oppachs Ortsbild. Der Urenkel des Firmengründers probierte 1992 einen Neustart.

So wurde vor 25 Jahren die in Oppach „Frottana“ genannte Weberei Horn in der Nähe der ehemaligen Tankstelle abgerissen: Arbeiter bauen das Dach zurück, ein Bagger (links unten) nimmt sich bereits erster Gebäudereste an.
So wurde vor 25 Jahren die in Oppach „Frottana“ genannte Weberei Horn in der Nähe der ehemaligen Tankstelle abgerissen: Arbeiter bauen das Dach zurück, ein Bagger (links unten) nimmt sich bereits erster Gebäudereste an. © Steffen Scholz (Archiv)

Rot unterstrichen hatte am 9. Mai 1996 SZ-Bildreporter Steffen Scholz seinen handschriftlichen Vermerk auf der Rückseite eines Schwarz-Weiß-Fotos von einem Fabrikabriss in Oppach: „Achtung! Zur baldigen Verwendung, sonst steht die Fabrik bei Veröffentlichung nicht mehr.“ Beim Abriss von still gelegten Betrieben in der südlichen Oberlausitz wurde vor 25 Jahren nicht gekleckert, sondern geklotzt.

So war es auch bei der Mechanischen Weberei Wilhelm Horn. 1896 wurde sie erstmals als „Türkisch-Rot-Färberei“ bezeichnet, hatte 110 Arbeiter und konnte 98 mechanische Webstühle aufweisen. Später machte sie sich als Frottier- und Taschentuchweberei einen Namen, hieß nach der Zwangsverstaatlichung 1972 VEB Otafro (Oppacher Taschentücher- und Frottiererzeugnisse) und wurde schließlich als Werk 3 dem VEB Frottana Großschönau mit Schwerpunkt Handtuch-, Bademantel und Taschentuchproduktion und über 300 Beschäftigten angegliedert.

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1991 erfolgte die Stilllegung der Werksanlagen unweit der ehemaligen Tankstelle zwischen B 96 und B 98, auch begünstigt durch die unsachgemäße Aufstellung von Webautomaten zu DDR-Zeiten, wie sich in Frank Nürnbergers „Geschichte der Oberlausitzer Textilindustrie“ nachlesen lässt. Es kam zu Rissen und Statikproblemen am Hauptgebäude, so dass 1989 nur noch 16 Webstühle im Erdgeschoss liefen und der Abriss folgerichtig war. Dennoch hatten die Alteigentümer nach der Rückübertragung die Hoffnung nicht aufgegeben, den Produktionsstandort im kleineren Format zu bewahren.

Neustart nach der Wende versucht

Stefan Wiegand, Urenkel des Firmengründers Wilhelm Horn, versuchte 1992 im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Fabrik mit einer Taschentuchstickerei und 21 Beschäftigten einen Neubeginn. Und das rund 600 km vom Stammsitz seiner Firma in Burgberg im Allgäu entfernt, wo sich Wiegand mit bestickten und dekorativen Taschen- und Geschirrtüchern einen Namen gemacht hatte. Einen Garantieschein für die Zukunft seines Oppacher Unternehmens vermochte er jedoch nicht zu geben, wie er damals im Gespräch mit der SZ betonte. Zehn Jahre später, als die Aufbau-Ost-Fördergelder ausliefen, wurde die Firma geschlossen. Einer weiteren wichtigen Oppacher Textilfabrik blieb 1995 ebenfalls nur die Abrissbirne, weil sie nicht überlebensfähig war. So hörte der im 19. Jahrhundert als „F. W. Lange GmbH, Mechanische Buntweberei, Färberei, Appretur und Rauerei“ gegründete Betrieb an der Löbauer Straße für immer auf, zu bestehen.

Nach der Enteignung 1972 hatte er als Betriebsteil des VEB Lautex Neugersdorf firmiert und bis zur Produktionseinstellung Bettwäsche gewebt. Wie in Oppach sind auf diese Weise überall in der südlichen Oberlausitz nach 1989 einst stattliche Textilunternehmen aus dem Ortsbild verschwunden, weil sie in der Marktwirtschaft nicht überlebensfähig waren. Der jüngeren Generation, denen die heute um die 30 sind, dürften die Standorte der Betriebe vielleicht nicht einmal mehr bekannt sein. Die Erinnerung an einen einst dominierenden Wirtschaftszweig der Region zu bewahren, blieb und bleibt somit Historikern vorbehalten. Am umfassendsten dürfte ihnen das bisher in dem bereits erwähnten, 2007 im Oberlausitzer Verlag erschienenen Kompaktwerk „Geschichte der Oberlausitzer Textilindustrie“ gelungen sein, das Oppach mit sieben Seiten bedenkt.

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