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Wie die Löbauer Neustadt entstand

Das Stadtgebiet nördlich der Bahnlinie Dresden–Görlitz entstand vor etwa 200 Jahren. Welche Entwicklung es seither nahm.

Diese historische Ansichtskarte zeigt noch etliche Lücken in der Löbauer Neustadt auf, hier ein Blick auf die heutige Breitscheidstraße.
Diese historische Ansichtskarte zeigt noch etliche Lücken in der Löbauer Neustadt auf, hier ein Blick auf die heutige Breitscheidstraße. © SZ-Repro

In vielen Städten wird der zuletzt entstandene Ortsteil offiziell oder auch nur im Volksmund als „Neustadt“ bezeichnet. Auch Löbau besitzt eine solche. Damit ist der Stadtteil nördlich der Bahnlinie Dresden-Görlitz gemeint.

Den Namen Löbau-Neustadt gibt es aber erst seit etwa 1890. Vor rund 200 Jahren existierten auf diesem Gelände lediglich vier Bauerngüter und am linken Ufer des Löbauer Wassers eine Mühle. Die einzigen Straßen, die durch die Felder und Wiesen führten, waren die alte Kittlitzer Straße (am späteren Elektrizitätswerk) und die alte Reichenbacher Straße, die hinter dem Schlachthof vorbeiführte.

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Die erste große Veränderung brachte 1822 der Bau der neuen Görlitzer Staatsstraße. Zunächst wurde diese Straße vom heutigen Wettiner Platz bis zum 1839 entstandenen „Stadt Warschau“ (später „Stadt Görlitz“, heute Penny-Markt) gebaut. „Stadt Warschau“ geht auf den populären Löbauer Viehhändler Gottlieb Heinrich zurück, der im Volksmund der „polnische Gottlieb“ hieß, weil er mit polnischen Schweinen handelte. Erst 1843 entstand die neue Kittlitzer Straße. Sie war kaum fertig, als die große Umwälzung durch den Bau der Bahnstrecke Dresden-Görlitz von 1844 bis 1847 eintrat.

Um Platz für den 1846 gebauten Löbauer Bahnhof zu schaffen, mussten die beiden neuen Staatsstraßen verlegt werden. Die Görlitzer Straße, die gerade durch den Standort des heutigen Bahnhofes ging, wurde bei der Zuckerfabrik nach Osten ausgebuchtet und unter dem Görlitzer Gleis am heutigen Messegelände durchgeführt. Die Weißenberger Straße, die früher von der Güterstraße ausging, wurde verlängert, so dass 1846 die Weißenberger Bücke entstand.

Von 1850 bis 1900 ändert sich Flurbild

An Gebäuden kamen von 1780 bis 1850 jedoch nur vier neue hinzu. Zu erwähnen wäre da vor allem das heutige „Stadt Löbau“, das 1850 als Gaststätte „Zum Feldschlösschen“ entstand. Von 1850 bis 1900 aber änderte sich das Flurbild der Neustadt grundlegend. Die Industrie hielt Einzug. Nach 1860 waren in diesem Gebiet eine Töpferei, eine Dampfnudelfabrik, eine Schmiede und eine Gerberei entstanden. 1881 kam als erste moderne Fabrik eine Leinen- und Juteweberei hinzu, die 1891 in eine mechanische Zwirnerei umgebaut wurde. 1889 wurde die Löbauer Malzfabrik am Dammweg längs der Eisenbahn gebaut. Ein Jahr später folgte das Bertholdsche Sägewerk und 1896 die Kohlensäurefabrik und das Kornhaus. 1897 baute Fabrikant Kniepert seine Gummiwarenfabrik. In der östlichen Neustadt wuchsen 1881 die Pianofortefabrik Crasselt und Rähse (in der DDR Poliklinik) und 1891 der städtische Schlachthof, die heutige Fleischerei Richter, empor. Nach 1900 wurde das Elektrizitätswerk gebaut.

Obwohl um 1900 die Industrie in der Neustadt stark vertreten war, wohnten nicht viele Leute dort. Zwischen den einzelnen Fabriken lagen noch immer Felder und Wiesen. Fast alle Häuser zwischen der Flössel und der Bahnlinie entstanden erst nach 1910 oder nach dem Ersten Weltkrieg. Noch jünger ist die sogenannte Eisenbahnersiedlung, die erst nach 1921 gebaut wurde. Erwähnt seien noch die Wohnhäuser am äußeren Ende der Weißenberger Straße, die um 1915 auf dem Gelände der ehemaligen Pfarrwiedemut errichtet wurden. Auf dem Gelände des alten Körbigsdorfer Rittergutes aber, das die Stadt 1877 gekauft hatte, entstanden 1913/14 die Gebäudekomplexe der Kasernen.

Bereits 1867 war das dritte Bataillon des Infanterieregiments „Kronprinz“ nach Löbau verlegt worden. Der Busch, wo die Regimentsspielleute zu üben pflegten, erhielt damals den Namen Trommlerbusch. Mit dem Bau neuer Wohnhäuser an der Georgewitzer Straße und an der Ziegenwiese war die Vergrößerung der Neustadt nicht abgeschlossen, wie das DDR-Neubaugebiet Löbau-Nord beweist. (SZ)

Dem Beitrag liegen Unterlagen des Lehrers und langjährigen Leiters des Löbauer Stadtmuseums Otto Staudinger (1867–1952) zugrunde. Eine Straße in der Löbauer Neustadt trägt seinen Namen.

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