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Polizei: Neue Ermittlertruppe an der Grenze

Erfahrung, Gespür und vor allem gute Beziehungen: Wie die gemeinsame Fahndungsgruppe "Lausche" kriminellen Banden auf die Spur kommt.

Kriminalhauptmeister Frank Lange ist in der deutsch-tschechischen Fahndungsgruppe "Lausche" Bandentätern im Oberland auf der Spur.
Kriminalhauptmeister Frank Lange ist in der deutsch-tschechischen Fahndungsgruppe "Lausche" Bandentätern im Oberland auf der Spur. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Michal S. sitzt erst einmal hinter Gittern. Ein Gericht in Baden-Württemberg hat dem Tschechen aus Varnsdorf (Warnsdorf) zwei Jahre aufgebrummt - wegen schweren bandenmäßigen Diebstahls. Einer der wichtigsten Zeugen in dem Prozess ist ein Kriminalhauptmeister aus Seifhennersdorf.

Frank Lange schmunzelt verschmitzt. Er sitzt an einem übervollen Schreibtisch in einem winzigen Büro der Polizeiaußenstelle direkt am Grenzübergang nach Varnsdorf. Aufnahmen aus Überwachungskameras sind dicht an dicht an die große Magnetwand hinter ihm gepinnt. Dazwischen Notizzettel mit Daten und Uhrzeiten und Pfeilen, die mögliche Verbindungen andeuten. "Kommissariat für Eigentums- und Bandenkriminalität" steht auf dem Schildchen an der Tür. Frank Lange ist hier Ermittler.

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Lange ist ein stiller, eher wortkarger Mann, wenn es um die Ermittlungen geht. Einer, der sofort an Kurt Wallander erinnert, diesen berühmten Krimi-Helden aus Schweden. Wie Wallander arbeitet auch Lange am liebsten alleine und ohne großartig Aufmerksamkeit auf sich und seinen Job zu lenken. Eine Ausnahme aber gibt es: In einer Sache ist Zusammenarbeit für den 55-Jährigen der Weg zum Ziel, sind die guten Beziehungen zu den Kollegen der Schlüssel zum Erfolg - vor allem zu den Kollegen jenseits der Grenze:

Frank Lange ist Ermittler in der gemeinsamen Fahndungsgruppe "Lausche", einem Team aus deutschen und tschechischen Kollegen, die kriminellen Banden und Serientätern im Grenzgebiet auf die Spur kommen. Solchen wie Michal S. aus Varnsdorf und seinen Komplizen, jenen skrupellosen Hoteleinbrechern, die 2019 und 2020 nicht nur die Wirte im Zittauer Gebirge in Atem gehalten hatten.

Wie die GFG "Lausche" die Hoteleinbrecher fasst

"Ohne die tschechischen Kollegen wären wir in dem Fall nicht so schnell so weit gekommen", ist Lange sich sicher. "Und auch Kommissar Zufall hat geholfen." Aber der Reihe nach: Von den Hoteleinbrechern gibt es Bilder und Videos von Überwachungskameras. "Die Einbrecher waren zwar immer vermummt, aber wir haben schnell gesehen, dass es immer dieselben sind", erzählt Frank Lange. Einer der Männer habe zudem eine sehr markante Uhr getragen, die immer wieder auftaucht.

Stundenlang guckt Frank Lange in dieser Zeit Videos, schaut sich die Aufzeichnungen der Hotelkameras auch in der Zeit vor den Einbrüchen an. Da erkennt er die Männer wieder, wie sie tagsüber die Tatorte ausspähen - ohne die Sturmhauben, die sie nachts bei den Einbrüchen tragen. Als er den Varnsdorfer Kollegen die Fotos vorlegt, erkennen sie einen der Männer sofort.

Kommissar Zufall kommt aus Baden-Württemberg: Auch dort sind Kriminalisten gerade einer Bande von Hoteleinbrechern auf der Spur. In einem ihrer Fälle taucht ein Fahrzeug mit Varnsdorfer Kennzeichen auf. Die Beamten aus Baden-Württemberg stellen eine Anfrage an das Varnsdorfer Revier. Treffer! Die Varnsdorfer Kollegen informieren Frank Lange. "Ohne die Zusammenarbeit in der GFG hätten wir das wahrscheinlich gar nicht erfahren", sagt der Kriminalist, der seinerseits nun auch mit den Kollegen aus Baden-Württemberg die Ermittlungsergebnisse austauscht.

Ein Zufall ist es dann auch, dass Michal S. am 6. Juli letzten Jahres in Baden-Württemberg in eine Verkehrskontrolle gerät. Die Polizisten sehen schnell, dass nach dem 23-Jährigen gefahndet wird - und zücken die Handschellen. Im Auto, das S. geleast hat, findet sich Diebesgut aus einem Hotel in der Schweiz. Auch drei seiner Komplizen sind inzwischen überführt.

Schnellere Ermittlungserfolge auf kurzem Wege

Gerade hat Frank Lange die Fälle mit den manipulierten Geldautomaten abgeschlossen. Zwischen August und Oktober 2019 manipuliert eine Diebesbande - immer wieder sonntags - in verschiedenen Orten der Kreise Bautzen und Görlitz die Ausgabefächer von Geldautomaten. Die abgehobene Summe bleibt danach stets im Ausgabefach stecken, die Kunden müssen unverrichteter Dinge wieder gehen - die Diebe holen sich das Geld anschließend aus dem Fach.

An der Magnetwand in Langes Dienstzimmer hängen noch die Fotos der Frau und der drei Männer, die von Überwachungskameras aufgenommen werden. Es dauert Monate, bis er ihre Gesichter endlich zuordnen kann, bis er weiß, dass die vier Täter aus Polen und der Ukraine kommen. "Die Hinweise der Kollegen aus Tschechien - und in diesem Fall auch aus Polen - waren am Ende der Durchbruch", sagt er. Nach den vier Tätern wird jetzt mit internationalem Haftbefehl gefahndet. Früher oder später werden sie - wie Michal S. - irgendwo einer Polizeistreife ins Netz gehen.

Die Fotos der Tatverdächtigen, die in den Kreises Bautzen und Görlitz Geldautomaten manipuliert hatten, hat Frank Lange an die Magnetwand in seinem Dienstzimmer gepinnt.
Die Fotos der Tatverdächtigen, die in den Kreises Bautzen und Görlitz Geldautomaten manipuliert hatten, hat Frank Lange an die Magnetwand in seinem Dienstzimmer gepinnt. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Der Leiter des Kommissariats für Eigentum- und Bandenkriminalität in der Görlitzer Polizeidirektion ist Polizeioberkommissar Steven Scholdei. Der 31-Jährige hat sich für die grenzüberschreitende Fahndungsgruppe stark gemacht. "Wir haben durch die Zusammenarbeit ja nicht nur die persönlichen Kontakte und kurzen Wege über die Grenze, sondern auch mehr Befugnisse im Nachbarland", erklärt er.

So könnten die deutschen Kollegen in den Fällen, in denen sie ermitteln, beispielsweise auch an Durchsuchungen auf tschechischer Seite teilnehmen. Vor Kurzem brauchte Frank Lange die DNA eines tschechischen Tatverdächtigen aus dem grenznahen Raum. Lange hat die Kollegen in Varnsdorf angerufen, die haben den Mann zu sich in die Dienststelle bestellt, Lange ist hingefahren und hat die DNA-Probe im Beisein der Kollegen bekommen.

Es ist auch nicht nur so, dass die tschechischen Kollegen bei den Ermittlungen der deutschen Kollegen helfen, sagt Steven Scholdei, es ist auch umgekehrt: In Rumburk (Rumburg) beispielsweise hatte es mehrere Fälle sexuellen Missbrauchs in einem Sinti-und-Roma-Viertel gegeben. Frank Lange und seine Kollegen haben geholfen, den deutschen Tatverdächtigen zu ermitteln.

Anfang März kann Lange einen tschechischen Autodieb überführen, der von den Kollegen in Rumburk gesucht wurde. Und gerade ist der Ermittler aus Seifhennersdorf jenem Autodieb ganz dicht auf der Spur, den eine tschechische Polizeistreife an einem Morgen im November bis nach Großschönau verfolgt, bei der Verfolgungsjagd aber verunglückt. "Den beiden tschechischen Polizisten ist bei dem Unfall zum Glück nichts passiert", weiß Frank Lange. "Und den Täter, den haben wir gleich." Sagt's und schmunzelt wieder.

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