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Ziehen Stadtwerke und Gaslieferanten die Preise an?

Preise für Heizöl und Gas steigen rasant. Nicht alle Fernwärme- und Gasbezieher in Löbau, Zittau und dem Oberland werden das sofort spüren. Woran das liegt.

Von Anja Beutler
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Wie teuer wird der Dreh am Thermostat in diesem Winter? Bei den Fernwärmekunden im Südkreis ist das sehr unterschiedlich.
Wie teuer wird der Dreh am Thermostat in diesem Winter? Bei den Fernwärmekunden im Südkreis ist das sehr unterschiedlich. © dpa

Schlagzeilen machen die hohen Gas- und Heizölpreise derzeit nahezu täglich. Von einem Höhenflug gerade jetzt, wo die Temperaturen fallen, ist überall die Rede. Für viele Verbraucher, die jetzt Öl und Gas für ihre Tanks kaufen müssen, steht fest, dass der Winter teuer wird. Wie aber ist das bei denjenigen, die Fernwärme beziehen oder an einen Gasversorger direkt angeschlossen sind? SZ-Recherchen zeigen, dass nicht jeder sofort im Winter mit höheren Preisen rechnen muss. Das hat Gründe.

In Ebersbach-Neugersdorf schlängeln sich an einigen Orten gut sichtbar die dicken Fernwärmerohre durch Landschaft und Vorgärten. 1.500 Abnehmer von Privatkunden vor allem im Wohngebiet Oberland in Ebersbach über Gewerbebetriebe bis zu öffentlichen Einrichtungen versorgen die Stadtwerke Ebersbach-Neugersdorf. Auf SZ-Anfrage bestätigten die Stadtwerke, dass die zentrale Anlage eine Dampfkesselanlage sei, die auf dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung funktioniere. Sie wird maßgeblich mit einheimischem Braunkohlenstaub betrieben, in Zeiten hoher Belastung könne der Dampferzeuger mit Heizöl oder Erdgas betrieben werden. Da aber der Einsatz von Öl und Gas nur in geringerem Maße eine Rolle spielt, geht man bei den Stadtwerken derzeit nicht von enormen Kostensteigerungen aus. Und wenn eine Erhöhung nötig sein sollte, werden die Verbraucher dies erst später im nächsten Jahr zu spüren bekommen.

Die Fernwärmerohre sind wie hier in Neugersdorf zum Teil gut sichtbar.
Die Fernwärmerohre sind wie hier in Neugersdorf zum Teil gut sichtbar. © Matthias Weber/photoweber.de

Einen solchen Aufschub haben die Fernwärme-Kunden der Zittauer Stadtwerke nicht, denn das Unternehmen arbeitet seit 2015 mit sogenannten Preisgleitklauseln. Konkret heißt das, dass die Preise monatlich an die Marktlage angepasst werden, bestätigt auch Sandra Tempel, Kaufmännische Geschäftsführerin der Stadtwerke Zittau GmbH. Die Zittauer Kunden spüren also sehr zeitnah die Höhen und Tiefen der Preisentwicklung auf dem Markt. Das, was jetzt eher unangenehm ist, hat bei niedrigen Preisen seinen Vorteil: Als wegen Corona und Lockdown weltweit Nachfrage und Preise sanken, profitierten auch die Zittauer Kunden.

An die Fernwärme angeschlossen sind in Zittau neben etwa 3.500 Haushalten viele öffentliche Gebäude wie Schulen, Sporthallen, Kindereinrichtungen, Altenpflegeheime, das Klinikum, die Hochschule samt Studentenwerk, Polizei, Gericht, Theater und auch einige Geschäfte in der Innenstadt. Das Gros der Wärme wird in den Anlagen in der Friedensstraße, der Chopinstraße und der Roseggerstraße erzeugt - per Kraft-Wärme-Kopplung, Dampfkessel sowie Heißwasserkessel.

Neben einem geringen Anteil Heizöl werde vor allem Erdgas und Biomethan eingesetzt. "Ja, die Gaspreisentwicklung wirkt sich auf die Wärmepreise aus", sagt Geschäftsführerin Tempel deshalb und erklärt: "Da die Wärmeerzeugung im Wesentlichen durch Erdgas erfolgt, beinhalten die Preisgleitklauseln auch den Index für Erdgas." Wie da konkret die Lage aussieht, können Kunden jeweils auf der Internetpräsenz der Stadtwerke einsehen.

Kein einheitlicher Preis in Löbau

Ein anderes Modell fahren die Stadtwerke Löbau. Hier werden die Kunden erst mit Zeitverzögerung den derzeit kräftigen Preisanstieg auf ihrer Rechnung sehen - und auch nicht alle in gleichem Maße. Denn die Preise, die zu zahlen sind, richten sich auch danach, an welches jeweilige Heizhaus die Nutzer angebunden sind. Denn an den Standorten wird zum Teil Heizöl, zum Teil Gas verwendet: "Wir haben deshalb keinen einheitlichen Fernwärmepreis", erklärt Geschäftsführerin Jana Otto.

Welcher Preis für die rund 4.000 Löbauer Einwohner, sowie die Behörden, Einrichtungen und gewerblichen Kunden, die an das Fernwärmenetz angeschlossen sind, gerade gilt, wird in der Regel an zwei Terminen im Jahr festgesetzt: am 1. April und am 1. Oktober. Auch hierbei werden - wie bei den Stadtwerken Zittau - die vom Statistischen Bundesamt herausgegebenen Indexpreise zugrunde gelegt, nur eben auf einen längeren Zeitraum betrachtet. Den seit Oktober geltenden Preis haben demnach noch nicht die großen Preissprünge der vergangenen Tage beeinflusst. Diese werden sich dann wohl erst im Frühjahr bei der neuen Berechnung spürbarer niederschlagen, schätzt auch Jana Otto.

Gasversorger SachsenEnergie rechnet gerade

Und wie es ist für Kunden, die ihr Gas für die Heizung direkt aus dem Netz von SachsenEnergie beziehen? Hier wird der Preis für das Jahr normalerweise im Herbst festgelegt. "Inwieweit es aufgrund der momentanen Entwicklung der Erdgaspreise am Energiemarkt erneute Preisanpassungen geben wird, wird derzeit noch kalkuliert und geprüft", schildert Sprecherin Nora Weinhold die Situation. Sollte man eine Preisänderung für nötig erachten, wäre dergleichen frühestens Anfang des neuen Jahres zu erwarten - werde aber nicht ohne Ankündigung kommen: "Bei Preisänderungen informieren wir unsere Kunden grundsätzlich spätestens sechs Wochen vor Wirksamwerden per Brief", betont Weinhold. Und auch im Fall einer nötigen Preisanpassung muss es dann nicht alle Kunden treffen, zumal die Verbraucher über ganz verschiedene Vertragsmodelle mit SachsenEnergie verbunden sind.