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Wie wehrt man sich gegen hässliche Schuttberge?

Der Gasthof Altlöbau wurde im März abgerissen, doch beräumt wurde nichts. Auch Großschweidnitz kennt einen solchen Fall. Warum eine Lösung so schwierig ist.

Ja, er liegt noch: der Schutthaufen des Gasthofes Altlöbau.
Ja, er liegt noch: der Schutthaufen des Gasthofes Altlöbau. © Anja Beutler

Brezelbreit und offen zugänglich liegen die Reste des einstigen Gasthofes Altlöbau auf dem Grundstück. Von Absperrung oder Beräumung keine Spur, immerhin ist der Weg zu den anderen Grundstücken frei. "Es scheint sich alles ein bisschen gesenkt zu haben", schätzt eine ältere Dame mit kritischem Blick auf den nicht mehr ganz so hoch aufragenden Schuttberg ab und schüttelt den Kopf. Auch wenn sie traurig ist, dass der Gasthof, in dem so viele getanzt und sie selbst ihre Silberhochzeit gefeiert hat, Geschichte ist - so, wie es jetzt aussieht, könne es nicht bleiben, meint sie.

Ein solches Problem kennen auch Anwohner im Großschweidnitzer Emil-Mitzscherlich-Weg. 2014 hatte hier der Landkreis - wie im Fall des Gasthofes Altlöbau - ein marodes Haus wegen drohender Gefahr an der Ecke zur Ernst-Thälmann-Straße abreißen lassen. Eine Erbengemeinschaft hatte zuvor einen Verkauf verweigert und damit Straßenbau- und Hochwasserschutzpläne blockiert. Das Haus drohte zudem in sich zusammenzufallen, deshalb handelte die Bauaufsicht. Nach diesem Not-Abriss des Kreises hat sich dann aber gar nichts mehr getan. Sieben Jahre lang nicht. "Der Schuttberg liegt noch da", sagt ein Anwohner und zeigt auf einen seltsam anmutenden Hügel, aus dem einige Steine herausragen. "Das ist alles zugewuchert, da hat niemand etwas beräumt."

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Die Reste eines Hauses im Großschweidnitzer Emil-Mitzscherlich-Weg. Der Landkreis hatte vor sieben Jahren ein einsturzgefährdetes Haus abgerissen. Die Eigentümer hätten den Schutt beseitigen müssen.
Die Reste eines Hauses im Großschweidnitzer Emil-Mitzscherlich-Weg. Der Landkreis hatte vor sieben Jahren ein einsturzgefährdetes Haus abgerissen. Die Eigentümer hätten den Schutt beseitigen müssen. © Anja Beutler

Großschweidnitz' Bürgermeister Jons Anders (parteilos) ärgert der Zustand dieser Ecke am Emil-Mitzscherlich-Weg. Aber eine Handhabe hat auch er nicht. Es sei Privatgrund, der Eigentümer müsse handeln. Da der Schuttberg inzwischen so kräftig zugewuchert ist, fällt der "Schandfleck" zwar nicht weiter auf. Aber ein Dauerzustand sollte es eigentlich nicht bleiben und ob Gefahren unter der Vegetationsschicht lauern, vermag keiner zu sagen.

Ball liegt bei Kommunen

Was also kann man in solchen Fällen tun? Und vor allem: Wer kann handeln? Der Leiter der Kreis-Bauaufsicht, Steffen Springer, hatte im Frühjahr nach dem Abriss des Gasthofes Altlöbau im SZ-Interview die Zuständigkeiten klar benannt: Der Kreis beseitigt durch den Abriss die Gefahrenquelle, der Eigentümer muss den Schutt beräumen. Sollte es da Schwierigkeiten oder Probleme geben, liege der Ball erst einmal wieder bei der zuständigen Kommune.

Das wäre im Altlöbauer Fall die Stadt Löbau. Beim dortigen Ordnungsamt und auch beim Bauamt seien derzeit keine Beschwerden oder Probleme im Zusammenhang mit dem abgerissenen Gasthof anhängig, erklärt Stadtsprecherin Eva Mentele auf Nachfrage. "Von unserer Seite gibt es mit dem Eigentümer derzeit keinen Kontakt", betont sie. Und selbst wenn sich Anwohner und Nachbarn über den Zustand auf dem Grundstück beschweren würden - so einfach könnte die Stadt nichts an der Lage ändern. Allein, dass anderen der Anblick des Grundstücks missfalle, sei nicht ausschlaggebend. "Wenn davon keine Gefahr ausgeht, kann man wenig machen - das ist Privatsache", beschreibt Frau Mentele. In gewissem Sinne Druck ausüben könnte die Stadt dann wohl erst, wenn durch den Schuttberg Gefahren bestünden.

Das sei aber derzeit nicht der Fall, erklärt das Bauaufsichtsamt des Kreises auf SZ-Nachfrage. Dass sich der Eigentümer des Grundstückes - den die Nachbarn und Anwohner ringsum nicht kennen - noch nicht um die Reste des Gasthofes gekümmert hat, kann aber auch an etwas anderem liegen: Der Eigentümer hatte sich juristisch gegen den Abriss und die Vorgehensweise der Bauaufsicht zur Wehr gesetzt. Aktuell laufe dieses Verfahren noch, heißt es vom Landkreis.

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In Großschweidnitz hingegen sei die juristische Bewertung geklärt. Es habe ein Gerichtsverfahren gegeben, das abgeschlossen sei, teilt der Kreis mit. Weder für eine weitere Nutzung des Grundstückes noch für einen Weiterverkauf stünde demnach ein juristisches Verfahren im Weg. Bewegung ist in die Angelegenheit aber dennoch nicht gekommen. "Der Schuttberg wächst immer mehr zu, man sieht ihn kaum noch", sagt ein Anwohner. Irgendwann wird die Natur die Steine dann wohl gänzlich verschluckt haben.

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