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Neuer Glanz an der Äußeren Bautzner

In der lange vernachlässigten Straße in Löbau sanieren immer mehr Eigentümer. Der Jüngste ist erst 26 Jahre alt.

Volker Bräuer hat in seinem 130 Jahre alten Haus in der Äußeren Bautzner Straße noch viel Arbeit vor sich.
Volker Bräuer hat in seinem 130 Jahre alten Haus in der Äußeren Bautzner Straße noch viel Arbeit vor sich. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Äußere Bautzner Straße in Löbau führte lange Jahre ein trauriges Schattendasein. Viel Leerstand. Graue, teilweise bröckelnde Fassaden. Finstere bauliche DDR-Erinnerungen. Doch seit die städtische Wobau drei ihrer Mietshäuser hier durch eine Grundsanierung zu neuer Strahlkraft verhalf, blüht die gesamte Straße auf. Mehr und mehr Hauseigentümer machen sich daran, ihre Altbauten zu sanieren. Das schenkt der Äußeren Bautzner neues Licht und neuen Glanz. Einer der Straßenretter ist der erst 26-jährige Volker Bräuer aus Georgewitz - ein für so einen jungen Mann ungewöhnliches Wagnis.

Das 130 Jahre alte Haus mit der Nummer 10 liegt im unteren, etwas verschatteten Teil der Äußeren Bautzner nahe dem Neumarkt. Der Lack der historischen Haustür ist ab. Aber die Fassade zeigt sich ohne Risse und der Putz ist auch noch farbig. Volker Bräuer war gar nicht auf der Suche nach so einer Immobile. Dann aber ergab es sich spontan. "Die Vorbesitzerin, eine alte Dame aus Westfalen, besitzt mehrere Immobilien in Löbau", erzählt er. Bräuer arbeitet in der väterlichen Bau- und Sanitär-Klempnerei. Gemeinsam erledigten er und sein Vater Arbeiten in einem anderen Haus der Frau. "Bei der Gelegenheit hat sie uns das Haus in der Äußeren Bautzner zum Kauf angeboten", erzählt Bräuer.

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Schnäppchen mit einem verborgenen Schatz

Vater und Sohn Bräuer und die Frau wurden sich schnell handelseinig. "Wir konnten kostengünstig kaufen", sagt Volker Bräuer - so irgendwas um die 10.000 Euro. Aber der junge Mann weiß: Alte Häuser sind mitunter wie Eisberge - die meisten Kosten lauern im Verborgenen. Die Katze im Sack hatte der Handwerker indes nicht erworben, denn nicht unerhebliche Investitionen hatte der Vorbesitzer bereits vorgenommen. "Der Mann der Vorbesitzerin hatte schon moderne Doppelglasfenster einbauen lassen und auch die Elektroinstallation den Anforderungen von heute angepasst - dann ist er gestorben", erzählt Bräuer. Das alles sei schon gut 15 Jahre her und die begonnene Sanierung dadurch damals ins Stocken geraten. "2009 ist der letzte Mieter hier ausgezogen", sagt er.

Bevor Volker Bräuer die Sanierung angehen konnte, war erst mal entrümpeln angesagt. "Der ganze Hinterhof zum Beispiel war voller Gerümpel. Waschmaschinen, Hausmüll, Autoreifen" sagt er. Normalerweise dauert es nicht lange, bis so ein Altbau unangenehme Überraschungen ans Tageslicht fördert. Im Falle von Bräuer aber war es erst mal ein kleiner Schatzfund. "In der Zwischendecke eines maroden Schuppens im Hof habe ich eine historische Schützenscheibe gefunden", erzählt er. Er lieferte sie beim Löbauer Stadtmuseum ab - und dort war man begeistert von dem Fund. Und nun ja, ein Ärgernis gab's auch schon. "Wir haben einen Hausschwamm-Befall entdeckt. Der Schaden war aber nicht allzu groß und wir konnten ihn schnell beseitigen", erzählt Bräuer.

Das Haus Nummer 10 an der Äußeren Bautzner Straße ist von der Fassade her einer der besterhaltenen Altbauten.
Das Haus Nummer 10 an der Äußeren Bautzner Straße ist von der Fassade her einer der besterhaltenen Altbauten. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Attraktivität des Wohnviertels steigern

Volker Bräuer rechnet damit, 200.000 bis 250.000 Euro in die Sanierung stecken zu müssen. "Ich denke, in eineinhalb bis zwei Jahren werden wir fertig sein", sagt er. Dann sollen in dem historischen Haus wieder sechs Mietwohnungen auf drei Etagen bezugsfertig sein, je etwa 60 oder 80 Quadratmeter groß. "Es haben schon Interessenten angefragt", sagt er. Für das Erdgeschoss kann er sich auch einen Gewerbemieter vorstellen. Kosten und Mühen für das Sanierungsprojekt scheut er nicht. "Ich kann als Handwerker viel selbst machen und mir macht das Spaß", sagt er. Und außerdem: "Ich bin ja noch jung und kann mir so auch etwas als Alterssicherung schaffen."

Volker Bräuer ist überzeugt, dass Sanierungen wie die seine, nicht nur die Attraktivität der Äußeren Bautzner Straße als Wohnquartier weiter steigern - sondern langfristig auch den Wert der dortigen Immobilien. "Es wird nicht mehr lange dauern, dann geht das hier richtig los", sagt er. Direkt nebenan ist in den Hausnummern 6 und 8 die Sanierung zweier Altbauten in vollem Gange. Auf der Nummer 8 gab's bis Dezember noch die beinahe legendäre kleine Lederwerkstatt als letzten Mieter. Nach deren Auszug saniert ein Pole, der in Löbau gleich mehrere Häuser wieder in Schuss setzt. "Der hat auch die Nummer 14 gekauft, in der früher das Sonnenstudio war", sagt Bräuer. Wenn auch das mal fertig ist, wäre eine Straßenseite beinahe komplett saniert.

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