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Neue Chance für Löbaus Hackerbräu

Das markante Haus am Wettiner Platz ist verkauft. Was die neuen Besitzer für Pläne haben und woran es gerade hängt, erzählen sie hier.

Von Anja Beutler
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Das Hackerbräu am Wettiner Platz in Löbau hat einen neuen Eigentümer.
Das Hackerbräu am Wettiner Platz in Löbau hat einen neuen Eigentümer. © Matthias Weber/photoweber.de

Vor rund drei Jahren ist das Hackerbräu in Löbau wohl das letzte Mal in den Schlagzeilen gewesen. In der Ratssitzung erklärte der damalige OB Dietmar Buchholz auf Nachfrage eines Stadtrates, dass das Haus zum Verkauf stünde. Seither war es still geworden um das stattliche Löbauer Gebäude am Wettiner Platz. Doch hinter den Kulissen tut sich durchaus etwas. Denn die Verkaufsabsichten 2018 waren tatsächlich von Erfolg gekrönt - nur war das bislang nicht zu merken: Die M&M Immo-Invest GmbH aus Bautzen hat das Haus vom dänischen Vorbesitzer erstanden - und will nun gern loslegen.

Hinter dem Unternehmen stehen vor allem im Bautzener Raum bekannte Namen: Holm und Dirk Nehrig sowie Bau- und Abbruchunternehmer Justus Metzner. Die Brüder Nehrig gehören zu den erfolgreichen Unternehmern der Oberlausitz, verdienten zunächst ihr Geld vor allem mit dem Vertrieb von CDs und DVDs, haben sich aber längst auch im Immobilienbereich einen Namen gemacht. In und um Bautzen sanierten sie Villen und Häuser, bauen aber auch ganz neu und vermieten zudem schwimmende Ferienhäuser auf dem Geierswalder See.

Wohnen im Hackerbräu ist das Ziel

Warum kaufen sie nun ausgerechnet das Hackerbräu in Löbau, wo die Brüder hier bislang noch nicht größer engagiert waren? "Wir sind vor drei Jahren direkt von einem Makler angesprochen worden und haben uns das Haus einmal genauer angesehen", sagt Holm Nehrig. Da er überzeugt ist, dass hochwertiger Wohnraum, so wie sie ihn schaffen wollen, nicht nur in Bautzen, sondern auch in Löbau gefragt ist, sieht er für das Hackerbräu gute Zukunftschancen. "Ja, wir wollen es für Wohnzwecke sanieren", sagt Nehrig.

Was nicht heiße, dass nicht auch erneut eine Gaststätte, eine Arztpraxis oder ähnliches einziehen könne. "Wir reagieren durchaus auf Ideen von außen und fragen auch bei der Stadt nach, was gebraucht wird", skizziert Holm Nehrig die Herangehensweise. Die Stadt hat vor allem ein Interesse daran, dass das Haus wieder mit Leben erfüllt wird. Denn der Vorbesitzer hatte nichts mehr getan, zum Teil musste Löbau selbst Sicherungsmaßnahmen durchführen. Das soll nun vorbei sein. Damit möglichst viele auf das Vorhaben aufmerksam werden, will Nehrig ein großes Plakat an der Fassade anbringen, wie es einmal aussehen soll. "Leider wird das durch die Verzögerungen durch Corona erst im nächsten Jahr", erklärt er.

Da die Nehrigs bislang noch mit anderen Projekten im Raum Bautzen befasst waren, stand das Hackerbräu nicht an vorderster Stelle. Nun aber soll es konkreter losgehen. Gemeinsam mit einem Dresdener Architekturbüro entwickeln die Eigentümer Ideen. Noch aber scheitern diese Ideen an Absprachen mit dem Denkmalschutz.

Abriss-Pläne sind Knackpunkt

Dabei geht es nicht um das Hackerbräu-Gebäude selbst, sondern um zwei Häuser in der Jahnstraße - die Nummer 4 und 6. Diese haben die Nehrigs ebenfalls erworben. Die Besitzer würden gern beide - oder mindestens eines der Häuser - abreißen. "Diese Häuser sind total kaputt, was will man da noch retten?", fragt Holm Nehrig. Abgesehen davon brauche man unbedingt eine Zufahrt für Baumaschinen zum Hackerbräu-Innenhof. Denn derzeit ist es so gut wie unmöglich, mit großem Gerät dorthin vorzustoßen. "Im Innenhof stand einst ein Haus, das komplett zusammengefallen ist, der Schutthaufen ist inzwischen sogar schon zugewuchert", schildert Nehrig. Diese Halde hätte er gern rasch beräumt.

Das Gebäude soll für Wohnzecke saniert werden.
Das Gebäude soll für Wohnzecke saniert werden. © Matthias Weber/photoweber.de

Damit beim Thema Hausabriss keine Missverständnisse entstehen, ergänzt er: Am Ende soll in der Jahnstraße keine Lücke klaffen: "Wir planen Ersatzbauten, die das Ensemble mit Fassaden wie sie jetzt sind, wieder herstellen", erklärt der Eigentümer. Den Innenraum könnte man hingegen viel besser gestalten - jetzt gibt es riesige Treppenhäuser und kleine Wohnungen, schildert er.

Hätte der Denkmalschutz den Plänen schon zugestimmt, wären die beiden Häuser an der Jahnstraße längst abgerissen und die Beräumungsarbeiten im Innenhof könnten starten. "Im Hof planen wir derzeit mit Stellplätzen und auch mit einer Tiefgarage", sagt der Besitzer. Doch derzeit sind beide Seiten noch nicht auf Kompromisslinie. "Aber ich bin optimistisch, dass das noch klappt", erklärt Nehrig.