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Swingerclub im Märchenschloss?

Eine Neugersdorfer Villa ist versteigert. Die Käuferin hat verblüffende Ideen, ist keine Unbekannte. Bisher fiel sie in Verbindung mit Immobilienspekulanten auf.

Von Romy Altmann-Kuehr
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Nun wird für die Villa an der Käthe-Kollwitz-Straße in Neugersdorf ein Pächter gesucht.
Nun wird für die Villa an der Käthe-Kollwitz-Straße in Neugersdorf ein Pächter gesucht. © R. Altmann-Kühr

Erst vor wenigen Tagen war die Villa an der Neugersdorfer Käthe-Kollwitz-Straße, die auch als Bürgerhaus bekannt ist, am Görlitzer Amtsgericht zwangsversteigert worden. Während das Gericht aus Datenschutzgründen keine näheren Angaben zum Erwerber machen kann, outet der sich jetzt selbst: Auf der Internetplattform Ebay Kleinanzeigen wird die Villa angeboten. Allerdings nicht zum Verkauf, gesucht wird vielmehr ein Pächter. Unter der Überschrift "Saunaclub im Märchenschloss" schlägt der neue Besitzer auch gleich eine Nutzungsidee vor. Auch andere Nutzungsvorschläge gibt es in der Anzeige: "Ob Hotel, Kindertagesstätte, Seniorenresidenz oder Swingerclub. Hier lässt sich vieles umsetzen", heißt es dort. 700 Quadratmeter, verteilt auf 15 Zimmer stehen zur Verfügung. Gleich am Tag nach der Versteigerung ist die Verkaufsanzeige online gegangen.

Schlimmer Zustand: Villa muss dringend saniert werden

Anbieterin der Villa ist Loreen Peters. Sie habe das Anwesen mit ihrer Firma ersteigert, sagt sie auf Nachfrage der SZ. Peters ist Inhaberin der Vaduz Lichtenstein Immobilien Holding GmbH mit Sitz in der Stadt Lichtenstein zwischen Chemnitz und Zwickau.

In ihrer Anzeige erklärt Loreen Peters, wie sie sich das Mietmodell für die Villa vorstellt: Der neue Pächter soll eine Staffelmiete zahlen, die bei 100 Euro beginnt und sich dann monatlich steigert. Für die Sanierung der Villa soll der Pächter selbst aufkommen. Und eine Grundsanierung ist dringend nötig. Ein Gutachten, das vor der Versteigerung erstellt worden war, bescheinigte der Villa einen sehr stark sanierungsbedürftigen Zustand. In dem Gutachten war sogar die Rede davon, dass eine Sanierung überhaupt nicht wirtschaftlich sei. "Wenn man so ein Gebäude aus der Zwangsversteigerung erwirbt, weiß man ja, dass es Sanierungsrückstand gibt und der Verfall oft fortgeschritten ist", sagt Loreen Peters.

Mit ruinösen Immobilien kennt sie sich aus. Ihr Name taucht immer wieder auch in Verbindung mit dem Mann auf, der in Görlitz als Immobilienspekulant bereits berüchtigt ist: Karl Leo Spettmann. In der Neißestadt hat Familie Spettmann mit einer Uralt-Vollmacht des nicht auffindbaren Römers Roberto Petrucci immer wieder zu unterschiedlichen Preisen Schrottimmobilien gekauft oder ersteigert. Angeblich mit der Absicht, die Häuser zu sanieren, wie sie zunächst berichteten. Wie sich herausstellte, war das nicht der Fall. Vielmehr wurde mit den Immobilien spekuliert und versucht, sie für einen höheren Preis wieder zu verkaufen. Die Firma Gelago Immobilien mit Sitz in Düsseldorf, hinter der Familie Spettmann stand, bot erst im Herbst außerdem mehrere Immobilien im Oberland an. Auch bei diesem Unternehmen war Loreen Peters als Ansprechpartnerin benannt.

Käuferin: "Investor steht in den Startlöchern"

Inzwischen führt die Internetsuche nach Gelago Immobilien ins Leere. Stattdessen taucht unter dem Link nun Frau Peters mit ihrer Vaduz Lichtenstein Immobilien Holding GmbH auf. Die ist offenbar noch ganz neu und befindet sich in der Gründung. Loreen Peters leugnet auf Nachfrage nicht, dass sie mit Spettmann zusammengearbeitet hat. "Ja, das war ein Geschäftspartner von mir. Ich habe mit Spettmanns ein paar Deals gemacht", erklärt sie. Und sie wisse natürlich auch, dass die Familie Spettmann in Görlitz und der Region keinen guten Ruf hat. "Das fällt mir jetzt so ein bisschen auf die Füße", sagt Loreen Peters.

Für die Zukunft der Neugersdorfer Villa sieht es ihrer Aussage nach aber gut aus. Sie habe bereits einen Investor in Aussicht, der das Gebäude pachten und sanieren möchte. Von Swingerclub oder Seniorenresidenz ist da aber keine Rede. "Er will es für private Zwecke nutzen", wie sie sagt. Mit ihm sei sie im ständigen Kontakt. "Wie es jetzt aussieht, wird es schon ab Januar Bewegung geben in der Villa." Zuerst soll das Dach instand gesetzt werden. Sowohl ihr als auch dem Investor sei daran gelegen, zunächst notzusichern, damit der Verfall nicht weiter fortschreitet. Sie habe sich selbst vor wenigen Tagen erst ein Bild davon gemacht, was am dringendsten zu tun ist. "Der Investor steht in den Startlöchern und möchte so schnell wie möglich loslegen."

So sieht es jetzt in der Villa aus:

Loreen Peters hat indes noch weitere aus ihrer Sicht lukrative Immobilien in Ebersbach-Neugersdorf ins Auge gefasst. Beim Besuch der Villa an der Käthe-Kollwitz-Straße hat sie die Fabrikantenvilla an der Hauptstraße 2 entdeckt. Das ist der ehemalige Kindergarten, in dem es vor fünf Jahren zweimal gebrannt hatte. Seit den Bränden ist das Dach hinüber, Regen und Schnee konnten über Jahre ungehindert eindringen. "Vom baulichen Zustand habe ich mich noch nicht überzeugen können", sagt Peters. "Aber das Gebäude gefällt mir gut, das hätte ich auch noch gern." Sie habe ein großes Netzwerk an Investoren an der Hand, die sich speziell für solche Villen interessieren.