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"Meine rustikale Art ist nicht verkehrt"

Löbaus Ex-OB im ersten Interview nach seinem Amtsverzicht über seine Corona-Erkrankung, seinen Stil im Amt und weitere politische Ambitionen.

Oberbürgermeister von Löbau Dietmar Buchholz hat nach seiner Corona-Erkrankung und seinem Amtsverzicht jetzt das erste Interview gegeben.
Oberbürgermeister von Löbau Dietmar Buchholz hat nach seiner Corona-Erkrankung und seinem Amtsverzicht jetzt das erste Interview gegeben. © Matthias Weber/photoweber.de

Es war ein Paukenschlag, der nicht nur den Löbauern in den Ohren dröhnte: Dietmar Buchholz, 20 Jahre Oberbürgermeister der Stadt, hat sein Amt vorzeitig niedergelegt. Er tat dies aus gesundheitlichen Gründen. Auslöser war am Ende eine schwere Corona-Erkrankung, die zu einer Lungeninfektion führte. Im Interview zieht der OB im Ruhestand Bilanz, lüftet Geheimnisse und erklärt, warum er zuletzt sogar ein geliebtes Hobby aufgegeben hat.

Herr Buchholz, wir treffen uns hier zum Gespräch im Café, anderthalb Monate nach ihrem Eintritt in den Ruhestand. Wie geht es Ihnen?

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Es geht mir gut. Ich habe inzwischen keine weiteren Nachwehen mehr. Aber ich möchte sowas nicht noch einmal erleben. Wenn man nicht weiß, ob hopp oder topp, das ist beängstigend...

Sie sprechen von Ihrer Covid-Infektion. Waren Sie auch auf Intensivstation?

Nein, so tragisch war es zum Glück nicht. Ich habe aber Sauerstoff bekommen und war insgesamt eine Woche im Krankenhaus. Als sich um den Jahreswechsel 2020/21 mein Gesundheitszustand verschlechterte, bin ich erst einmal nach Ebersbach gefahren worden, aber in der Klinik dort war kein Platz mehr frei. Deshalb bin ich in Bautzen behandelt worden - und zwar sehr gut. Gleich am Anfang kam ein Bundeswehrsoldat und sagte zu mir ,Ich bin jetzt für Sie da' - das hat mich berührt. Ich kann alle, die auf den Stationen arbeiten, nur bewundern!

Haben Sie da schon Ihren Entschluss zum Amtsverzicht gefasst?

Ja, das war schon in der ersten Nacht im Krankenhaus. Ich habe beschlossen, dass ich aufhöre und an meine Familie denken muss. Ich habe da auch beschlossen, alle meine Tauben abzuschaffen, denn der Staub, der durch die Tiere entsteht, kann krank machen - gerade die Lunge, die bei mir angegriffen war. Ich bin ja noch mit Lungenentzündung wieder entlassen worden. Die Ärzte in der Klinik sagten, es wird nicht mehr so werden, wie es war.

Die Taubenzucht war Ihre Leidenschaft, Sie haben sogar an Scheichs nach Dubai verkauft. War dieser Schritt hart?

Ich habe seit der Kindheit gezüchtet. Aber ich habe die Tiere - Starwitzer Kröpfer - an den Züchter zurückgegeben, von dem ich sie bekommen hatte. Dort sind sie in guten Händen. Meine Rassehühner habe ich behalten.

Wie leicht ist Ihnen der Amtsverzicht gefallen - hatten Sie alles erledigt?

Wenn man auf meine Wahlkampfthemen schaut - ich habe mehr abgehakt, als ich mir vorgenommen habe: Landesgartenschau, Tag der Sachsen, Erntedankfest, Sanierung von Kitas, Schulen, Investitionen in die Infrastruktur, alle Feuerwehren sind saniert, es gibt die Messehalle und ein saniertes Freibad... Klar hätte ich gern noch als OB "800 Jahre Löbau gefeiert" und auch die Erweiterung des Gewerbegebiets und einiges bei der Nudelei vorangetrieben. Aber das kann dann mein Nachfolger machen.

Haben Sie einen Favoriten für Ihre Nachfolge?

Ich persönlich würde mich freuen, wenn Albrecht Gubsch zum Oberbürgermeister gewählt werden würde. Er kennt sich - als Bauamtsleiter in Löbau - gut in der Verwaltung aus und hat auch als Bürgermeister in Dürrhennersdorf Erfahrung. Ich habe ihn gebeten, anzutreten. Er will es tun.

Apropos Personalien: Jetzt können Sie doch aber verraten, wer der Investor für die Kottmarbaude ist, den die Stadt an der Hand hatte?

Das ist noch immer Hartmut Scholz und er hat auch Interesse. Er hatte von Anfang an ein Konzept und eine touristische Idee, konnte sich aber mit seinem bisherigen Kottmarbauden-Geschäftspartner Uwe Berndt nicht einigen.

Nun hat Löbau nach langem juristischem Streit Baude und Turm wieder - warum geht es dennoch nicht voran?

Es ärgert mich schon, dass es nicht geklappt hat. Zwischenzeitlich gab es auch Gespräche mit der Gemeinde Kottmar, die ein Interesse an der Wiederbelebung vor allem des Turmes hat. Das hat am Ende auch nicht weitergeführt. Im Grunde muss die Stadt nun Baude und Turm neu ausschreiben. Es muss bald etwas passieren, der Turm fällt ja fast ein.

Gibt es noch andere Dinge, mit denen Sie hadern oder die Sie bereuen? Beispielsweise Ihren mitunter burschikosen Ton in der Öffentlichkeit?

Es gibt sicher vieles, was man bereuen könnte, aber ich bin überzeugt, meine rustikale Art ist nicht verkehrt. Man muss allerdings wissen, wovon man spricht - das wissen die in Dresden zum Beispiel nicht immer. Man kann über verschiedene Dinge nicht nur Gespräche führen, man muss auch mal machen. Wichtig ist aus meiner Erfahrung das Persönliche, dass man miteinander am Tisch sitzt, normal redet und auch mal einen Spaß macht.

Mitunter waren Ihre "Späße" auch mal ein bisschen herber - selbst in der Verwaltung. Es gab sogar juristische Auseinandersetzungen...

Wenn man das richtige Personal hat, dann geht das auch. Getroffen hat es bloß diejenigen, die von Grund auf faul sind. Das Problem ist, wenn ich es nicht sage, als Dienstherr, wer sagt das sonst? Ich bin für Gerechtigkeit.

Sie übergeben Löbau in einer Krisenzeit. Wie steht die Stadt da?

Löbau ist gut aufgestellt - vor allem auch bei den Finanzen.

Bei den Finanzen - es gibt doch eine Haushaltssperre? Und was ist mit langfristigen Belastungen durch die vielen großen Feste?

Da gibt es keine Belastungen. Löbau steht gut da. Die aktuellen Probleme wegen der Corona-Krise betreffen ja alle Kommunen.

Trifft man Sie jetzt noch in Löbau oder generell in der Öffentlichkeit - oder ziehen Sie sich gänzlich zurück?

Nach Löbau komme ich oft, ich gehe ja hier einkaufen. Außerdem bin ich nach wie vor Vereinsvorsitzender des Robert-Oettel-Vereins, wir wollen ja wieder die Landwirtschaftsausstellung organisieren. Ich sitze auch noch im Aufsichtsrat der Wobau und im Kreistag. Dort werde ich auch bis zum Ende der Legislatur bleiben - einer muss ja mal dazwischen rufen und im Kreistag bin ich das.

Das war es dann mit ihrer politischen Karriere oder streben Sie noch ein Amt an?

Es haben mich schon welche angesprochen, ob ich nicht in Lawalde als Bürgermeister kandidieren will...

... wo Sie ja auch 2001 schon als Bürgermeister gewählt waren, dann aber nach erfolgreicher Stichwahl nach Löbau gingen...

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Ja. Das mit der Kandidatur überlege ich mir noch. Mal sehen.

Aber langweilig wird es Ihnen so oder so nicht?

Sicher nicht. Ich will noch viel reisen, vor allem Kreuzfahrten unternehmen gemeinsam mit meiner 15-jährigen Enkeltochter. Das Nordkap reizt mich noch und die Aida-Fahrten allgemein.

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