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"Wir müssen nicht betteln, aber Löbau fehlt Flexibilität"

Löbaus neuer OB über neue Gewerbeflächen, die Wiedereröffnung des Museums und wie es um die Kottmarbaude und die Pläne zur Nudelfabrik aktuell steht.

Von Anja Beutler
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Gibt einen Ausblick auf das neue Jahr: Löbaus OB Albrecht Gubsch.
Gibt einen Ausblick auf das neue Jahr: Löbaus OB Albrecht Gubsch. © Matthias Weber/photoweber.de

Albrecht Gubsch hat den ersten Monat als OB im Rathaus hinter sich und ihn vor allem dazu genutzt, sich ein Bild von den verschiedenen Ämtern und Einrichtungen zu machen. Zwar kam er bereits vor acht Jahren ins Rathaus als Bauamtsleiter, aber nicht mit jedem Amt und jedem Kollegen hatte er zuvor schon ausgiebig Kontakt. Das hat er nun nachgeholt und erste Entscheidungen angekurbelt.

Herr Gubsch, Sie haben als Erstes einen Kassensturz angekündigt. Was ist herausgekommen - kann sich Löbau neue Projekte leisten?

Albrecht Gubsch: Der Kassensturz ist in Form eines Haushaltsentwurfes - der ausgeglichen ist - gemacht. Das ist ein Verdienst der Kämmerei. Sicher ist, dass wir nicht betteln müssen, um den laufenden Betrieb zu gewährleisten. Wir haben geprüft, wo es bereits feste Zusagen gibt, beispielsweise bei der Grundschule Kittlitz, wo es nun mit der Turnhalle weitergeht. Aber Löbau fehlt eben die Flexibilität, zumal wir noch nicht wissen, wie das wegen Corona weiter geht. Was wir an Schlüsselzuweisungen vom Freistaat bekommen, geben wir alles als Kreisumlage an den Landkreis weiter. Das ist seit Jahren so. Außerdem wissen wir, dass wir auch bei den Schulen noch lange nicht mit Sanierungen fertig sind - die Schule in Ost braucht beispielsweise neue Elektroanlagen. Auch in Straßen, Gebäude oder Brücken, die in den 90er Jahren gemacht wurden, werden wir bald wieder investieren müssen.

Also keine Luft für große Projekte wie die Nudelfabrik oder das Stadion?

Gubsch: Die Nudelfabrik ist finanziell ein riesengroßes Fass, bei dem wir in gewisser Weise rückwärts denken müssen. Man kann ja nicht für viele Millionen etwas hinstellen, wo man dann Betriebskosten zahlen muss aber keine Einnahmen erwirtschaften kann. Es ist also wichtig, gut über die Nutzung nachzudenken. Da arbeiten wir auch mit der Stiftung Haus Schminke zusammen. Für die Umsetzung wollen wir Strukturwandelgelder nutzen.

Ein erstes Konzept hatte die Stadt schon eingereicht. Wie weit ist das Ganze gediehen?

Gubsch: Was wir eingereicht haben, um von Geldern aus dem Kohleausstieg zu profitieren, war eine Projektskizze - noch kein Antrag. Es musste damals sehr schnell gehen und war mit unglaublich heißer Nadel gestrickt. Aber wir sind jetzt registriert. Für den Antrag muss das Ganze aber noch einmal überarbeitet werden, es hat auch nicht die richtige Form, inzwischen haben sich auch die Förderrichtlinien noch einmal verändert.

Was für eine Art der Nutzung wird in dem Antrag dann konkret drin stehen?

Gubsch: Gemeinsam mit der Stiftung Haus Schminke schwebt uns etwas Grenzüberschreitendes vor - beispielsweise auch Richtung Breslau, wo es mit dem Ledigenheim in der Werkbundsiedlung auch Bauten von Hans Scharoun gibt. Wir wollen die Nudelfabrik als Tagungsort für Architekten und Fachpublikum, aber auch für Tourismus allgemein ins Gespräch bringen. Gleichzeitig sollen auch Räume fürs Stadtmuseum hier entstehen. Die bisherige Konzeption war zu sehr auf Museales ausgerichtet, wir müssen mehr an den Betrieb und die Kosten denken. Im Januar stehen mit unseren Architekten und der Förderstelle Gespräche an. Ich hoffe, dass wir dann einen Zeitstrahl für das weitere Vorgehen entwickeln können.

Apropos Museum - wann wird es wieder öffnen?

Gubsch: Wir hoffen bald, auf alle Fälle im ersten Quartal des neuen Jahres. Es war nicht leicht, eine neue Museumspädagogin und einen neuen Museologen zu finden. Ich bin kein Kultur-Experte, aber sehr zuversichtlich, dass die beiden neuen Kollegen das gut machen werden. Damit haben wir dann auch die Stellen besetzt, die der Kulturraum für eine Förderung des Museums verlangt und können die nötigen Ausstellungen und Museumsarbeit durchführen.

Waren Sie bei der Besetzung der anderen offenen Stellen auch so erfolgreich oder werden sie Personal abbauen?

Gubsch: Wie die Verwaltung strukturell aufgestellt werden soll, ist noch nicht entschieden. Es drängt auch nichts, der Laden läuft ja. Es bietet sich durch die unbesetzten Stellen aber jetzt die Gelegenheit, einiges grundlegend neu zu überdenken und gegebenenfalls auch Stellen einzusparen. Aber natürlich können wir nicht alle freien Stellen unbesetzt lassen und suchen verstärkt nach neuen Mitarbeitern. Noch ist eine größere Fluktuation aus dem Rathaus kein Thema, aber wenn der Kreis weiterhin so unverschämt hohe Gehälter zahlt, ist das nicht auszuschließen. Zur künftigen Struktur im Rathaus setzen wir uns im neuen Jahr zusammen.

Wie steht's um die Gewerbegebietserweiterung? Sie sprachen kürzlich von Interessenten. Wer ist das und wann könnten Firmen nach Löbau kommen?

Gubsch: Investoren, die angefragt haben, kamen aus der Lebensmittelbranche und aus produzierenden Branchen beispielsweise für den Bau oder aus dem Handwerk. Wir konnten ihnen noch keinen konkreten Termin nennen. Aktuell laufen die letzten Abstimmungen zum Bebauungsplan - sozusagen dem globalen Plan. Parallel dazu bereiten wir die Umsetzung vor. Mit Blick auf die Fristen und weil alles europaweit ausgeschrieben werden muss, wird 2022 ins Land gehen. Wenn alles optimal läuft, wäre ein Spatenstich im März 2023 realistisch.

Apropos Termin: Wie steht es mit Interessenten für die Kottmarbaude?

Gubsch: Ich bin erst dieser Tage wieder zu Führungen mit Interessenten oben gewesen. Es sind vorrangig Leute aus der Region, aber es war auch ein Interessent aus Südbayern dabei. Die Ausschreibungsfrist läuft bis 31. Januar, wir werden sehen, wer sich tatsächlich um den Kauf bewirbt. Dass die Gegebenheiten schwierig sind - Wasser, Abwasser, Straße - verschweigen wir nicht, da muss man dick gefüllte Taschen mitbringen. Aber immerhin ist die Aussicht jetzt hervorragend, weil viele Bäume dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind.

Kottmar wünscht sich die Wiederbelebung des Hausbergs - kamen von da Investoren oder Vorschläge?

Gubsch: Nein. Die Gemeinde Kottmar will gern den Turm haben. Aber wir wollen Turm und Gaststätte nicht trennen. Sonst wäre immer die Stadt Löbau die Böse, weil der Turm öffnet und die Gaststätte nicht. Kollege Görke hilft uns mit seinen Ausführungen auch nicht besonders - die Baude ist nicht insgesamt baufällig.

Apropos Bürgermeisterkollegen - Verena Hergenröder und Thomas Zenker haben sich öffentlich gegen die sogenannten Anti-Corona-Spaziergänge ausgesprochen. Sie wollten es sich noch überlegen. Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Gubsch: Wer mich kennt, der weiß, dass ich wenig von Unterschriftensammlungen oder Gemeinschaftsaktionen halte. Und nicht alles, was die Kollegen dazu geschrieben haben, hätte ich so formuliert. Die Stadt Löbau ist auch kein staatlicher Befehlsempfänger und muss sich nicht für Dinge entschuldigen, die wir nicht zu verantworten haben. Ich bin mit der Polizei im Gespräch, will aber nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen, solange es friedlich ist. Wir haben aktuell größere Sorgen mit Vandalismus in der Stadt und im Messepark. Dort suchen wir eine Lösung.