merken
PLUS Löbau

Herwigsdorfs umstrittener Kuhstall wächst

Bald ziehen Tiere ein. Sie kommen aus zwei Betrieben: aus Herwigsdorf und Sohland. Das noch offene Gerichtsverfahren steckt derweile in der Warteschleife.

Der erste Teil des Herwigsdorfer Kuhstalles steht bereits. Fertig ist bislang aber nur die Außenhülle, der Innenausbau mit Melkrobotern & Co. kommt noch.
Der erste Teil des Herwigsdorfer Kuhstalles steht bereits. Fertig ist bislang aber nur die Außenhülle, der Innenausbau mit Melkrobotern & Co. kommt noch. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Mitten im Raps rangieren die Baufahrzeuge: Herwigsdorfs umstrittener Kuhstall nimmt Formen an. Die Außenhülle einer Hälfte ist bereits fertig, die zweite hat bereits ein Dach. Dass es zwei Teile sind, ist so gewollt: Es handelt sich bei dem Bau um einen Doppel-Kuhstall. Grund dafür ist die Kooperation zweier Unternehmen für diesen Neubau. Denn nicht nur die Agrofarm Herwigsdorf, die den Bau federführend geplant und beantragt hat, wird hier künftig ihre Milchkühe unterbringen, sondern auch die Agrargenossenschaft Sohland am Rotstein, mit der die Herwigsdorfer eng zusammenarbeiten.

Die Baustelle des Kuhstalls Herwigsdorf: Der erste Teil ist bereits fertig, der zweite - im Hintergrund - im Bau.
Die Baustelle des Kuhstalls Herwigsdorf: Der erste Teil ist bereits fertig, der zweite - im Hintergrund - im Bau. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Matthias Döcke, Vorstandsvorsitzender der Agrofarm Herwigsdorf, bestätigt, dass es sich bei dem ersten Stallteil um die Plätze für die Tiere seines Herwigsdorfer Betriebes handelt. "Wir hoffen, dass wir im Oktober oder November mit dem Umzug und der Gewöhnungsphase an den neuen Stall beginnen können", sagt Döcke. Denn an Neues gewöhnen müssen sich nicht nur die Kühe, sondern auch die Mitarbeiter des Unternehmens. Im Vergleich zu den alten Ställen aus den 70er Jahren wird sich einiges ändern. Das betrifft vor allem die Technik, aber auch Platz, Luft und Licht für die Tiere, betont der Agrofarm-Chef.

Anzeige
Kundendiensttechniker (m/w/d) gesucht
Kundendiensttechniker (m/w/d) gesucht

Die ETN Elektro-Technik Niesky GmbH sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen Kundendiensttechniker (m/w/d).

Kühe aus Sohland ziehen in Teil des Stalls

Die Milchkühe aus Sohland müssen noch ein bisschen länger warten, wie Lutz Frohberg, Vorstandsmitglied der Agrargenossenschaft Sohland, auf Nachfrage erklärt: "Wir rechnen mit März oder April nächsten Jahres mit dem Umzug." Auch aus Sicht der Sohländer Genossenschaft, in deren Vorstand laut Bundesanzeiger auch Matthias Döcke aus Herwigsdorf sitzt, wird sich für die Tiere vieles verbessern. Denn auch der bisherige Kuhstall dieses Betriebes ist - wie die Herwigsdorfer Ställe in Eiserode und an der Niederhofstraße - aus den 70er Jahren und schlicht im "Rentenalter". Die Agrargenossenschaft wolle ihn nicht mehr selbst nutzen, erwägt aber, ihn zu verkaufen oder zu vermieten. Auch bei der Technik müsse man vorangehen: "Unser Melkstand läuft seit mehr als 20 Jahren, er hat gut durchgehalten, aber mit dieser Technik ist für uns kein Blick in die Zukunft möglich", erklärt Frohberg.

Deshalb ziehen die Sohländer Tiere in den modernen Stall nach Herwigsdorf. Damit konzentrieren sich die Kühe der Unternehmen zwar in der Tat in diesem Stall. In der Summe steige der Milchkuhbestand beider Landwirtschaftsbetriebe nicht, betonen Frohberg und Döcke und wenden sich gegen den Vorwurf, in Herwigsdorf werde Massentierhaltung betrieben. Auch der Abtransport der tierischen Hinterlassenschaften weg vom Herwigsdorfer Ortskern in Richtung Lehde und Sohland hänge mit der beiderseitigen Kooperation zusammen. Man wolle Synergien nutzen und sich "mit mehr Tierwohl eine vernünftige Produktionsgrundlage schaffen", betont Frohberg.

Die Kritiker des Stallbaus halten unterdessen an ihren Standpunkten und der juristischen Auseinandersetzung fest. Sie zweifeln unter anderem ein Gutachten an, dass von der Agrofarm für die Genehmigung des Stallbaus beigebracht werden musste und gehen davon aus, dass die Belastungen vor allem der Anwohner durch den neuen Stall eher noch steigen werden. Die Bürgerinitiative, die sich gegen den Stallbau engagiert, macht immer wieder auch vor oder in Gemeinderatssitzungen auf ihre Ziele aufmerksam und protestierte im August 2020 gemeinsam mit Fridays for Future in Herwigsdorf gegen den Kuhstall. Bislang aber fanden beide Seiten keinen gemeinsamen Nenner.

Auch wenn das Eilverfahren, das den Stallbau zunächst generell stoppen sollte, zuletzt in zweiter Instanz vom Oberverwaltungsgericht Bautzen abgelehnt wurde, so streben die Kritiker nach wie vor das Hauptsache-Verfahren an. "Das Verfahren ist noch anhängig", bestätigt der Sprecher des Verwaltungsgerichtes Dresden, Robert Bendner auf Nachfrage. Allerdings habe es bislang weder Termine in dem Verfahren gegeben, noch seien konkret welche in Aussicht, was an der "gegenwärtigen Belastung der Kammer" liege, fügt er hinzu. Damit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Kuhstall bereits fertig ist, bevor sich das Gericht der Sache konkreter annimmt.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Weiterführende Artikel

"Gefühltes Unrecht ist nicht gleich Unrecht"

"Gefühltes Unrecht ist nicht gleich Unrecht"

Umweltamtsleiter Peter Müller über den Streit um Herwigsdorfs neuen Kuhstall, gefühltes und echtes Unrecht, und die Tendenz zu Bürgerinitiativen.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]ächsische.de oder [email protected]ächsische.de

Mehr zum Thema Löbau