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Bekommt das Haus Schminke sein Glitzern zurück?

Der Stadtrat Löbau berät über die Finanzierung des Kultur-Denkmals. Dabei macht das Haus Hoffnung auf die Erfüllung eines lang gehegten Wunschs.

Von Markus van Appeldorn
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Auch nach einer Sanierung bekam das Haus Schminke in Löbau nicht seinen ursprünglichen Fassaden-Glanz zurück. Das könnte sich jetzt ändern.
Auch nach einer Sanierung bekam das Haus Schminke in Löbau nicht seinen ursprünglichen Fassaden-Glanz zurück. Das könnte sich jetzt ändern. © Rafael Sampedro Archiv

Das Haus Schminke, der "Nudeldampfer", ist der Stadt Löbau lieb - und mitunter teuer. Gerade in den jetzt beinahe schon zwei Corona-Jahren blieben die Einnahmen hinter den Erwartungen zurück und konnten den Betrieb des Hauses nicht erwirtschaften. Deshalb beschäftigte sich der Stadtrat Löbau jetzt mit einer erneuten Förderung für das Haus. Dabei wurde offenbar: Die Finanzierung des Hauses läuft seit geraumer Zeit mehr provisorisch als geplant. Das wird sich nun ändern. Und möglicherweise kann sich die Stiftung bald auch einen lang gehegten Wunsch erfüllen - den nach einer wie einst glitzernden Fassade.

Wie eine Beschlussvorlage der Stadtverwaltung zeigt, hatte die Stiftung "Haus Schminke" im Juni 2021 eine Auszahlung von Zuwendungen in Höhe von 30.000 Euro bei der Stadt beantragt - das war früher nicht nötig. Im Mai 2009 nämlich hatte die Stadt sich verpflichtet, "für einen Übergangszeitraum von zehn Jahren etwaige Jahresfehlbeträge der Stiftung bis zur Höhe von insgesamt 120.000 Euro auszugleichen". Die 2009 rechtsfähig gewordene Stiftung war 2007 von dem Leuchten-Unternehmer Christoph Hess und der Stadt begründet worden. Löbau brachte damals die Immobilie Haus Schminke in die Stiftung ein, Hess ein Stiftungsvermögen von 100.000 Euro. Dieses Vermögen darf laut Stiftungssatzung nicht angetastet werden - nur dessen Erträge. Und die sind bei der derzeitigen Zinslage minimal.

Besucher-Rekord im Bauhaus-Jahr

Der Übergangszeitraum von zehn Jahren ist mittlerweile abgelaufen. Seitdem unterstützt die Stadt das Haus mit jeweils einzeln beschlossenen Zuwendungen. Im letzten vorliegenden Berichtsjahr 2019 weist das Haus Schminke zwar keinen Fehlbetrag aus - das aber nur dank einer Finanzspritze der Stadt, wie es in der Beschlussvorlage heißt. "Der finanzielle Ausgleich durch die Stadt ist somit für das ausgeglichene Jahresergebnis mitverantwortlich. Der Zweck und die Aufgabe der Stiftung sind unbestritten von hoher gesellschaftlicher Bedeutung", heißt es dazu von der Stadtverwaltung.

In der Sitzung präsentierten Claudia Muntschick und Julia Bojarin vom Schminke-Team auch die Arbeit und Entwicklung des Hauses in den vergangenen Jahren. In den vergangenen zehn Jahren habe die Stiftung rund 1,2 Millionen Euro Fördergeld akquiriert. Die Besucherzahl sei kontinuierlich gestiegen - und habe im Bauhaus-Jahr 2019 einen Spitzenwert erreicht. "Wir hatten Gäste aus 37 Nationen im Haus. Ganz viele Menschen haben im Jubiläumsjahr einen Bauhaus-Urlaub gemacht", sagte Muntschick. Man müsse das Haus immer wieder in den Blick des Fachpublikums rücken aber ebenso: "Wir müssen die Moderne aus dem Elfenbeinturm herausholen. Hans Scharoun hat für die Familie Schminke gebaut - nicht für Kunsthistoriker", erklärte Muntschick.

Neue Chance für die Glitzer-Fassade?

Und Claudia Muntschick stellte auch die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches der Stiftung in Aussicht: Das Haus Schminke könnte seine ursprüngliche Glitzer-Fassade wieder erhalten. Einst funkelte das Haus in der Sonne wie ein Zuckerwürfel. Das war ein unbeabsichtigter aber nicht unerwünschter Nebeneffekt des verwendeten Putzes. Architekt Hans Scharoun legte beim Bau Wert auf die Verwendung regionaler Baustoffe. Der Sand für den Putz stammte aus einer heute nicht mehr existenten Kiesgrube bei See. Dieser Sand enthielt von Natur aus Glitzerpartikel. Doch Wind und Wetter rubbelten den Funkel-Effekt mit den Jahren von der Fassade.

Bei einer Sanierung im Jahr 2018 hatte die Stiftung eigentlich auch den Putz erneuern wollen. Man hatte sogar einen in Farbe und Körnung beinahe identischen Sand gefunden, mit dem sich der Glitzer-Effekt wieder herstellen ließe. Doch der Denkmalschutz sagte Nein - weil dieser Putz eben nicht der Originalputz wäre. "Wir mussten den Originalputz auf Biegen und Brechen erhalten", erklärte Muntschick. Der damaligen Landeskonservatorin sei der Putz unantastbar gewesen. Jetzt aber gibt es einen neuen Landeskonservator. "An das Thema wollen wir jetzt noch mal ran", sagt Muntschick.

Neue Vereinbarung für dauerhafte Unterstützung

Und der Stadtrat ging auch gleich noch mal an das Thema Förderung für das Haus Schminke ran. Dazu hatte die Fraktion der Linken einen Antrag eingereicht, eine neue Vereinbarung mit der Stiftung abzuschließen, welche die Erfüllung des Stiftungszweckes wirksam unterstütze. Die Fraktion begründet das damit, dass die Stadt das Haus in den letzten Jahren ohnehin jährlich mit 30.000 Euro unterstützt habe. "Mit Fördermitteln konnte der bauliche Zustand des Hauses in den vergangenen Jahren erhalten beziehungsweise verbessert werden", heißt es in dem Antrag. Dazu zähle etwa auch die Ausstattung mit Möbeln, die der ursprünglichen Ausstattung entsprächen und vor allem mit Spenden vervollständigt würden.

Trotz wachsender Besucherzahlen - unterbrochen durch die Pandemie - habe das Haus seine betrieblichen Aufwendungen nicht vollständig aus den Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Übernachtungen decken können - und das sei auch in den kommenden Jahren nicht zu erwarten. Kritik an dem Antrag regte sich im Stadtrat nur an dem Punkt, dass die Begründung - nicht der eigentliche Beschlusstext - eine jährliche Zahlung von 30.000 Euro enthalte. Es gab die Befürchtung, dass man der Stiftung so einen Blankoscheck für die Zukunft ausstelle. Die Linke strich daraufhin den Betrag aus der Begründung. Sowohl ihr Antrag, als auch der der Stadtverwaltung für eine Zuwendung von 30.000 Euro für das Jahr 2021 wurden einstimmig angenommen.