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Löbaus Museum wegen Personalmangel dicht

Erst eröffnet eine unfertige Dauerschau, jetzt geht Museums- und Archivleiterin Corinna Wandt. Weitere Stellen sind unbesetzt, Baustellen gibt's genug.

Corinna Wandt eröffnete vor wenigen Wochen die neue Löbauer Dauerausstellung im Museum. Es war ihr letzter öffentlicher Auftritt als Museumsleiterin.
Corinna Wandt eröffnete vor wenigen Wochen die neue Löbauer Dauerausstellung im Museum. Es war ihr letzter öffentlicher Auftritt als Museumsleiterin. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Dass die Eröffnung der neuen Dauerausstellung ausgerechnet der Schlussakkord von Corinna Wandts Karriere als Löbauer Museumschefin sein würde, haben wohl die wenigsten vermutet, die sich vor Kurzem in der Johannisstraße zur Vernissage eingefunden haben. Nun aber ist es offiziell: Die Leiterin des Löbauer Museums und des Stadtarchivs verlässt die Verwaltung auf eigenen Wunsch. Sie ist zudem nicht die einzige, die geht.

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Mit Beginn des Oktobers ist Löbau damit ohne Archiv- und Museumschefin. Im Archiv gibt es Kollegen, die den Betrieb übergangsweise weiter aufrecht erhalten. Das bestätigt auch die Pressestelle der Stadt. Im Museum sieht das anders aus: Hier hat eine weitere Museologin ebenfalls zu Ende September gekündigt, eine andere Kollegin ist auf eine andere Verwaltungsstelle gewechselt. Übersetzt heißt das: Das Museum muss aus Personalmangel geschlossen bleiben. Entsprechende Info-Zettel über verkürzte Öffnungszeiten hingen in den vergangenen Tagen immer wieder an der Eingangstür in der Johannisstraße.

Hoffen auf Bewerbungen für Museum

Bei der Stadtverwaltung kann man derzeit nicht konkret sagen, wann Löbaus Museum wieder öffnet: "Das hängt davon ab, wie schnell offene Stellen besetzt werden können", sagt Pressesprecher Marcus Scholz auf Nachfrage. Man hoffe, dass die bereits veröffentlichten Ausschreibungen auf Zuspruch stoßen. Ob aber erneut ein Archiv- und Museumsleiter in Personalunion gesucht werden, ist noch offen, heißt es auch von der Stadt. Noch hat es keine Ausschreibung gegeben, weil über künftige Strukturen und die personelle Besetzung von Archiv und Museum der neue Oberbürgermeister Entscheidungen treffen müsse.

Bleibt die Frage, was Corinna Wandt zu ihrer Entscheidung veranlasst hat? Liegt das auch an "zerrütteten Personalstrukturen", weshalb kurz vor der OB-Wahl Hauptamtsleiter Guido Storch seine Kündigung zu Ende September bekannt gab? Corinna Wandt holt tief Luft - für sie ist das nicht der Punkt: "Ich bin generell unzufrieden über den Stellenwert, den Kultur auch bei den Kollegen im Rathaus hat", erklärt sie. Sich immer erklären zu müssen, warum und wozu man Geldmittel brauche, immer nur als "freiwillige Aufgabe" der Stadt abgetan zu werden, vermittelte ihr keine Perspektive. Wertschätzung sehe anders aus.

Dass die stolze Sechsstädtebund-Stadt Löbau eine unvollendete neue Dauerausstellung eröffnet hat, weil die Gelder für den dritten Raum fehlten, ist das äußere Zeichen dafür. Am Museumsgebäude selbst ist seit Jahren alles sprichwörtlich beim Alten: Eine Sanierung wäre nötig, Barrierefreiheit, endlich ausreichenden und guten Platz fürs Depot oder eine Besucher-Toilette, die man nicht wie derzeit über den Hof aufsuchen muss - im Dunkeln mit Taschenlampe - bräuchte es ebenfalls.

Stadtarchiv auch für Juristen sehr wichtig

Anders als das Museum hat das Archiv einen höheren Stellenwert. Hier werden wichtige Akten sortiert, bewahrt und im besten Falle für die Zukunft digitalisiert. Wichtig ist das Archiv zudem nicht nur für Verwaltung selbst oder einige Heimatforscher: "Viele private Anfragen kommen von Familienforschern, vor allem aber auch von Anwälten, die für Erbangelegenheiten recherchieren", skizziert Frau Wandt. Als sie hier vor drei Jahren ihre Stelle antrat, fühlte sie sich angekommen: "Für Altgermanisten ist so ein Archiv das Paradies“, erklärte sie damals.

Daran hat sich für die promovierte Germanistin und Erwachsenenpädagogin auch nichts geändert. "Ich hätte im Archiv gern weitergemacht", sagt sie. Zur Doppelfunktion Archiv und Museum war sie ohnehin nur gekommen, nachdem Langzeit-Museums-Leiterin Regine Wiemer, die im Streit mit dem früheren Oberbürgermeister Dietmar Buchholz ging, auch deren Nachfolgerin Uta Karrer nach drei Monaten das Handtuch geworfen hatte. Seitdem hat Corinna Wandt versucht, mit neuen Ausstellungen und Angeboten für Schulen und Kitas das Museum wieder ins Löbauer Stadtleben zurückzuholen. Wie hier künftig die Weichen gestellt werden, wird sich erst mit dem neuen OB entscheiden, der am 17. Oktober gewählt wird. Zu viel Ungewissheit.

Für sich selbst hat sie deshalb Gewissheit geschaffen: "Ich bleibe Löbau erhalten, ziehe nicht weg", sagt sie. Einen neuen Job, auf den sie sich sehr freue, habe sie bereits gefunden - nicht in Löbau allerdings. "Kultur und Bildung werde ich weiter treu bleiben und natürlich auch das Löbauer Museum besuchen", sagt sie.

Großer Fundus, kleine Fläche

Dass man das Löbauer Museum weiterhin besuchen kann, hofft auch Peter Hesse. Der Chef der Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft (Kuweit) des Landkreises mit Sitz in Löbau kennt das Museum lange: "Es gab hier schon immer das größte Missverhältnis zwischen der ,Größe des Fundus' und der Ausstellungsfläche", skizziert er. Hesse wünscht sich, dass Löbau daraus mehr mache. Ein Anschluss an ein anderes Museum, wie es OB Buchholz mit dem Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund 2011 schon mal vorhatte, sieht er nicht als zielführend. "Das Löbauer Museum hat relevante Schätze, gerade auch für die Oberlausitz und den Sechsstädtebund", sagt er und fügt hinzu: "Es braucht ein kluges Konzept."

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Zunächst aber wird Löbau für sein Museum erst einmal alles tun müssen, um die Fördergelder als regional bedeutsame Einrichtung des Kulturraums nicht zu verlieren oder teilweise zurückzahlen zu müssen. Dafür müssen neben Fachpersonal und einem museumspädagogischen Programm auch der Nachweis über weitere Konservierung der Sammlung und zwei wechselnde Sonderausstellungen pro Jahr nachgewiesen werden. Ob sich nun die Hängepartie im Museum darauf auswirkt, wird sich zeigen.

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