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Keine Heimkehr für Löbaus Sockelpanzer

Der Garnisonverein hat den Plan aufgegeben, den T34 wieder in der Kaserne aufzustellen. Zum Problem wurde genau der ehemalige Standort.

Der gut 70 Jahre alte Sowjet-Panzer T34 rostet auf dem Gelände des Militärhistorischen Museums in Dresden vor sich hin.
Der gut 70 Jahre alte Sowjet-Panzer T34 rostet auf dem Gelände des Militärhistorischen Museums in Dresden vor sich hin. © Garnisonverein Löbau

Viele Löbauer kennen ihn noch als stolzes Ausstellungsstück. Auf einem gemauerten Sockel stand er da in der Offiziershochschule der Nationalen Volksarmee in der Jägerkaserne - der Sowjetpanzer vom Typ T34, die Kanone stolz erhoben zum Zeichen des Sieges gegen den Faschismus. 1991 wurde er dann vom Sockel geholt - solche Symbolik war nicht mehr angesagt. Wie Tausende anderer NVA-Panzer sollte das Löbauer Exponat verschrottet werden. Doch durch einen Zufall entging er dem Schneidbrenner. Und durch einen weiteren Zufall entdeckte der Löbauer Garnisonverein den einstigen Sockelpanzer im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden. Der Wunsch: Er solle heimkehren, wieder in der Kaserne aufgestellt werden. Zunächst machte das Museum auch Hoffnung - doch die hat sich nun zerschlagen.

So erinnern sich viele Löbauer an den Sockel-Panzer in der Jägerkaserne.
So erinnern sich viele Löbauer an den Sockel-Panzer in der Jägerkaserne. © privat

Wie der Löbauer T34 heute da so steht im Hof des Dresdner Militärhistorischen Museums - der Lack ist ab. Rost überzieht Panzerung und Kanone. Danilo Baumgarten, Vorsitzender des Garnisonvereins, hat die Geschichte des Panzers recherchiert. Er stammt aus polnischer Nachkriegsproduktion. "Der Panzer kam von der Generalinstandsetzung in Neubrandenburg und wurde erstmal in der Offiziershochschule eingelagert", erzählt er. Dort nämlich seien zahlreiche nicht mehr einsatzbereite Panzer dieses damals schon veralteten Modells zu Übungszwecken eingesetzt worden. "Da standen viele auf dem Übungsplatz. Damit wurden etwa Sanitätseinsätze zur Bergung von Panzerbesatzungen geübt", erklärt Baumgarten.

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Das beste Stück jedoch ließ der damalige Kommandeur der Offiziershochschule, Generalleutnant Werner Winter, 1983 anlässlich des 20. Jahrestages der Offiziershochschule im Kasernengelände auf einen Sockel stellen - aber genau dieser einstige Standort sollte es nun, Jahrzehnte später, zum Problem machen, den T34 wieder zurück nach Löbau zu holen. Nach der Wiederentdeckung des Panzers hatte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sich anlässlich eines Besuchs beim Garnisonverein dafür stark gemacht, dass der T34 wieder heimkehren könne. "Aber er hat natürlich auch erklärt, dass er sich nicht über Vorgaben und Richtlinien des Bundes hinwegsetzen könne", sagt Danilo Baumgarten. Und auch Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) unterstützte das Vorhaben damals.

Garnisonverein-Vorsitzender Danilo Baumgarten (Mitte) führte Ministerpräsident Michael Kretschmer (r.) durch das Vereinsmuseum.
Garnisonverein-Vorsitzender Danilo Baumgarten (Mitte) führte Ministerpräsident Michael Kretschmer (r.) durch das Vereinsmuseum. © Garnisonverein Löbau

Entmilitarisierung wäre Zerstörung

Erst hatte das Dresdner Militärhistorische Museum auch seine Bereitschaft erklärt, den T34 als Dauerleihgabe nach Löbau zu geben. Doch dafür gab es vor allem rechtliche Hürden. "Der Panzer ist nicht mehr fahrbereit und nicht mehr schussbereit und hat erhebliche Rostschäden", sagt Baumgartner, der den T34 in Dresden ausgiebig fotografiert hat. Dennoch fällt er noch unter das Kriegswaffenkontrollgesetz. Eine Genehmigung zum Aufstellen gibt es nur bei vollständiger Entmilitarisierung.

"Um eine Genehmigung zu erhalten, habe ich dem zuständigen Bundeswirtschaftsministerium eine geforderte Foto-Dokumentation geschickt", sagt er. Und die zeigt: In den Krieg kann damit wirklich niemand mehr ziehen. Aber der T34 ist nicht vollständig entmilitarisiert - das lag eben an seinem ehemaligen Standort. "Weil der ja innerhalb eines bewachten militärischen Objekts stand, wurde er damals nicht komplett kampfunfähig gemacht", erklärt Baumgarten. Zwar habe man damals bei der Aufstellung das Motoröl abgelassen und den Motor bis zum Kolbenfresser laufen lassen - aber das reicht nicht. Auch in einer bayerischen Kaserne stand der T34 seit den 90er-Jahre lange als Sockelpanzer - aber ebenfalls innerhalb eines militärisch geschützten Bereichs.

Der komplett verrostete Fahrerbereich des Panzers zeigt, dass mal viel Wasser ins Innere gelangt sein muss.
Der komplett verrostete Fahrerbereich des Panzers zeigt, dass mal viel Wasser ins Innere gelangt sein muss. © Garnisonverein Löbau
Aufgrund dieser Turmnummer konnte der Löbauer Garnisonverein den T34 eindeutig als den ehemaligen Sockelpanzer identifizieren.
Aufgrund dieser Turmnummer konnte der Löbauer Garnisonverein den T34 eindeutig als den ehemaligen Sockelpanzer identifizieren. © undefined

"Zur vollständigen Entmilitarisierung müsste die Wanne aufgeschnitten, und Motorraum und Kanone mit Beton ausgegossen werden", erklärt Danilo Baumgarten - Schritte, die die Heimkehr unmöglich machen. "Das hieße nämlich, den Panzer zu zerstören - und das wollen wir nicht", sagt er. Im Übrigen wolle das auch das Militärhistorische Museum nicht. "Wir hatten damals zwar eine lose Zusage des Museums aber noch keinen Beschluss der Sammlungs-Kommission, die über solche Leihgaben entscheidet", sagt Baumgarten. Er sei sich mit dem Sammlungsleiter aber völlig einig, dass eine solche Zerstörung des Panzers nicht infrage komme.

Jetzt will Danilo Baumgarten die Geschichte des Löbauer Sockelpanzers wenigstens im Museum des Vereins dokumentieren - und auch, dass der in Dresden ausgestellte Panzer eine entsprechende Dokumentationstafel bekommt. Vielleicht, so hofft er, könne das Museum dieses Vorhaben ja finanziell unterstützen. Schließlich sei es sein Verein gewesen, der die wahre Geschichte des Panzers entdeckt hat. Ursprünglich hatte das Museum den T34 nämlich nur in die Sammlung aufgenommen, weil es ihn für einen T34 hielt, der einst als Sockelpanzer bei der 7. NVA-Panzerdivision in Dresden-Nickern stand - und somit ein Stück Stadtgeschichte gewesen wäre.

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