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Wie Löbaus Stadtjubiläum gefeiert wurde

800 Jahre werden am Donnerstag mit einem Festakt begangen. Mehr lässt Corona nicht zu. Aber wie war's vor 100 und 50 Jahren?

Zur 750 Jahre später wurde Löbaus Ersterwähnung so dargestellt
Zur 750 Jahre später wurde Löbaus Ersterwähnung so dargestellt © SZ-Archiv, F. Rößler Sammlung R. Schermann

Am Donnerstag gibt's ein kleines Jubiläums-Fest mit großem Feuerwerk in Löbau. Anlass ist das 800-jährige Bestehen der Stadt. Auch die Einwohner sind aufgerufen, mitzumachen.

Schon vor 50 und 100 Jahren haben die Löbauer die Ersterwähnung der Stadt gefeiert. Wie, steht hier:

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700 Jahre – 24. bis 26. Juni 1921

Das 700-jährige Stadtjubiläum beging man drei Tage lang bei bestem Wetter, von Freitag bis Sonntag. Festlicher Auftakt war ein Konzert von 100 Sängerinnen und Sängern des Chorgesangsvereins „Concordia“, unterstützt von Solisten sächsischer Theater sowie Löbauer und Bautzener Musikern. Die von ihnen gestaltete Aufführung der „Jahreszeiten“ von Haydn erlebten am Abend des 24. Juni 1.200 Besucher in der Nikolaikirche. Dem schlossen sich Vorführungen der Turnvereine auf dem Sportplatz am Löbauer Berg an, die durch Lichteffekte einen besonderen Reiz erhielten.

Der Festakt fand am 25. Juni mittags im „Lamm“ statt (in der DDR Möbelhaus). Der damalige sächsische Ministerpräsident Buck, Vertreter der Städte des Sechsstädtebundes und der Wissenschaftsgesellschaften der Oberlausitz gehörten zu den Ehrengästen. Die Festrede hielt Prof. Otto Staudinger, ein profunder Kenner der Stadtgeschichte. Er würdigte das reiche und vielseitige Wirtschaftsleben, das „selbst eine so kleine Stadt wie Löbau im Laufe der Jahrhunderte entfaltet hat“. Er verwies auf die „weitschauende Bodenpolitik“ der Stadt mit über 1.400 Hektar städtischem Grundbesitz. Damit verfüge Löbau über rund 1.200 Quadratmeter Gemeindeland pro Einwohner, Dresden dagegen nur über zwölf. Nachmittags lud der Schwimmverein ins Hermannbad zu einem Schwimmfest ein, das laut Oberlausitzer Heimatzeitung „zu einem erfreulichen Beweise für die volkstümliche Leibespflege im Wasser wurde“.

Zu Löbaus 700-Jahrfeier vor 100 Jahren wurde neben Jubiläumsmünzen auch diese Karte aufgelegt
Zu Löbaus 700-Jahrfeier vor 100 Jahren wurde neben Jubiläumsmünzen auch diese Karte aufgelegt © SZ-Archiv, F. Rößler Sammlung R. Schermann
Nach einem Festakt im „Lamm“ gab es im Rathaus für Stadtgemeinderat, Festausschuss, Festgäste und Vertreter der Bürgerschaft ein „einfaches Mittagsmahl“.
Nach einem Festakt im „Lamm“ gab es im Rathaus für Stadtgemeinderat, Festausschuss, Festgäste und Vertreter der Bürgerschaft ein „einfaches Mittagsmahl“. © SZ-Archiv, F. Rößler Sammlung R. Schermann

Der Abend stand im Zeichen von zwei heimatlichen Festspielen: „Die Wunderblume auf dem Löbauer Berge“, aufgeführt im „Lamm“, und „Der Pönfall“. Diesen schweren Schicksalsschlag der Sechsstädte setzte der Ortsfechtverein „Glocke“ in der Tonhalle mit drei dramatischen Bildern in Szene. Am Abschlusstag strömten am Vormittag die Besucher zum Altmarkt. 1.500 Eilbotenläufer wurden erwartet, die aus allen Sechsstädten sowie aus Weißenberg und Rumburg nach Löbau kamen, um künstlerisch gestaltete Glückwunschurkunden zu überbringen. Mit 47 Kilometern hatten die Kamenzer die längste Strecke unter die Füße genommen. Höhepunkt war am Nachmittag der Festzug der Handwerksinnungen, Vereine, Schulen und wichtigsten Industriebetriebe durch eine prächtig geschmückte Stadt.

Der Zug endete auf dem Sportplatz am Schützenhaus. „Hier entfaltete sich nun ein Volksfest im besten Sinne des Wortes, das gipfelte in mannigfachen turnerischen Vorführungen, Massenfreiübungen, Volkstänzen, Liedern“, schrieb der Löbauer Lehrer und Volkskundler Dr. Curt Müller. Die 700-Jahr-Feier fand mit Höhenfeuern auf den der Stadt gehörenden Bergen Löbauer Berg, Kottmar und Rotstein einen eindrucksvollen Abschluss. Die Löbauer Jugend lud zudem auf den Hausberg zu einem Sonnenwendfest.

750 Jahre – 18. bis 27. Juni 1971

750 Jahre Löbau wurden zehn Tage lang gefeiert. Das Programm listete rund 20 Veranstaltungen auf. Die Organisatoren waren bemüht, sie über das ganze Stadtgebiet zu verteilen. So traten die Akrobaten der international bekannten Luftpiloten in Löbau-Süd auf. Der Festsaal der Geschwister-Scholl-Oberschule und das Stadtbad waren einbezogen (Chorkonzerte), ebenso das Stadiongelände und natürlich das Zentrum rings ums Rathaus. Hier fand am Abend des 24. Juni, dem Tag der ersten urkundlichen Erwähnung, auf dem Platz der Befreiung, dem heutigen Altmarkt, eine öffentliche Geburtstagsfeier mit militärischem Abendappell der Offiziershochschule der Landstreitkräfte statt.

Bemerkenswert, dass während der Jubiläumstage aus Görlitz eine pferdebespannte historische Postkutsche eintraf, die die Glückwünsche der damals 900-jährigen Stadt an der Neiße überbrachte. Unter den Gratulanten war auch der erste Löbauer Stadtkommandant der Roten Armee, Seljutin. Begrüßt wurden Abordnungen der Partnerstädte Szekesfehervar (Ungarn) und Montdidier (Frankreich). Nicht alle Darbietungen trafen jedoch auf die Wohllaune von Petrus, so das Platzkonzert des Löbauer Armee-Musikcorps.

750 Jahre Löbau und 900 Jahre Görlitz wurden 1971 fast zeitgleich gefeiert. Am 22. Juni überbrachte eine historische Postkutsche Glückwünsche von Görlitz nach Löbau. Bei Philatelisten waren Karten begehrt, die mit dieser Kutsche befördert wurden und mit Sonderstempeln an die Jubiläen erinnerten.
750 Jahre Löbau und 900 Jahre Görlitz wurden 1971 fast zeitgleich gefeiert. Am 22. Juni überbrachte eine historische Postkutsche Glückwünsche von Görlitz nach Löbau. Bei Philatelisten waren Karten begehrt, die mit dieser Kutsche befördert wurden und mit Sonderstempeln an die Jubiläen erinnerten. © undefined
Dicht an dicht standen die Zuschauer an der Strecke und natürlich auch am Rathaus, um am 27. Juni 1971 die 124 Bilder des Festumzuges der 750-Jahrfeier zu erleben. Mitgestalter waren auch Orchester und Musikgruppen wie der Fanfarenzug des Kreises Löbau.
Dicht an dicht standen die Zuschauer an der Strecke und natürlich auch am Rathaus, um am 27. Juni 1971 die 124 Bilder des Festumzuges der 750-Jahrfeier zu erleben. Mitgestalter waren auch Orchester und Musikgruppen wie der Fanfarenzug des Kreises Löbau. © undefined

Der zweistündige Festumzug mit 124 Bildern am Abschluss-Sonntag litt zum Glück nicht unter Wetterunbilden. Am Stellplatz rings um das Fleischwerk war das Gewusel groß. „Mehrere Lastkraftwagen wurden für das Heranschaffen von Kostümen und Utensilien benötigt“, notierte ein Augenzeuge. Im Bautzner und in mehreren Dresdner Theatern soll sich der Kostümfundus erheblich gelichtet haben. Hunderte Darsteller, darunter viele Offiziersschüler, ließen markante Ereignisse der Stadtgeschichte lebendig werden, so die Gründung der Stadt, die kriegerischen Ereignisse von 1813 oder den Streik in der Eisengießerei und Maschinenfabrik Behrisch. Hier setzten sich die Umzugsteilnehmer auf die Straße und brüllten „Hunger, Hunger!“, was die SED-Kreisleitung im Nachgang als „nicht passend“ bezeichnete. Als sich der Umzug nach dem letzten Bild auflöste, gab es in Löbaus Innenstadt kein Durchkommen mehr.

Auch aus journalistischer Sicht war der Abschlusstag des Jubiläums aufregend. Am Montag fuhr ein Redakteur der SZ-Kreisredaktion mit sämtlichen Fotos in die Dresdner Druckerei, damit dort in der Chemigrafie die Druckplatten hergestellt werden konnten. Am Dienstag erschien dann fast eine ganze Lokalseite über das Finale von 750 Jahre Löbau. Mehr an Aktualität ließen die technischen Möglichkeiten vor 50 Jahren nicht zu. Allerdings war die Berichterstattung propagandistisch stark vom VIII. SED-Parteitag geprägt, der fast zeitgleich in Berlin stattfand.

Unser Dank gilt dem Stadtarchiv Löbau für seine inhaltliche Unterstützung.

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