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Lawaldes Vorzeige-Werkstatt übernimmt Reifenservice

André Jähne hat in Lawalde zwei Firmen unter einem Dach vereint. Zudem zählt seine Werkstatt Pro Carline nun offiziell zu den zehn besten in Deutschland.

Von Anja Beutler
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André Jähne und seine Frau Susan freuen sich, dass sie zu den zehn besten Werkstätten Deutschlands gehören und jetzt auch eine Reifenfirma dazugehört.
André Jähne und seine Frau Susan freuen sich, dass sie zu den zehn besten Werkstätten Deutschlands gehören und jetzt auch eine Reifenfirma dazugehört. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Werkstatt von André Jähne in Lawalde ist in vielerlei Hinsicht eher ein Zwerg als ein Riese. Und doch hat die kleine Firma in den vergangenen Wochen enorme Größe bewiesen: Zum einen wurde Jähne mit seiner Werkstatt Pro Carline beim Deutschen Werkstattpreis 2021 als eine der zehn besten freien Werkstätten Deutschlands ausgezeichnet. Zum anderen ist seit wenigen Wochen die Übernahme der Reifenfirma Hiltscher im gleichen Ort unter Dach und Fach.

Jähne und seine Frau betreiben den etablierten Reifenservice jetzt weiter. "Es passt aus mehreren Gründen einfach gut", sagt André Jähne. Als Platznot hatte er selbst erst vor Kurzem überlegt, ob er für sein Unternehmen etwas baut, um die eingelagerten Reifen der Kunden unterzubringen. Das war nun mit der Übernahme der Reifenfirma nicht mehr nötig - und bringt überdies für beide Seiten Vorteile. Denn so bleibt Reifenservice Hiltscher als Ansprechpartner nicht nur für Pkw-Fahrer, sondern vor allem für die Landwirtschaft und auch Lkw-Besitzer erhalten.

Vom Schubkarrenpneu bis zum Traktorreifen

Wie zuvor arbeiten bei Hiltscher - auch der Name bleibt - zwei Mitarbeiter. "Einen der beiden bisherigen Mitarbeiter haben wir übernommen, der andere hatte gekündigt, sodass wir einen neuen Kollegen einstellen mussten", erklärt Jähne. Mit ihrem Wissen und Können bieten sie auch weiterhin neben dem Verkauf von Reifen jeglicher Art - vom Schubkarrenpneu über Gabelstapler- bis zum Mähdrescherreifen - in vielen Fällen auch Reparaturen an. "Immerhin kostet so ein Spezialreifen für eine landwirtschaftliche Maschine einige Tausend Euro", skizziert André Jähne - und verweist dabei auf die immense Größe, die hier noch ins Spiel kommt. Die bislang mit Hiltscher verbundenen Lkw-Flotten und Landwirtschaftsbetriebe müssen sich nun keinen neuen Ansprechpartner suchen - die Wirtschaft und damit das Geld bleibt buchstäblich im Dorf.

Die Werkstatt Pro Carline befindet sich in Lawalde in einer Nebenstraße und ist eher unscheinbar. Dennoch hat die Firma rund 3.000 aktive Kunden nicht nur aus der unmittelbaren Umgebung.
Die Werkstatt Pro Carline befindet sich in Lawalde in einer Nebenstraße und ist eher unscheinbar. Dennoch hat die Firma rund 3.000 aktive Kunden nicht nur aus der unmittelbaren Umgebung. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Diese Erweiterung der Firma hat für die Juroren des Deutschen Werkstattpreises durchaus eine Rolle gespielt. Noch wichtiger waren den Preisverleihern, die von der Fachzeitschrift "kfz-betrieb", der Automechanika Frankfurt, dem Reifenhersteller Continental und der Sachverständigenorganisation GTÜ kamen, die Zukunftsorientierung der Werkstatt. Einen ganzen Tag im Juni haben sie Jähnes Werkstattalltag in Lawalde überprüft und ihm ein hervorragendes Zeugnis ausgestellt.

Beispielhaft ist bei Jähne der hohe Grad an Digitalisierung. "Das spart uns Zeit und Aufwand", erläutert Susan Jähne, die ihren Mann seit sieben Jahren in der Firma unterstützt. Ohne die Vernetzung der Maschinen, die Arbeit mit Tablet und Rechner müssten die Mitarbeiter in der Werkstatt ständig alle Daten auf Zetteln eintragen und Susan Jähne insgesamt zweimal die Daten erfassen - von der Auftragsannahme bis zur Abrechnung. Bei 200 Aufträgen pro Monat spüre man den Vorteil.

Mehrsprachiges Arbeiten in der Werkstatt

Außerdem erleichtert die Digitalisierung auch die Chance, die Dinge mehrsprachig zu verarbeiten. Ein wichtiges Pfund für die Werkstatt, die zunehmend auch Kunden aus Polen hat, die lieber in ihrer Muttersprache alles nachvollziehen wollen. Auch im Team arbeiten inzwischen polnische Kollegen: Neben André Jähne und seiner Frau Susan gehören vier Mitarbeiter zur Werkstatt. Zwei von ihnen kommen aus Polen. "Das klappt sehr gut, die Kollegen sind nicht nur fachlich zuverlässig, sondern auch teamfähig und menschlich sehr angenehm", sagen die beiden Jähnes. Das Ehepaar hat sogar selbst etwas Polnisch gelernt, um mit den Kollegen zumindest ein bisschen in ihrer Sprache sprechen zu können.

Dass sich André Jähne auch schon auf die neusten Herausforderungen eingerichtet hat, ist keine Frage: Der 48-jährige Kfz-Meister wagt sich nicht nur an alle gängigen Auto-Typen - und selbst an Zweiräder - heran, er ist auch bei Elektroautos inzwischen so firm, dass er andere schulen kann. Für sein Ehrenamt als Wehrleiter in Lawalde kommt ihm dieses Wissen ebenfalls zugute. "Wir haben dazu auch die nötigen Werkzeuge angeschafft", betont er. Er geht allerdings davon aus, dass sowohl die klassischen Diesel- und Benzin-Autos als auch die Elektromobilität oder andere mit alternativen Antrieben bestückte Autos noch eine ganze Weile parallel existieren werden. "Vor allem, solange die Ladeinfrastruktur für die neue Technik noch ausgebaut werden muss", sagt er.

Dass im vergangenen Jahr die 20-Jahr-Feier der kleinen aber modernen Werkstatt wegen Corona ausgefallen ist, bedauern die beiden Jähnes zwar - aber vielleicht ist die Auszeichnung, die bei einer Gala vergeben wurde, ja so etwas wie ein kleines Geburtstagsgeschenk.