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"Ich erstatte meist keine Anzeige mehr"

Löbaus Bahnhofs-Investor Wolfram Zylla hatte ständig Besuch von Randalierern. Seit Jahren geht das so. Am Engagement der Polizei liege das aber nicht. Das sei vorbildlich.

Wolfram Zylla gehört seit Jahren der Löbauer Bahnhof - und seit Jahren bekommt er dort Besuch von Randalierern.
Wolfram Zylla gehört seit Jahren der Löbauer Bahnhof - und seit Jahren bekommt er dort Besuch von Randalierern. © Matthias Weber Archiv

Gerade erst hat sich Wolfram Zylla über die Baufirma geärgert, die für die Deutsche Bahn das Bahnsteigdach saniert. Bei ihren Arbeiten hat die Firma nämlich auch dem Bahnhofsgebäude selbst, das seit Jahren Zyllas Eigentum ist, Schaden zugefügt. Nun hat den Hessen erneut eine schlechte Nachricht ereilt: Es gab wieder Vandalismus am Löbauer Bahnhof.

"Das ist seit 2015/16 ein ständiges Problem, das sind offenbar marodierende Jugendbanden, die überall einbrechen und alles kurz und klein schlagen müssen", schildert er seine Erfahrungen. Auch dieses Mal gab es wieder Scherben - Scheiben am Aufzug, an einem Schaukasten und am Zugang zur Unterführung bilanzierte die Bundespolizei, die für Gleisanlagen und Bahnhöfe zuständig ist. "Das betrifft mich nicht, das ist Bahneigentum", erklärt Zylla und ergänzt, "aber auch am Bahnhof sind wieder zwei Scheiben zu Bruch gegangen. Wir haben Platten davor geschraubt." Schön sehe das nicht aus, aber de facto seien die Scheiben an der Bahnsteigseite inzwischen alle eingeschlagen. Und bei einem denkmalgeschützten Bau koste eine Erneuerung einiges. Er habe erst wieder zwei Fensterscheiben bestellt - für 2.000 Euro pro Stück.

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Randalierende Jugendgruppen

Wer die Übeltäter waren, davon hat Zylla durchaus eine Vorstellung. Jugendliche seien es meistens, man habe schon Personalpapiere gefunden, die in einem zurückgelassenen Rucksack steckten. Die Polizei hatte auch schon einige aufgegriffen, sagt Zylla: "Aber viel passiert ist dann nicht." In den Nebengebäuden des Bahnhofs, die ihm gehören, werde nahezu regelmäßig alles aufgebrochen, zum Teil steigen die Täter übers Dach per Leiter ein - nur um dann innen alles kurz und klein zu schlagen. "Aber da ist schon gar nichts mehr drin, das man kaputtmachen kann", sagt der Investor. Auch an den Fensterrahmen sei bereits gezündelt worden, Schäden gebe es immer wieder. "Wir erstatten meist schon keine Anzeige mehr - es führt zu nichts", sagt Zylla in dieser Hinsicht resigniert.

Wünscht er sich mehr Polizeipräsenz? Nein, die Polizei sei hier eher überpräsent. Sie kontrolliere oft am Bahnhof, auch Zugreisende und ermittle verdeckt. "Aber sie können eben nicht überall sein - ich mache der Polizei da keinen Vorwurf", stellt er klar. "Ich habe deshalb den Beamten für ihre Kontrollen schon angeboten, einen Raum im Bahnhof zu nutzen", sagt Zylla.

Videoüberwachung: zweischneidige Option

Was aber könnte dann das Problem lösen? Videoüberwachung? Wolfram Zylla hadert mit dieser Option: "Ja, darüber habe ich schon nachgedacht", sagt er. Allerdings sei das nicht so einfach: "Überwachen darf ich Flächen, die mir gehören", erklärt er und schränkt dann ein: "Es ließe sich dabei aber nicht vermeiden, Reisende, die zum Bahnsteig wollen, generell zu filmen." Denn das Gelände für den Zugang zum Bahnsteig sei sein Eigentum. Da Zylla aber weiß, dass es viele Kritiker eines "Überwachungsstaates" gebe. Er möchte aber die Persönlichkeitsrechte Unschuldiger nicht verletzen und hat sich dagegen entschieden. Er habe aber nichts dagegen, wenn die Polizei dies auf seinem Grundstück tun wolle.

Eine Lösung, wie genau man den regelmäßigen Vandalismus in den Griff kriegen könnte, hat der Bahnhofs-Eigentümer nicht wirklich. Eigentlich sei es eine Erziehungsfrage und habe nichts damit zu tun, dass man in der Jugend mal Unsinn mache. Zylla hofft, dass sich vielleicht mit etwas mehr Belebung des Bahnhofsgebäudes das Problem automatisch abschwäche. Aber die Eröffnung des kleinen Imbisses und Ladens, den er einrichten will, damit die Zugreisenden wenigstens etwas kaufen können, muss wegen des Bauschadens durch die Bahn noch warten.

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