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Macht "Löbau TV" Rathaus-Werbung?

Das Online-Journal ist für den OB nicht nur zu Corona-Zeiten eine gute Chance, sich und das Rathaus positiv darzustellen. Daran hat auch Zittau Interesse.

Moderator Uwe Tschirner (links) hat mit OB Dietmar Buchholz für die August-Ausgabe in der Grundschule Kittlitz Platz genommen.
Moderator Uwe Tschirner (links) hat mit OB Dietmar Buchholz für die August-Ausgabe in der Grundschule Kittlitz Platz genommen. © Screenshot: Anja Beutler

Es sieht ein bisschen kurios aus, wie da der groß gewachsene Uwe Tschirner und Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz im Klassenzimmer der Kittlitzer Grundschule an einem Schülertisch sitzen: Extra für die August-Ausgabe von "Löbau TV". Nachdem erste Fakten zu den Sanierungsarbeiten vor der Kamera ausgetauscht sind, fragt Uwe Tschirner Löbaus Stadtoberhaupt, wann er persönlich eingeschult wurde.

Diese Steilvorlage nimmt Buchholz auf die ihm eigene Art sofort auf: "Ja, ich bin wenigstens noch in eine richtige Schule gegangen, 1961. Und deswegen sehen wir uns ja hier, weil der Herr Tschirner ja in einer Gegend gewohnt hat, das ist... Gab's da auch Schulen bei Ihnen?", kalauert der OB los. Natürlich gab es die auch in Zittau, erklärt Tschirner geschmeidig lächelnd - und versucht das Gespräch wieder einzufangen. Ganz selten sind solche Szenen im Format "Löbau TV" nicht - zumindest nicht, wenn der OB dabei ist. Was also ist "Löbau TV"? Eine Plattform für die Verwaltung oder den OB selbst? Klassisches Lokalfernsehen? Oder beides? Und wer bezahlt?

Gute Fragen - auf die Löbaus Stadtverwaltung nicht antworten will. "Dazu können wir leider nichts sagen", teilte Sprecher Marcus Scholz auf mehrfache Anfrage schlussendlich mit. Auch die Nachfrage bei Stadtratsmitgliedern endete mit Verblüffung: Das sei kein Thema gewesen die letzten Jahre. Uwe Tschirner gibt sich da weniger geheimnisvoll: "Ursprünglich war Löbau TV als Begleitung zur Landesgartenschau 2012 gedacht", erinnert er sich und kann auf die Schnelle gar nicht sagen, wann es mit den ersten Sendungen losgegangen ist. Weil es gut lief, hätten beide Seiten die Zusammenarbeit fortgesetzt, erklärt der Chef der Oberlausitzer Filmproduktions GmbH, der betont, dass man als lizensierter Fernsehanbieter unter dem Dach der Landesmedienanstalt stehe: "Wir verschweigen nicht, wenn wir Zuwendungen bekommen."

Stadt Löbau an Finanzierung beteiligt

In der Tat war und ist die Stadt an der Finanzierung beteiligt: "Löbau zahlt einen Produktionskostenzuschuss", bestätigt Tschirner. Zur konkreten Summe will er sich nicht äußern. Getragen werde das Format vor allem durch Werbung. Die kommt zum Teil auch von der städtischen Wobau GmbH, die "Löbau TV" regelmäßig "präsentiert". Das monatliche Online-Magazin, das auf den Internetseiten von Löbau und "Oberlausitz TV" verlinkt ist, verzeichnet in diesem Jahr pro Ausgabe zwischen knapp 300 und 500 Besuchern auf der Internetplattform YouTube. Im März, zu Corona-Hochzeiten, ist der Beitrag sogar 710 Mal angeklickt worden.

Was thematisiert wird, bespricht Tschirner im Vorfeld mit der Pressestelle der Stadt. So werden Gesprächspartner - von der Museumsleiterin über den Förster bis zum Wobau-Chef gesucht. Wie er die Sendung dann direkt gestaltet oder welche Fragen er stellt, werde aber nicht abgesprochen, betont Tschirner: "Es gibt keinerlei inhaltliche Einflussnahme."  Dennoch bleibt am Ende eine gewisse Einflussnahme bestehen - im Unterschied zu unabhängig berichtenden Medien wie der SZ - die es ablehnen, sich von Politik, Verwaltung oder Werbekunden Inhalte und Ausrichtungen vorschreiben zu lassen.

Dass die Stadt und der OB einen gewissen "Gestaltungsfreiraum" haben, spürt man immer, wenn Buchholz unverblümt und spontan seine Meinung sagt, gern gespickt mit Sticheleien, die er nicht immer nur in einem Nebensatz steckt. So erklärte er jüngst, warum es so wichtig sei, den Wald zu retten: "Die meisten Städter wissen ja gar nicht, dass Bäume eigentlich da sind, um das Klima in Schach zu halten." Und zum geplanten Besuch einer Delegation aus der Partnerstadt Ettlingen kündigte Buchholz ein schönes Wochenende für die Gäste an, "unter dem Motto ,Von Löbau lernen, heißt siegen lernen'", das müsse man den Ettlingern "ja mal sagen".

Kein rein journalistisches Format

Vor seine Mitarbeiter stellt sich der OB regelmäßig und betonte in Corona-Zeiten, dass die Kollegen in der Verwaltung vor lauter Arbeit keine Zeit für Hamster-Käufe hätten. Deshalb sei er langsam soweit, sagt Buchholz, "dass ich für unsere Mitarbeiter wahrscheinlich zwei Paletten Toilettenpapier aus den Verkaufseinrichtungen hole, weil unsere Leute gar nicht in der Lage sind, in die Geschäfte zu gehen am Tag, um dort ordentlich einzukaufen". Trotz manch markiger Kommentare des OBs scheint Uwe Tschirner mit dem Format und seinen Möglichkeiten insgesamt im Reinen: "Es sind Sachen dabei, die sind gelungen", konstatiert er. Journalistisches Herzblut steckt der Zittauer eher in seine Sommerinterviews.

Interessant ist so ein Online-Journal aber auch für andere: Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) hatte sich erst dieser Tage mit Tschirner getroffen, bestätigen beide Seiten auf Anfrage. Laut Stadtsprecher Kai Grebasch sei es dabei "neben den Möglichkeiten einer Übertragung der Stadtratssitzungen auch um ein mögliches Magazinformat für TV und Social Media" gegangen. Kommt also bald Zittau TV? "Konkrete Absprachen gab es jedoch nicht", sagt Grebasch. Aber man sei an neuen Formaten interessiert, um die Einwohner zu informieren und auch über das Lokale hinaus marketingrelevant zu wirken.

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