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"Ein grauenvolles Bild für unsere Stadt"

Ein Haus in der Zittauer Vorstadt ist Streitpunkt in Löbaus Stadtrat. Laut Stadt bleibt nur der Abriss. Stadträte kritisieren, dass man das ganze Viertel verfallen lässt.

Mit Gerüst, Fangnetz und Bauzäunen gesichert: das Haus an der Äußeren Zittauer Straße 16 in Löbau.
Mit Gerüst, Fangnetz und Bauzäunen gesichert: das Haus an der Äußeren Zittauer Straße 16 in Löbau. © Matthias Weber

Gibt es für dieses Haus noch Rettung? Mit dieser Frage beschäftigten sich jetzt die Löbauer Stadträte - in einer unerwartet hitzigen Debatte. Es ging um das Haus an der Äußeren Zittauer Straße 16. Das steht seit vielen Jahren leer und verfällt zusehends. Die Stadt hat bereits einen Teil der Straße absperren müssen, damit niemand zu dicht an dem maroden Haus vorbeifährt oder -läuft und durch herabfallende Teile verletzt wird.

Das Gebäude gehörte einer Erbengemeinschaft aus 13 Erben, berichtete Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) jetzt im Stadtrat. "Auch der Freistaat hing da mit drin. Es war alles sehr kompliziert." Inzwischen ist die Stadt Eigentümer des Hauses, sie bekam es "günstig zum Kauf angeboten", wie Buchholz erklärte. Und sie will nun dem traurigen Bild ein Ende machen und zieht den Abriss in Erwägung. Zumindest will sie sich jetzt bemühen, Fördermittel aus einem Programm zur Brachensanierung vom Freistaat zu bekommen. Löbaus Bauamtsleiter Albrecht Gubsch erklärte: "Uns steht ein erhöhter Fördersatz in Aussicht." Demnach würde der Freistaat über die Förderung 90 Prozent der Abrisskosten übernehmen. Die Stadt will nun 120.000 Euro in den Haushalt einstellen, um ihren Eigenanteil zu sichern, falls sie die Förderung bekommt. Dazu brauchte sie die Zustimmung des Stadtrates. 

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Und der ist zum Problemfall Zittauer Vorstadt - so heißt das Gebiet um die Äußere Zittauer Straße - geteilter Meinung. Die Zittauer Vorstadt ist insgesamt augenscheinlich ein bauliches Problemviertel, nicht nur das betreffende Haus ist äußerst marode. Während in der Innenstadt immer mehr saniert wird, stehen hier zahlreiche Ruinen, die auf den ersten Blick kaum noch zu retten sind. Leerstand und Verfall prägen das Bild entlang der Äußeren Zittauer Straße vom Theaterplatz bis zur Heilig-Geist-Kirche. Eine Ausnahme bilden nur wenige Häuser, wie zum Beispiel eine Seniorenwohnanlage des Roten Kreuzes

"Sie können es ja kaufen"

Stadtrat Klaus Werner von der AfD-Fraktion bedauert, dass der Abriss in Erwägung gezogen wird. "Sollte man nicht lieber über den Erhalt nachdenken?", warf er die Frage auf. "Es sieht zwar nicht gut aus", räumte er ein. Er ist dennoch der Meinung, man sollte nicht immer gleich von Abriss sprechen. "Man könnte doch auch versuchen, einen Käufer zu finden", so Werner. 

"Sie können es ja gerne kaufen", entgegnete der OB - und machte keinen Hehl daraus, dass er es für wenig wahrscheinlich hält, dass sich jemand findet, der in das marode Haus investieren will. Auch Werners Fraktionskollegin Andrea Binder ist laut Buchholz eine Anwärterin auf den Kauf der Ruine. Denn auch sie plädierte für den Erhalt des Hauses - oder zumindest dafür, wenigstens über Alternativen zum Abriss nachzudenken. "Da können wir ja noch richtig den Preis hochtreiben", witzelte der Oberbürgermeister. 

Bei allen lockeren Randbemerkungen wiesen OB und Stadt-Bauamtsleiter aber auch auf die prekäre Situation hin. Die Bauaufsicht beim Landkreis habe das Gebäude als einsturzgefährdet eingestuft, sagt Bauamtsleiter Gubsch. Und zwei Planer hätten ihm schon gesagt, dass sie da nicht mehr reingehen.

Wenn Teile herunterfallen oder es Beschwerden gibt, dann könnte vom Landkreis als übergeordneter Behörde eine Abrissverfügung drohen. "Und dann müssen wir abreißen - egal, ob es zu dem Zeitpunkt Fördermittel gibt oder nicht", so Gubsch. Dem wolle man vorbeugen und das Geld nun in den Haushalt einstellen. Zudem sei die Statik schon jetzt so angegriffen, dass selbst der Abriss kompliziert werden würde, sagte Gubsch. Denn man müsse sehr vorsichtig vorgehen, um das Nachbarhaus nicht zu beschädigen. "Deshalb würde der Abriss eben auch recht teuer werden." 

Ein weiteres Argument der Stadt, sich von dem Gebäude zu trennen: Auch in dem Zustand, wie das Haus jetzt dasteht, kostet es die Stadt Geld. Die Sicherung, also Bauzäune und Netze, kosten rund 1.000 Euro im Jahr, so Gubsch.

"Abriss macht den Straßenzug kaputt"

OB Buchholz weist zudem daraufhin, dass ein Käufer höchstwahrscheinlich ausschließlich mit eigenem Geld bauen könnte. "Es gibt in den nächsten Jahren aus dem Stadtsanierungsprogramm keine Fördermittel mehr." 

Trotzdem trauen einige Stadträte der Sache nicht. Ihnen ist das schon allzu konkret, überhaupt den Abriss des Hauses in Erwägung zu ziehen, statt sich mit einem Gesamtkonzept für das Gebiet zu beschäftigen. Ingo Seiler von der Bürgerliste: "Es wäre sehr schade, wenn das abgerissen würde, denn es macht den Straßenzug kaputt. Wir hätten dann eine Abstützung am Nachbarhaus. Für unsere Stadt ist das doch ein grauenvolles Bild." Er erinnerte daran, dass es für die Zittauer Vorstadt mal ein Konzept gegeben habe, wie das Viertel aufgewertet werden könnte. "Das sollten wir jetzt nicht mit so einem Schnellschuss beenden." 

Bauamtsleiter Albrecht Gubsch stellte klar: "Hier wird ja jetzt noch nicht der Abriss beschlossen. Der Beschluss bezieht sich auf die Mittelbereitstellung." Es gehe lediglich darum, das Geld dafür zu bewilligen. Denn, wenn die Fördermittel kommen, braucht die Stadt den Beschluss, um die Finanzierung zu sichern. Wenn der Abriss tatsächlich konkret zum Thema werde, dann würde dazu im Stadtrat beziehungsweise im Bau- und Vergabeausschuss beraten und entschieden, erläutert Gubsch. 

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Der Stadtrat stimmte schließlich mehrheitlich dafür, jetzt die 120.000 Euro für den Abriss der Äußeren Zittauer Straße 16 in den Haushalt einzustellen und damit die Finanzierung zu sichern, wenn die Förderzusage vom Freistaat kommt. Vier Stadträte stimmten dagegen. Wenn sich in der Zwischenzeit ein Käufer findet, sei das kein Problem, so OB Buchholz. "Es steht zum Verkauf." 

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