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B178-Nordanschluss: Baustart bis 2027?

Die Landesdirektion Sachsen hat den Entwurf für den letzten Abschnitt vorgelegt. Losgehen könnte der Bau schon 2027. Profiteure wären zum Beispiel Nutzer und Anwohner der B6.

Von Markus van Appeldorn
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Der B178-Knotenpunkt bei Zittau steht kurz vor der Verkehrsfreigabe. Nun schauen alle gespannt ans Nordende der B178.
Der B178-Knotenpunkt bei Zittau steht kurz vor der Verkehrsfreigabe. Nun schauen alle gespannt ans Nordende der B178. © Bit

Der Bau der Schnellstraße B178n zwischen Zittau und Oderwitz schreitet zügig voran. Eine Freigabe ist für spätestens Anfang 2025 vorgesehen. Dann fehlt im Norden nur noch der Lückenschluss zur A4. Dieser letzte Bauabschnitt kommt nun - wieder mal - in die Startlöcher. Die Landesdirektion Sachsen (LDS) hat soeben den neuen Feststellungsentwurf für den Abschnitt zwischen dem bisherigen Ausbauende bei Nostitz und dem Autobahnanschluss in Weißenberg vorgelegt. Der Entwurf liegt noch bis zum 10. Juli unter anderem im Rathaus Löbau öffentlich aus. Die SZ nennt die wichtigsten Details.

Wie wird die Trasse verlaufen?

Es wurden insgesamt 15 Trassenvarianten geprüft. Die Wahl fiel auf die Verbindung, die mit rund 5,3 Kilometer die kürzeste und am günstigsten zu realisieren ist, sowie den geringsten Eingriff in die Natur darstellt. Die sogenannte "Trassenvariante 1.4" schließt am bisherigen Ausbauende mit einem Knotenpunkt zur S111 an und führt in einem Bogen östlich um Weißenberg zur dort bereits bestehenden Autobahnanschlussstelle. Markantestes Bauwerk wird eine rund 300 Meter lange Brücke über das Löbauer Wasser sein. Die Kosten für diese Variante veranschlagen die Planer mit 65,55 Millionen Euro. Andere Trassenführungen hätten bis zu 91 Millionen Euro gekostet. Beide Beträge sind aber noch nicht die veranschlagten Gesamtkosten.

Wann wird der Baubeginn sein?

Zum geplanten Baubeginn trifft der Entwurf keine Aussage. Der Nordabschnitt ist aber "im Bundesverkehrswegeplan 2030 zur Fertigstellung eingeordnet", heißt es im Entwurf. Dort steht die Straße auch als "vordringlicher Bedarf". Die einst fertiggestellte B178n soll demnach "die Position Sachsens als Logistikstandort innerhalb Europas durch die Verknüpfung mit dem Verkehrsnetz ausbauen". Ab Baubeginn wird mit einer Bauzeit von drei Jahren gerechnet. Zurückgerechnet von 2030 bedeutet das: Spätestens 2027 müsste Baustart sein.

Welche Trassen-Alternativen gab es?

Die 15 untersuchten Trassen wurden in drei Gruppen aufgeteilt - die meisten davon befanden sich in Gruppe 1, viele davon sind ähnlich der nun gewählten "Variante 1.4". Den meisten ist gemeinsam, dass sie nahe an Weißenberg vorbeiführen und am bereits vorhandenen Autobahnanschluss enden. Die Varianten der Gruppe 2 führten sämtlich weiter östlich und hätten auch im Osten von Weißenberg an die A4 angeschlossen. Darin sahen die Planer schließlich keinen Sinn, weil der überwiegende Teil des in Weißenberg auf die A4 auffahrenden Verkehrs die Autobahn in Richtung Westen nutzt. Die Varianten der Gruppe 3 führen sämtlich im Westen an Weißenberg vorbei und schließen auch westlich von Weißenberg an die A4 an. Hauptsächlich weil diese Trassenvarianten alle deutlich länger und teurer wären, wurden sie schließlich verworfen.

Die untersuchten Trassenvarianten für den B178-Lückenschluss zwischen Nostitz und Weißenberg.
Die untersuchten Trassenvarianten für den B178-Lückenschluss zwischen Nostitz und Weißenberg. © Deges

Was waren die Entscheidungs-Kriterien?

Laut dem Entwurf handelt es sich bei dem Straßenbau um einen "Eingriff in ein landschaftsökologisch sensibles Gebiet". So berührt die Trasse etwa Naturschutzgebiete und FFH-Schutzgebiete und damit den Lebensraum vieler besonders geschützter Tiere. Neben der Wirtschaftlichkeit und dem Landverbrauch wurde in einer Liste mit fünf Kriterien die Umweltverträglichkeit mit 25 Prozent am höchsten gewichtet. In allen Punkten schnitt die "Variante 1.4" am besten ab.

Ziel ist eine Trassenführung durch "konfliktarme Bereiche" mit besonders geringem "Raumwiderstand". Je höher dieser sogenannte "Raumwiderstand", desto erheblicher und nachhaltiger sind die Auswirkungen für den betrachteten Schutzraum. Für die jetzt bevorzugte Variante rechnen die Planer mit einem Flächenverbrauch von rund 29 Hektar. Die Gesamtkosten trägt ausschließlich der Bund.

Wie wird die Straße mal aussehen?

Genauso wie der jetzige dreispurige Abschnitt zwischen Löbau und Oderwitz. In jede Fahrtrichtung wird es wechselseitig Überholmöglichkeiten geben. Vorgesehen sind auf der rund 5,3 Kilometer langen Strecke für jede Fahrtrichtung 40 Prozent Überholstrecke. Ein ursprünglicher Entwurf sah gar einen vierspurigen Ausbau wie zwischen Nostitz und Löbau vor. Dieser Plan wurde aber aufgrund von Verkehrsprognosen verworfen und ein dreispuriger Ausbau als ausreichend angesehen.

Wer profitiert am meisten von der Norderweiterung?

Ausweislich des Entwurfs ganz vorwiegend alle, die entlang der B6 zwischen Löbau und Bautzen wohnen oder auf der B6 zwischen Löbau und Bautzen unterwegs sind. Der Entwurf spricht von einer erheblichen Lärm- und Luftbelastung in den Ortsdurchfahrten und besonders hohe Gefahren, insbesondere für Fußgänger und Radfahrer. Die Planer prognostizieren einen Rückgang der Verkehrsbelastung auf dieser Strecke von heute 10.000 Fahrzeugen täglich - davon 20 Prozent Schwerlastverkehr - auf dann nur noch 6.000. Käme der Nordanschluss nicht, würde sich die Belastung bis 2030 auf 12.000 Fahrzeuge täglich erhöhen.