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Nichts als Ärger mit dem Biber

Petra Buess-Thiele aus Neusalza-Spremberg lebt in Eintracht mit allen Tieren - fast allen. Die neuen tierischen Nachbarn machen ihr das Leben schwer.

Petra Buess-Thiele mit ihrem Hängebauchschwein "Elvis".
Petra Buess-Thiele mit ihrem Hängebauchschwein "Elvis". © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Nein, einen Mangel an Tierliebe kann man Petra Buess-Thiele ganz gewiss nicht vorwerfen. In ihrer Küche begrüßt sie auch die Waschbären, die durch die Katzenklappe hineinschlüpfen und am Katzenfutter knabbern. Die Katzen teilen sich ihr Futter auch einträchtig mit einem hungrigen Igel. Und ihr mittlerweile gestorbener Hund hatte einst einen Turmfalken zum Freund, der regelmäßig in sein Körbchen flatterte. Nutrias sind bei ihr zu Gast und manchmal schaut auch ein Reh an ihrem Haus am Fabrikteich in Neusalza-Spremberg vorbei. Nur mit einer Tiersippe kann sich Petra Buess-Thiele gar nicht anfreunden - mit den Bibern. Und das liegt hauptsächlich an "Elvis" - dem Hängebauchschwein.

"Ich hätte ja gar nichts gegen die Tiere, wenn sie sich anständig benehmen würden", sagt Petra Buess-Thiele. Aber die Biber, die sich in ihrer Nachbarschaft angesiedelt haben, erweisen sich als wahre Rüpel. Und besonders bekommt das eben "Elvis" zu spüren. Buess-Thiele rettete das Hängebauschwein vor einigen Jahren aus dem damaligen Streichelzoo in Oppach, als dieser vom Veterinäramt geschlossen wurde. Seitdem ist Petra Buess-Thieles gemauerter Schuppen am Ufer eines Bachlaufs sein Zuhause - und der Bach ist seit gut einem Jahr Biber-Revier.

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Viel Ärger, viel Arbeit

Petra Buess-Thiele hat die Plattschwänze noch nie zu Gesicht bekommen - aber ihre Spuren sind unübersehbar. In Biber-Manier gefällte Bäume liegen am Bachbett. "Und die Tiere haben sich unter das Häuschen von Elvis gegraben", sagt sie. Und als Folge dieser Grabungen ist der Boden eingebrochen. "Ich habe den Boden mit Holzbohlen ausgebessert. Eine Woche Plackerei war das", erzählt Petra Buess-Thiele. Und das ist nicht der einzige Biber-Schaden. "Immer wieder stürzen die von den Bibern gefällten Bäume auf den Zaun und zerstören den", erzählt sie. Den Zaun aber muss sie haben. "Weil ich ja ein Schwein halte, kontrolliert das Veterinäramt das wegen der Afrikanischen Schweinepest", erklärt sie.

Dabei will Petra Buess-Thiele den Bibern gar nichts Böses. "Aber könnte man die nicht irgendwohin umsiedeln, wo sie keinen Schaden anrichten?", fragt sie. Genau das wollte sie auch von einem Mitarbeiter der Naturschutzbehörde wissen, der sich die Schäden bei ihr angeschaut hat. "Der hat mir gesagt, dass da jetzt in der Überwinterungszeit der Tiere sowieso nichts zu machen sei", erzählt sie - aber auch wenn die Biber irgendwann ausgeschlafen haben, kann sich Petra Buess-Thiele kaum Hoffnung auf eine solche Lösung machen.

Von Bibern gefällte Bäume am Rand des Fabrikteichs in Neusalza-Spremberg.
Von Bibern gefällte Bäume am Rand des Fabrikteichs in Neusalza-Spremberg. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Ein Biberdamm in der Nachbarschaft von Petra Buess-Thiele.
Ein Biberdamm in der Nachbarschaft von Petra Buess-Thiele. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Keine Möglichkeit zur Umsiedlung

Denn Biber sind streng geschützte Tiere. "Daher darf man sie weder töten noch fangen oder ihre Baue und Dämme zerstören oder beschädigen", teilt die Naturschutzbehörde des Landratsamtes dazu auf SZ-Anfrage mit. Die Ansiedlung der Biber in Neusalza-Spremberg sei dem Amt seit Ende 2019 bekannt. Genaue Erkenntnisse über die Populationsgröße gebe es nicht. Aufgrund der dortigen Biberaktivitäten sei von einem Biberpaar oder einer Biberfamilie auszugehen. "Auch ein Umsiedeln oder Vertreiben in der Paarungs-, Wurf- und Aufzucht- oder Überwinterungszeit ist verboten, wenn sich daraus ergibt, dass die Tiere Verluste erleiden können", heißt es dazu weiter vom Landratsamt. Eine Umsiedlung sei zwar in Ausnahmefällen gestattet - etwa um wirtschaftliche Schäden abzuwenden. Vorher müsse die Naturschutzbehörde aber stets abwägen, ob sich nicht auch durch Präventionsmaßnahmen ein Zusammenleben mit den Bibern gestalten lasse. "Ist das der Fall, darf keine Genehmigung erteilt werden", erklärt das Landratsamt.

Und was nun konkret die Biber in Petra Buess-Thieles Nachbarschaft betrifft, teilt die Behörde mit: "Im vorliegenden Fall sind die Möglichkeiten der Prävention vor Biberschäden durchaus möglich und mit Unterstützung von den Bibermanagern des Landschaftspflegeverbands „Oberlausitz“ e. V. auch auf und angrenzend zum Grundstück von Frau Buess-Thiele umsetzbar. Fang und Umsetzung der Biber sind daher naturschutzrechtlich nicht zulässig, weil Schäden durch Biber vermeidbar sind." Buess-Thiele sei zu solchen förderungsfähigen Präventions-Maßnahmen gegen Biberschäden auch beraten worden, habe die vorgeschlagenen Maßnahmen aber abgelehnt.

Das bestätigt Petra Buess-Thiele auch. "Die haben mir geraten, da einen engmaschigen Zaun ziehen zu lassen", sagt sie - und das ist für sie keine Lösung. "Meine Tiere, die Katzen oder Waschbären brauchen ja Schlupflöcher, wie kann ich da einen engmaschigen Zaun ziehen?", sagt sie. Ihr Vorschlag: "Sollen die doch einen Zaun um das Biberrevier ziehen, aber nicht auf meinem Grundstück." Auch handwerkliche Hilfe habe man der Frau angeboten, teilt das Landratsamt mit: "Hier wurde durch den Nabu Ebersbach angeboten, die angenagten und auf den Zaun gefallenen Bäume zu beseitigen und einfache Reparaturen am Zaun durchzuführen." Buess-Thiele bestätigt, dass deswegen erst vor wenigen Tagen jemand bei ihr war. "Die haben aber gesagt, das hätte jetzt Zeit bis zum Frühjahr. Und außerdem ist der Zaun so stark beschädigt, dass man den gar nicht reparieren kann", sagt sie - und vertraut auch nicht darauf, dass es jemals so weit kommt: "Das ist nur Gerede, um mich ruhig zu stellen."

Die Katzen von Petra Buess-Thiele teilen sich ihr Futter auch schon mal mit Igeln.
Die Katzen von Petra Buess-Thiele teilen sich ihr Futter auch schon mal mit Igeln. © privat
Auch kleine Küken haben vor den Katzen nichts zu befürchten.
Auch kleine Küken haben vor den Katzen nichts zu befürchten. © undefined
Kinderstube mit Kätzchen und Waschbär-Jungem.
Kinderstube mit Kätzchen und Waschbär-Jungem. © undefined
Waschbären fühlen sich wohl in der Kammer mit dem trockenen Brot für Hängebauchschwein "Elvis".
Waschbären fühlen sich wohl in der Kammer mit dem trockenen Brot für Hängebauchschwein "Elvis". © undefined

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