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Schäumt der Bierpreis jetzt über?

Teure Rohstoffe, Inflation, Energiesteuer - all diese Kostensteigerungen zwingen die Brauer in Löbau und Eibau, an der Preisschraube zu drehen.

Von Gabriela Lachnit & Markus van Appeldorn
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Die Flaschenabfüllung der Bergquell-Brauerei in Löbau.
Die Flaschenabfüllung der Bergquell-Brauerei in Löbau. © Bergquell Brauerei Löbau

Längst pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Das Bier wird im nächsten Jahr teurer. Das kündigten die großen deutschen Brauer wie die Radeberger Gruppe, Krombacher, Bitburger & Co. vor einigen Tagen an. Aber was machen die kleinen Brauereien wie die Löbauer Bergquell-Brauerei und die Privatbrauerei in Eibau? Verderben neue Bierpreise im Sommer 2022 flächendeckend den Genuss? SZ hat sich umgehört.

Steffen Dittmar, Inhaber der Löbauer Bergquell-Brauerei, hat noch nicht endgültig entschieden, sieht eine Preiserhöhung aber als unausweichlich an. "Ich habe 2022 allein für Malz über 100.000 Euro Mehrkosten", sagt er. Statt bisher 372.000 Euro müsse er künftig für den Einkauf des wichtigsten Bier-Rohstoffs 489.000 Euro aufwenden. "Die Braugerste-Ernte war nur durchschnittlich und die Chinesen kaufen wie verrückt alles auf, was sie bekommen können - ohne Rücksicht auf den Preis", erklärt Dittmar. Unter diesen Umständen könnten die Lieferanten trotz langfristiger Lieferverträge nicht mehr die früheren Preise halten.

Inflation macht Druck auf Löhne

Hinzu kommen Lohnsteigerungen. "Ich muss die Inflation irgendwie lohnmäßig abfedern und einen Inflationsausgleich schaffen", sagt Dittmar. Und natürlich müsse er solche Kostensteigerungen irgendwann auf den Bierpreis umlegen. Hinzu kämen enorme Preissteigerungen etwa bei der Energie. "Allein die CO2-Steuer geht exorbitant in die Höhe", sagt er. Dazu sei man vom Ausstoß her noch längst nicht wieder auf Vor-Corona-Niveau angelangt. Dittmar verkauft zu 85 Prozent an den Handel, die Gastronomie spielt für seine Brauerei keine große Rolle. "Aber ich habe bei den großen Volksfesten immer viel ausgeschenkt, die sind alle weggebrochen", so Dittmar. Im Handel spüre er den Preisdruck durch die großen "Fernsehbiere". Denn diese Top-Marken werden von Handelsketten oft zu Schleuderpreisen angeboten, um Kunden in die Märkte zu locken. Da kann Steffen Dittmar nicht mithalten. Um wie viel der Preis seines Biers steigen wird, kann er noch nicht sagen.

Dittmar rechnet mit einer Bierpreiserhöhung für den April 2022. "Im Handel braucht man ein halbes Jahr Vorlauf", sagt er. Die eher kleine Privatbrauerei Eibau dagegen will ihr Fassbier schon zum 1. Februar verteuern - um genau sieben Euro je Hektoliter. Das bedeutet, dass der halbe Liter Eibauer Bier dann etwa 3,5 Cent teurer ausgeliefert wird. Neben den gestiegenen Kosten durch erhöhte Rohstoffpreise, durch die Kohlendioxid-Steuer und höhere Strompreise wirken sich in Eibau auch Preissteigerungen für Nebenprodukte aus, an die der Verbraucher oft gar nicht denkt, erklärt Falk Müller, Verkaufsleiter der Eibauer Brauerei. Solche Kostensteigerungen verstecken sich zum Beispiel in höheren Preisen für die Kleber, mit denen jedes Etikett auf der Flasche befestigt wird. Auch die Verdreifachung der Preise für Euro-Paletten, auf denen das Eibauer Bier ausgeliefert wird, schlägt heftig zu Buche.

Das Problem mit dem Leergut

Ein Problem, das nicht nur die Eibauer Brauerei seit vielen Jahren hat, ist das Leergut, das zu einem großen Teil falsch beim Produzenten ankommt. Häufig sind die Eibauer Bierkästen, die aus dem Handel zurückkommen, mit Individualflaschen anderer Brauereien gefüllt. Diese zu sortieren - in Eibau wird das im Gegensatz zu den Brauereien in Görlitz und Löbau noch per Hand erledigt - kostet viel Geld. "Außerdem fehlen die leeren Flaschen zur Befüllung", klagt der Verkaufsleiter. Deswegen werden die Eibauer Biere sowohl in die sogenannten NRW-Flaschen als auch in die Longneck-Flaschen abgefüllt. Das aber bedeutet wiederum Mehrkosten, weil unter anderem andere Etiketten verwendet werden müssen. Die ursprünglichen passen nicht auf jede Flaschenform.

Wie viel teurer wird das Bier?

Ob und wie sich die höheren Preise für Rohstoffe und dergleichen schließlich auf den Preis für den Bier-Verbraucher an der Ladenkasse auswirken, ist vorerst nicht ganz klar. Der Branchendienst "GetränkeNews" spricht von Preiserhöhungen für das Glas Bier in der Kneipe von 30 bis 50 Cent. Für einen Kasten Bier wird der Handel voraussichtlich einen Euro mehr verlangen und nicht nur die Preiserhöhung aus der Brauerei an den Verbraucher weitergeben - wie so oft werden die Zwischenstufen im Handel über Ausgleichszahlungen mitverdienen wollen. Branchenkenner prognostizieren, dass für den Biergenuss ab dem kommenden Frühjahr flächendeckend tiefer in die Geldbörse gefasst werden muss.