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Aufforstung: ein Baum für jeden Sachsen

Auf dem Bieleboh ist im Beisein von Landesprominenz der Startschuss für ein ehrgeiziges Projekt gefallen. Es geht um die vielen kahlen Flächen, die der Borkenkäfer hinterlässt.

Von Romy Altmann-Kuehr
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Aus der Luft wird das Ausmaß am Bieleboh besonders deutlich. Große Flächen sind kahl.
Aus der Luft wird das Ausmaß am Bieleboh besonders deutlich. Große Flächen sind kahl. © Stiftung Wald für Sachsen

Die Aussicht von der Terrasse am neu gebauten Festsaal auf dem Bieleboh ist gigantisch. Sie offenbart aber auch, wie schlimm es um den Wald steht - besonders in der Oberlausitz. Denn dort auf der Bergkuppe, wo jetzt komplett freie Sicht ist, standen bis vor Kurzem noch Bäume dicht an dicht. Nun ist die Fläche kahl, wie auf etlichen anderen Berggipfeln auch. Ein ähnlich trauriges Bild bietet sich zum Beispiel auf dem Kottmar.

Entsprechend besorgt lässt Henrik Lindner den Blick schweifen und zeigt auf eine Bergkuppe gegenüber vom Bieleboh: der Taubenberg bei Oppach. Viele braune Flecken sind dort aus der Ferne zu sehen. Sie nehmen rund die Hälfte des Berges ein. "Das sind alles abgestorbene Fichten", erklärt Lindner. "Nächstes Jahr wird das alles kahl sein."

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Henrik Lindner ist Geschäftsführer der Stiftung Wald für Sachsen. Und die hat jetzt auf dem Bieleboh den Startschuss für ein besonders ehrgeiziges Projekt gesetzt. "Mein Baum für Sachsen" heißt die Aktion. Auf der Stiftungsratssitzung wurde das Vorhaben nun vorgestellt - und diese Sitzung extra auf den Bieleboh verlegt. "Sozusagen ins Epizentrum des Waldproblems", so Lindner. Denn hier in der Oberlausitz seien die Schäden mit am schlimmsten. Zum Start hatte die Stiftung Landtagspräsidenten Matthias Rößler eingeladen sowie Staatsminister Sebastian Gemkow. Ziel der Kampagne ist es, in den nächsten Jahren für jeden Sachsen einen Baum zu pflanzen. Vier Millionen Bäume sind also die Zielmarke.

Stiftung ruft zu Spenden auf

Das Nachpflanzen hat aber nicht nur optische Aspekte. Der Wald hat auch wichtige Funktionen, zum Beispiel fürs Klima oder beim Hochwasserschutz, erklärt Lindner.

Die Stiftung Wald für Sachsen hatte auf den Bieleboh eingeladen. Zu Gast war unter anderem Staatsminister Sebastian Gemkow (links).
Die Stiftung Wald für Sachsen hatte auf den Bieleboh eingeladen. Zu Gast war unter anderem Staatsminister Sebastian Gemkow (links). © Matthias Weber/photoweber.de

Die Stiftung, die ihren Sitz in Markkleeberg bei Leipzig hat, kümmert sich dabei hauptsächlich darum, wie das ganze finanziert werden kann. Denn auch Bäume kosten Geld - je nach Sorte 50 Cent bis ein Euro pro Setzling. Beim Pflanzen selbst setzt die Stiftung auf Partner vor Ort, zum Beispiel die Forstbetriebsgemeinschaften, erklärt Henrik Lindner. "Wir wollen Spenden sammeln. Die werden dann an die Forstgemeinschaften ausgezahlt und wir kontrollieren natürlich, ob das Geld auch zweckgemäß eingesetzt wird."

Frauen gehen besser mit den Pflanzen um

Einer, der dafür sorgen wird, dass die gespendeten Bäume in den Boden kommen, ist Tilo Freier aus Löbau. Er leitet die Forstbetriebsgemeinschaft Deutsch-Paulsdorf, die in Löbau ansässig ist und die Wälder ringsum betreut. Viele Waldflächen sind hier im Privatbesitz - auch eine Besonderheit in der Oberlausitz, erzählt Freier. Sie birgt aber auch ein Problem. Denn viele Waldbesitzer seien schon älter, können sich nicht mehr gut um ihre Flächen kümmern. "Wir müssen junge Leute für den Wald begeistern", wirbt der Forstmann. Denn ein Problem sei auch, die vielen Setzlinge, die jetzt nötig sind, in die Erde zu bringen. "Uns fehlen schlicht die Arbeitskräfte dafür." Das Interesse für diese Arbeit sei gering - obwohl sie so wichtig ist. Die meisten, die sich für die Arbeit im Forst interessieren, wollen lieber auf dem Harvester sitzen, hat er festgestellt. "Beim Bäume fällen, da sieht man eben gleich ein Ergebnis." Eine weitere Beobachtung, die er gemacht hat: Frauen sind die besseren Pflanzer. "Sie gehen einfühlsamer mit den Pflanzen um. Männer sind da mitunter etwas grob, nach dem Motto: Hauptsache rein in den Boden und gut." So einfach sei die Sache aber nicht, wenn die Bäume auch gut anwachsen sollen.

Schuld an der Wald-Misere sind bekanntermaßen Stürme und Borkenkäferplage in den vergangenen Jahren. Flächen, so groß wie 20.000 Fußballfelder, sind in Sachsen inzwischen kahl. Einen kleinen Eindruck davon erhielten die prominenten Gäste aus der Politik jetzt bei einem Rundgang auf dem Bieleboh.

Die Stiftung ruft nun zu Spenden für die Aktion "Mein Baum für Sachsen" auf. Bürger, Unternehmen und Institutionen sind aufgerufen, zu spenden, um das Ziel zu erreichen. Möglich ist das über die Internetseite der Stiftung.

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