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So süß! Vier Fohlen bei Löbauer Bergquell

Steffen Dittmar ist jetzt stolzer "Papa" des Nachwuchses bei seinen Brauerei-Pferden - und der hat eine ganz besondere Abstammung.

Steffen Dittmar mit einem seiner neugeborenen Fohlen und dessen Mutterstute.
Steffen Dittmar mit einem seiner neugeborenen Fohlen und dessen Mutterstute. © Matthias Weber/photoweber.de

Die nächste Generation bei der Bergquell Brauerei in Löbau ist gesichert - jedenfalls die der stärksten und prominentesten Mitarbeiter: der Brauerei-Pferde. Brauerei-Chef Steffen Dittmar ist seit wenigen Tagen mega-stolzer Pferdepapa. Gleich vier seiner Percheron-Stuten haben dieser Tage ein Fohlen zur Welt gebracht. Damit ist auch ein Wandel beim Erscheinungsbild der Brauereigespanne eingeleitet, mit denen das Bergquell-Bier in Löbau ausgeliefert wird und die oft zu den großen Stars bei Festumzügen gehören.

"Das sind ja gewissermaßen meine Babys", sagt Steffen Dittmar. Und die haben ihm die letzten Wochen schlaflose Nächte bereitet. Denn alle vier Stuten waren mit ihrer Geburt überfällig und Dittmar musste sie über eine Kamera im Stall stets im Auge behalten, um rechtzeitig Geburtshilfe leisten zu können. Als erstes kam am 20. April dann Stut-Fohlen "Lilly" zur Welt, am 5. Mai die kleine "Luna" und die beiden Hengst-Fohlen "Lui" und "Leo" komplettierten dann am 6. und 8. Mai die Pferdekinderstube hinter der Brauerei. "In der Zuchtlinie ist es ein L-Jahr, deshalb beginnen alle Namen mit einem L", erklärt Dittmar.

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Jeden Tag ist Steffen Dittmar jetzt bei seinem Nachwuchs im Stall oder auf der Koppel und erfreut sich an ihrem Anblick und ihrem Fortschritt. Noch werden die Fohlen überwiegend von ihren Mutterstuten gesäugt. "Neulich hat ein Fohlen auch schon versucht, Gras zu fressen. Dabei ist es gleich auf der Nase gelandet, weil es noch so ungelenk ist", erzählt er. Aber die vier sind dennoch schon ganz fix auf den Beinen. "Demnächst öffne ich auch die große Koppel, da können sie sich dann austoben", erzählt Dittmar.

Fohlen-Parade auf der Koppel.
Fohlen-Parade auf der Koppel. © Matthias Weber (2), Markus van Appeldorn (3)
Steffen Dittmar schaut jeden Tag auf der Koppel vorbei.
Steffen Dittmar schaut jeden Tag auf der Koppel vorbei. © Matthias Weber/photoweber.de
Die kleine "Lilly" mit Mutter "Paris".
Die kleine "Lilly" mit Mutter "Paris". © undefined
Kleine Mittagsruhe auf der Koppel.
Kleine Mittagsruhe auf der Koppel. © undefined

Edel-Pferde von den Amish People

Der Nachwuchs sichert auch die Umstellung von Steffen Dittmars Brauerei-Pferd-Flotte. Bislang prägen schwere Kaltblüter-Wallache der Rasse "Französische Percheron" das Bild der Gespanne - schwere Brocken, die bis zu 1.200 Kilo auf die Wage bringen. "Meine Stuten, die jetzt erstmals gefohlt haben sind Amerikanische Percherons", erklärt Steffen Dittmar. Die sind zwar vom Stockmaß her größer als ihre französischen Verwandten, aber von der Statur her wesentlich schlanker und athletischer - und mit bis zu 800 Kilo Körpergewicht auch wesentlich leichter. "Bei so schweren Pferden wie den Französischen Percherons gibt es wesentlich öfter Hufkrankheiten", erklärt Dittmar einen der Vorzüge bei der Haltung. Aber er findet ihr Erscheinungsbild auch wesentlich eleganter und will daher künftig nur noch Stuten der amerikanischen Rasse vor seinen Gespannen einsetzen. Die Hengst-Fohlen dienen dann irgendwann entweder als Deckhengste in der eigenen Zucht oder werden verkauft. "Die Nachfrage nach solchen Hengsten ist riesig, weil es in Europa kaum Tiere der amerikanischen Zuchtlinien gibt", sagt Dittmar.

So ein Pferdewechsel ist eine Sache von Jahren. "Meine ersten Hengste der amerikanischen Percherons habe ich vor sieben Jahren in den USA gekauft", sagt Steffen Dittmar. Und vor vier Jahren kamen dann drei der jetzigen Mutterstuten, nämlich "Paris", "Porter" und "Pilsner" noch als Fohlen mit dem Flugzeug nach Deutschland. Dittmar hatte sie damals auf einem Gestüt der Amish People im US-Bundesstaat Wisconsin erworben. Die Amischen sind eine deutschstämmige Glaubensgemeinschaft, die in vielen US-Staaten siedelt, überwiegend Landwirtschaft betreibt und nach sehr traditionellen Regeln lebt - sie lehnen die Nutzung vieler moderner Erfindungen ab.

"Die Amischen sind die Herren dieser Zuchtlinie, sie sind überhaupt die besten Tierzüchter", sagt Steffen Dittmar. Er erinnert sich noch gerne an seinen Besuch bei den Amischen. "Der Bischof der Gemeinde hatte gerade erst erlaubt, dass sie Solarzellen auf ihren Dächern installieren dürfen, um ihre Handys aufzuladen", erzählt er. In einem Haus habe man ihn damals aufgefordert, Deutsch aus der Bibel vorzulesen.

Als Bierkutscher auch in den USA berühmt

Auf einer seiner USA-Reisen - natürlich ging's auch dabei um Bier und Pferde - hat Steffen Dittmar erfahren, dass er es auch in der dortigen Bierkutscher-Szene schon zu Prominenz gebracht hat. Damals war er zu Besuch in St. Louis. Der Brau-Gigant Anheuser-Busch braut dort in der größten Brauerei der Welt unter anderem sein weltberühmtes "Budweiser" - und zum Markenzeichen des "Bud" gehören auch Brauerei-Pferde. "Mitten auf dem Brauereigelände ist da eine riesige Pferdekoppel und die haben allein zehn Trucks zum Transport ihrer Pferde", erzählt Dittmar.

Und die Pferdeställe dort - der pure Luxus. "Boxen aus Mahagoni-Holz und mit farbigen Butzenfenstern", schwärmt Dittmar noch heute. Und ein Bierkutscher habe ihn bei seinem Brauereibesuch begrüßt: "Hey, Du bist hier eine Berühmtheit. Du bist doch der, der seine Pferde auch vor römische Streitwagen spannt", erzählt Dittmar. Solche etwa beim Fuhrmannstag in Kemnitz aufgenommenen Bilder schaffen es dank sozialer Medien auch bis in die USA. Dort entstehen auch die prächtigsten Geschirre für Brauereipferde. "Da habe ich mir schon ganze Containerladungen mit Ausrüstung schicken lassen", sagt Dittmar.

"Es tut der Seele gut"

Nach Berühmtheit strebt Steffen Dittmar nicht. "Es tut der Seele gut", erklärt er die Liebe zu seinen Brauerei-Pferden. Und er will die Tradition, das Bier mit der Kutsche auszufahren, unbedingt aufrechterhalten. "Lilly", "Luna", "Lui" und "Leo" werden bei der Traditionspflege helfen.

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