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"Schlechter Abend von Walddorf" vor Gericht

Drei Eibauer müssen sich wegen einer schweren Straftat vor dem Amtsgericht verantworten - das findet eine salomonische Lösung.

Symbolbild
Symbolbild © David-Wolfgang Ebener/dpa

Der Gefährliche Eingriff in den Straßenverkehr ist eine mitunter lebensbedrohliche und daher sehr schwere Straftat. Immer wieder kommen Menschen ums Leben oder werden schwerstverletzt, weil Täter Hindernisse auf Straßen bereiten oder etwa Gegenstände von Autobahnbrücken auf Autos herab werfen. Unter dieser Anklage standen nun drei Männer aus Eibau vor dem Zittauer Amtsgericht. Das fand am Ende eine weise und gerechte Lösung, die vor allem einem gerecht wurde: dem Opfer der Straftat.

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Zugetragen hatte sich der nun verhandelte Vorfall in einer Mainacht 2020 im Eibauer Ortsteil Walddorf. Den drei Männern - einem Vater samt Sohn und einem Nachbarn der beiden - warf die Anklage vor, einen vorüberfahrenden US-Sportwagen vom Typ Ford Mustang mit einem Gartenstuhl und einer Bierflasche beworfen, sowie das Auto mit einem Leitpfosten attackiert zu haben. Ein Unfall passierte dabei nicht, aber die Attacke habe einen Schaden von 3.750 Euro an dem Fahrzeug hinterlassen.

Einlassungen der Angeklagten unglaubwürdig

Der Sohn des einen Angeklagten schwieg zu den Vorwürfen, sein Vater aber gab unumwunden zu, jenen Leitpfosten vom Straßenrand herausgerissen und in den Händen gehabt zu haben. "Ich habe damit aber niemanden bedroht", sagte er vor Gericht. Der dritte Angeklagte bekannte, mit einer Bierflasche nach dem Ford Mustang geworfen zu haben - ohne die Absicht, irgendjemanden zu verletzen. Man habe in jener Nacht gemeinsam ein Bier in der Garageneinfahrt getrunken. Beide begründen ihre Aggression damit, dass jener Ford Mustang und ein weiteres Fahrzeug immer wieder mit lauter Musik und röhrendem Motor viel zu schnell die Straße hoch und runtergefahren seien und die Nachtruhe gestört hätten.

All diese Schilderungen der Angeklagten erwiesen sich in der Beweisaufnahme schnell als unwahr. Der Fahrer des Mustangs schilderte als Zeuge, dass er sich mit einem Kumpel - dem Besitzer des Autos - an jenem Abend mit zwei weiteren Freunden auf dem Parkplatz der Sprungschanze am Kottmar getroffen habe. Deshalb seien sie die Straße genau zweimal entlang gefahren - einmal bei der Auffahrt und dann auf dem Rückweg. Er sei auch nicht schnell durch die Siedlung gefahren. Plötzlich aber habe er auf dem Rückweg von der Schanze zwei "Einschläge" am Auto wahrgenommen und sofort angehalten. Neben dem Fahrzeug habe dann eine zerbrochene Bierflasche gelegen und eben ein Plaste-Kinderstuhl - wäre er schnell unterwegs gewesen, hätten diese Gegenstände nach jenem "Einschlag" etliche Meter hinter dem Auto gelegen. Im selben Moment hätte der angeklagte Vater angefangen, mit dem Leitpfosten Beulen ins Auto zu schlagen.

Richter baut die Goldene Brücke

Was in der Beweisaufnahme aber auch schnell klar wurde: Eine wirkliche Gefahr hatten die Angeklagten mit ihrem Handeln nicht herbeigeführt. Dennoch lief für den Vater und den Nachbarn alles auf eine Verurteilung hinaus. Und in diesem Moment baute Amtsrichter Holger Maaß den beiden eine Goldene Brücke. "Wenn Sie hier zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen verurteilt werden, bedeutet das für Sie, dass sie jeweils 3.000 Euro an die Staatskasse zahlen müssen", sagte er - und dann blieben noch die 3.750 Euro, die der geschädigte Mustang-Besitzer als Schadenersatz einfordern würde.

Maaß schlug dagegen vor, das Verfahren einzustellen unter der Auflage, dass jeder der beiden 1.900 Euro an den Geschädigten zahlt. Dass der Sohn jenen Plastik-Stuhl nach dem Auto geworfen hatte, schien wahrscheinlich, war aber nicht zweifelsfrei zu klären. Ihm schlug das Gericht vor, das Verfahren gegen eine Zahlung von 200 Euro an den Zittauer Tierpark zu beenden. Alle drei Angeklagten und die Staatsanwaltschaft willigten in diesen Vorschlag ein. "Dann verbuchen wir dieses Ereignis als einen schlechten Abend von Walddorf", sagte Maaß noch. Das Verfahren ist damit abgeschlossen.

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