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Warum jetzt auch noch die Eier teurer werden

Ein neues Tierschutzgesetz verbietet das Schreddern oder Vergasen von männlichen Küken. So gehen die Oberlausitzer Hühnerbauern damit um.

Von Romy Altmann-Kuehr
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Patrick Pietzschke betreibt in Schönbach einen Legehennenbetrieb. Ein paar Hähne leben auch bei ihm. Wegen eines neuen Tierschutzgesetzes sollen es bald mehr werden.
Patrick Pietzschke betreibt in Schönbach einen Legehennenbetrieb. Ein paar Hähne leben auch bei ihm. Wegen eines neuen Tierschutzgesetzes sollen es bald mehr werden. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

12.000 Legehennen gackern bei Patrick Pietzschke in Schönbach übers Gelände und im Stall. Ihre Eier verkauft der Landwirt im eigenen Hofladen, bei verschiedenen Verkaufsstellen und beliefert zudem große Märkte wie Rewe, Edeka und Kaufland. Unter dem Namen "Oberlausitz-Ei" sind die Eier der Schönbacher Hühner zu finden. Und die werden bald teurer - wie alle anderen Eier auch. Das hat mit einem neuen Tierschutzgesetz zu tun.

Bisher wurden in den Brutbetrieben männliche Küken der Legehühnerrassen gleich nach dem Schlüpfen getötet. Sie können ja keine Eier legen und sind damit als Legehühner quasi nutzlos. Denn als Fleischhühner eignen sich die Tiere der Rassen, die eher aufs Eierlegen spezialisiert sind, nicht unbedingt. "Sie wurden geschreddert oder vergast", schildert Patrick Pietzschke. Das hat er freilich nicht selbst praktiziert, denn Pietzschke hat einen reinen Legehennenbetrieb. Er kauft die Hennen aus Aufzuchtbetrieben im Alter von 17 Wochen auf.

Deutschland als Vorreiter im Tierschutz

Ab Januar 2022 ist das Kükentöten nun generell verboten. Deutschland ist damit weltweit Vorreiter und das erste Land, das diese Praxis verbietet. Nun gibt es mehrere Alternativen. So sind zum Beispiel bereits Methoden erforscht worden, das Geschlecht bereits im Ei festzustellen und die Eier mit männlichen Küken gar nicht erst ausbrüten zu lassen. Eine Alternative: Man könnte mehr Zweinutzungshühner züchten. Das sind Rassen, die sowohl für die Eierproduktion, als auch für die Fleischgewinnung geeignet sind. So können die Hähne gemästet und später zu Fleisch verarbeitet werden. Dafür eignen sich aber eben nur bestimmte Rassen und die legen weniger Eier, als reine Legehühnerrassen.

Bauer Pietzschke aus Schönbach hat sich für eine andere Variante, die sogenannte Bruderhahn-Aufzucht, entschieden. Das heißt: Die männlichen Küken der Legehennen bleiben am Leben und werden mit aufgezogen. Patrick Pietzschke muss nun, wenn er vom Brutbetrieb seine Legehennen kauft, zu jeder Henne einen Bruderhahn mit dazu nehmen. Weil Pietzschke aber keinen eigenen Stall hat, wo er sie unterbringen könnte, lässt er seine Hähne in einem Aufzuchtbetrieb aufziehen. Dort werden sie 14 Wochen aufgezogen und gefüttert - und dann erst geschlachtet und ihr Fleisch weiter verarbeitet. Allerdings ist der Ertrag dabei nicht sehr groß. So ein Hahn hat nur etwa 800 Gramm Fleisch, erklärt Pietzschke.

Supermärkte haben schon erhöht

Gegenüber dem, was er für die Aufzucht an Futter aufwenden muss, steht das in keinem guten Verhältnis. Finanziert werden muss die Aufzucht dennoch. "Das muss ich auf den Eier-Preis umlegen", so der Schönbacher Landwirt. Und nicht nur er - das betrifft alle Eierproduzenten. Pietzschke rechnet mit mindestens drei Cent mehr pro Ei. "Eine Zehnerpackung mit Bruderhahnaufzucht - also ohne Kükentöten - kostet dann 30 Cent mehr."

Discounter, Groß- und Supermärkte haben die Eier-Preise bereits erhöht. 1,59 Euro kostet beispielsweise bei Kaufland die Zehnerpackung der günstigsten Bodenhaltungseier, statt bisher 1,29 Euro. Auch im Hofladen verkauft Patrick Pietzschke selbst beide Sorten. "Die Bruderhahn-Eier werden auch gekauft, obwohl sie teurer sind", so seine Erfahrung.

Auch, wenn es nicht sehr üppig ist: Das Fleisch seiner Bruderhähne lässt Patrick Pietzschke weiterverarbeiten. Das wird in einer Großfleischerei erledigt. Hergestellt werden daraus zum Beispiel Salami, Bolognese und Frikassee. Das verkauft Patrick Pietzschke im Hofladen seines Betriebes. Die erste Lieferung ist inzwischen in Schönbach eingetroffen und steht im Regal. Verkauft wird das zunächst nur im Hofladen, der immer Sonnabend Vormittag geöffnet ist und auf den Wochenmärkten, die Pietzschke mit seinem Verkaufswagen anfährt - zum Beispiel in Neusalza-Spremberg und Bautzen. Auch diese Produkte sind etwas teurer, als andere. Eben, weil die Kosten für die Aufzucht der Hähne nicht in einem wirtschaftlichen Verhältnis zum Nutzen stehen. "Aber das Fleisch ist wirklich sehr lecker und geschmacksintensiv. Da schmeckt man schon einen Unterschied", sagt Pietzschke. Und es gehe ja eben auch um den Tierschutz.

Aus den Bruderhähnen werden zum Beispiel Bolognese und Frikassee hergestellt. Das gibt's unter anderem in Pietzschkes Hofladen.
Aus den Bruderhähnen werden zum Beispiel Bolognese und Frikassee hergestellt. Das gibt's unter anderem in Pietzschkes Hofladen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Schlechte Umweltbilanz für den Bruderhahn

Bei aller Tierliebe: Hiesige Eierproduzenten sehen die neue Regelung jedoch durchaus kritisch. Frank Zelyk, der im Bernstädter Ortsteil Kemnitz einen Landwirtschaftsbetrieb betreibt, unter anderem ebenfalls mit Legehennen, rechnet die schlechte Bilanz vor: "Der Futterverzehr eines Bruderhahns ist zweieinhalb Mal so groß wie der eines Masthähnchens", erklärt er. Denn sie setzen schlechter an. Zudem müssten Kapazitäten aufgestockt werden, um die zusätzlichen Tiere überhaupt unterzubringen, so Zelyk. "Das verbraucht Ressourcen. Da muss mit viel Energie Zement hergestellt werden, um Ställe zu bauen", nennt er ein Beispiel. Es gebe bereits Studien über die schlechte Umweltbilanz der Bruderhahnaufzucht, berichtet er. Die Alternativen seien hingegen auch nicht gerade günstig. Die Geschlechtsbestimmung im Ei können beispielsweise nur wenige, große Firmen. "Und damit wird die Vielfalt im Stall immer geringer", kritisiert Zelyk. "Alle haben dann die gleichen Hühner aus den vorsortierten Eiern."

Der Schönbacher Patrick Pietzschke will seine Bruderhähne in Zukunft selbst vor Ort aufziehen und nicht mehr an einen Aufzuchtbetrieb abgeben. Dieses Vorhaben ist aber noch in der Planungsphase.