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Sechs Nächte, acht Einbrüche

Eine Einbruchsserie in einer Neugersdorfer Wohnsiedlung beunruhigt Anwohner. Sie fragen: Was unternimmt die Polizei und hat sie überhaupt noch genügend Personal?

Der Garagenkomplex im Wohnviertel Martin-Luther-Straße.
Der Garagenkomplex im Wohnviertel Martin-Luther-Straße. © R. Altmann-Kühr

Nein, langsam ist es nicht mehr lustig, beklagen mehrere Anwohner in Neugersdorf. Garageneinbrüche, aufgebohrte Tanks und geklaute Nummernschilder - das alles spielte sich in einem kleinen Bereich um die Martin-Luther-Straße ab, innerhalb weniger Tage.

"Zehn Liter Benzin im Wert von etwa 15 Euro haben Diebe aus einem Renault an der Martin-Luther-Straße in Neugersdorf abgezapft. Sie bohrten zwei Löcher in den Tank", teilte die Polizei beispielsweise am 1. August mit. Der Sachschaden am Auto belaufe sich auf rund 200 Euro.

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Und eines Nachts wenige Tage später, wieder an der Martin-Luther-Straße, waren es 50 Liter Benzin, die Unbekannte aus einem Auto abzapften - Wert: 60 Euro. Am Auto hinterließen sie diesmal einen satten Schaden von 1.800 Euro, teilte die Polizei mit. Wieder war der Tank aufgebohrt worden.

Insgesamt hat es in wenigen Tagen in dem Wohngebiet und dem benachbarten Garagenkomplex zwei aufgebohrte Tanks gegeben, fünf Garagen wurden aufgebrochen und ein Mal Nummernschilder von einem Auto gestohlen.

Wie reagiert die Polizei?

Die Polizei bestätigt die geballten Vorfälle innerhalb einer Woche. Der Kriminaldienst ermittelt, so Polizeisprecher Sebastian Ulbrich von der Polizeidirektion Görlitz. Zum Stand der Ermittlungen könnten aber noch keine Auskünfte gegeben werden.

Was die Anwohner vor allem umtreibt: Warum hat denn niemand etwas bemerkt? Das Viertel ist nicht abgelegen. Die Garagensiedlung - ein Komplex aus DDR-Zeiten, wie es sie vielerorts noch gibt - steht mitten in einem Wohngebiet, umringt von Häusern. Und: Wenn es so viele Vorfälle gibt, müsste doch auch die Polizei aufmerksam werden.

Die reagiert durchaus in solchen Fällen, wenn sich Einbrüche oder andere Delikte in einem Gebiet häufen, sagt der Polizeisprecher der Görlitzer Direktion. "Die Polizei reagiert mit einer verstärkten Bestreifung der Örtlichkeiten und nimmt diese als Schwerpunkt in polizeiliche Sondereinsätze auf", so Sebastian Ulbrich.

Inzwischen, so teilt der Sprecher auf Nachfrage der SZ mit, werde auch der Bereich der Neugersdorfer Martin-Luther-Straße im Rahmen des täglichen Dienstes immer mal wieder bestreift. Allerdings in unregelmäßigen Abständen.

Polizei hat keine Nachwuchssorgen

Vermutungen von Anwohnern die Polizei habe nicht genügend Personal, um solche Schwerpunkte regelmäßig zu kontrollieren, dementiert die Polizeidirektion Görlitz. "Es wird doch nur noch auf die Polizei geschimpft, die sozialen Medien sind voll davon. Also welcher Jugendliche sollte sich unter diesen Umständen noch freiwillig dazu entscheiden, eine solche Ausbildung zu machen?", schreibt zum Beispiel eine Nutzerin auf Facebook im Zusammenhang mit den Einbrüchen von der Martin-Luther-Straße.

Bei der Polizei sieht man da keine Probleme: Die sächsische Polizei habe keine Nachwuchssorgen, heißt es. Und auch, wenn die Auseinandersetzungen, zum Beispiel bei Corona-Demonstrationen, mitunter ein anderes Bild vermitteln: Der Polizeiberuf sei nach wie vor hoch angesehen, so Polizeisprecher Ulbrich. Das würden die Kollegen bei ihren täglichen Einsätzen und im Gespräch mit Bürgern so wahrnehmen. Und auch das Interesse von jungen Leuten, diesen Beruf zu ergreifen, sei ungebrochen.

Wieder Diebstähle am Wochenende

Gerade in der aktuellen Pandemie-Situation sei es der Mehrheit der Einwohner in Sachsen wichtig, "dass Regeln für ein weitgehend normales Leben aufgestellt werden und dass diese Regeln von allen eingehalten werden". Die Polizei stehe letztlich dafür, diese Regeln auch durchzusetzen. "Dafür erfahren wir in der Breite der Bevölkerung weiterhin große Unterstützung."

Die Diebstahlserie in der Grenzregion reißt indessen nicht ab. Erst am Wochenende wurden wieder Fahrzeuge gestohlen - teils am helllichten Tag. Im Ebersbacher Gewerbegebiet verschwand von einem Parkplatz ein Moped. In Großschönau wurde mitten am Tag ein Auto aufgebrochen, wenig später ein teures Fahrrad gestohlen.

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