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Wird das Stad'l abgerissen?

Hinter "Stadt Zittau" in Neugersdorf wollen Edeka und Aldi neu bauen. Nach bisherigen Plänen wäre der Tanzsaal im Weg. Noch können sich Einwohner einmischen.

Noch ist das Gelände hinter "Stadt Zittau" eine Brachfläche.
Noch ist das Gelände hinter "Stadt Zittau" eine Brachfläche. © Matthias Weber

Disko-Abende, Abibälle, Frauentagspartys, Konzerte: Für viele Oberländer ist das "Stad'l" ein fester Bestandteil ihrer Jugend. Es gibt wohl kaum einen Neugersdorfer, der hier nicht irgendwann in den vergangenen Jahrzehnten mal das Tanzbein geschwungen hat. In den letzten Jahren wurden die Veranstaltungen allerdings seltener - die große Disko-Ära ist offenbar vorbei. Nur noch sporadisch finden hier Partys statt. Und das könnte bald sogar ganz vorbei sein. Dem Stad'l-Saal droht der Abriss. 

Das geht jedenfalls aus den Planzeichnungen hervor, die jetzt für das geplante neue Einkaufszentrum auf dem alten Sportplatz hinter dem Veranstaltungshaus "Stadt Zittau" veröffentlicht worden sind. Auf der Homepage der Stadt sind sie einsehbar. Noch ist zwar alles in der Genehmigungsphase und nichts endgültig entschieden, erklärt Stadt-Bauamtsleiter Matthias Lachmann. Auch gebe es noch keinen konkreten Abrissantrag dazu. Das kann auch erst dann geschehen, wenn der Bebauungsplan für das Areal beschlossen worden ist. 

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Plan ist noch nicht genehmigt

Der aktuelle Stand der Dinge: Die Stadt hat einen ersten Entwurf für einen Bebauungsplan des Gebietes Hauptstraße/Rudolf-Breitscheid-Straße ausgearbeitet. Dazu können sich nun verschiedene Stellen und Behörden äußern, bevor der Stadtrat ihn beschließen kann. Und auch Einwohner haben die Möglichkeit, ihre Meinung dazu zu äußern. Sie können sich auch die Pläne ansehen. Noch bis zum 9. Oktober ist das möglich und jeder kann in dieser Zeit dazu Stellungnahmen abgeben. Diese müssen dann bei der Entscheidung herangezogen und abgewogen werden. Die Unterlagen zu dem Bauvorhaben liegen derzeit im Bauamt öffentlich aus.

Fest steht: Um das Einkaufszentrum so wie bisher geplant bauen zu können, müsste der Tanzsaal von Stadt Zittau abgerissen werden. Denn dort, wo jetzt noch der Saal steht, soll eine Lieferzufahrt zum künftigen Aldi entlang führen. Die Terrasse vom Eiscafé wäre allerdings nicht betroffen. Sie liegt außerhalb des Baubereiches, bestätigt Lachmann. 

Das sind die Pläne für das neue Einkaufszentrum mit Aldi und Edeka.
Das sind die Pläne für das neue Einkaufszentrum mit Aldi und Edeka. © Planungsbüro Bothe

Warum wollen die Märkte noch größer werden?

Die BBE Handelsberatung, eine Fachfirma aus Leipzig, hat ein Gutachten zu den Plänen von Edeka und Aldi angefertigt und die Lage analysiert. Was bedeutet der Neubau für die Stadt und das Umfeld? Was verbessert sich dadurch? Diese Fragen soll die Stellungnahme der Handelsexperten klären. 

Beide Märkte - Aldi und Edeka - gibt es in Neugersdorf bereits. Sie wollen sich nun vergrößern. An den bisherigen Standorten ist das nicht möglich. Edeka Nordbayern/Sachsen/Thüringen ergriff die Initiative und ist Bauherr des neuen Centers. Edeka selbst will sich von knapp 1.000 Quadratmetern auf über 2.000 vergrößern. Der Aldi-Markt soll künftig statt jetzt rund 740 Quadratmetern am neuen Standort über 1.000 Quadratmeter groß sein. Warum aber ist diese Vergrößerung überhaupt nötig? 

Supermärkte und Discounter hätten in den letzten Jahren kontinuierlich ihr Angebot und Erscheinungsbild geändert, schreibt die BBE dazu in ihrem Gutachten. Das Sortiment sei breiter, vor allem bei der Frischware wurde aufgestockt. Die Supermärkte würden verstärkt auf Bio, Regionales und Gesundheit setzen, während die Discounter ihr Frische- und Markenangebot ausgebaut haben. Damit gehe einher, dass mehr Platz gebraucht wird, um die Waren ordentlich zu präsentieren.

Generell sehen die Fachleute das Einkaufszentrum in dem Bereich gut aufgehoben, denn entlang der Hauptstraße gibt es weitere Einzelhändler und Geschäfte. Die nahe Kirche, das Eiscafé und zwei Restaurants, die Sparkasse in unmittelbarer Nachbarschaft, das Sanitätshaus in der Nähe - all das macht aus Sicht der BBE das Areal zu einem kleinen Zentrum in Neugersdorf. Das Gelände ist gut zu erreichen - auch zu Fuß. 

Experten rechnen mit weniger Umsatz für Kaufland

Verbessern  soll sich laut der Expertenanalyse vor allem die Anfahrtssituation an dem neuen Standort. Vor allem im Spreequellcenter, wo derzeit noch Aldi ist, gehe es eng zu. 162 Stellplätze für Autos soll es künftig am neuen Einkaufszentrum laut den Plänen geben. Der Parkplatz soll sowohl von der Hauptstraße, als auch von der Rudolf-Breitscheidstraße angefahren werden können. 

Die Handelsexperten rechnen auch damit, dass am neuen Standort künftig mehr Umsatz gemacht wird. Denn, obwohl beide Märkte bereits im Ort ansässig sind, werden sie dann mehr Waren anbieten können. Was die Konkurrenz mit anderen Märkten und Geschäften betrifft, sieht die BBE die Auswirkungen auf Kaufland im Oberland am stärksten. Die beiden neuen Märkte zusammen werden dann etwa eine vergleichbare Verkaufsfläche haben wie der große Supermarkt, so die Analyse. Weil Kaufland genau zwischen den Ortsteilen Ebersbach und Neugersdorf liegt, fahren hierher natürlich auch viele Neugersdorfer zum Einkaufen. Die Handelsexperten rechnen daher mit einem Umsatzrückgang für Kaufland, wenn das neue Einkaufszentrum mit den beiden größeren Märkten in Neugersdorf kommt. Denn auch Edeka setzt wie Kaufland aufs Vollsortiment und wird das noch vergrößern können. 

Große existenzielle Probleme sollte das für Kaufland aber nicht nach sich ziehen, heißt es in dem Gutachten. Schließlich ist das Einzugsgebiet des Marktes groß und auch aus zahlreichen Orten im Umland kommen Kunden hierher. 

Insgesamt kommt das Gutachten zu dem Schluss, dass sich die Versorgung in Neugersdorf durch den Neubau verbessern und das Stadtzentrum aufgewertet wird. Das Gutachten und weitere Unterlagen zu den Bauplänen von Edeka und Aldi sind nicht nur bei der Stadt, sondern auch auf dem Beteiligungsportal des Freistaats im Internet einsehbar. Dort können Stellungnahmen direkt online abgegeben werden. 

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