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"Lehrkrankenhaus ist eine große Chance"

Großschweidnitz darf jetzt Studenten im praktischen Jahr ausbilden. MP Kretschmer verlieh den Titel nun offiziell. Was das für die Oberlausitz bringen kann.

Besuch des Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Mitte) im Fachkrankenhaus Großschweidnitz. Er überbrachte am Donnerstag den leitenden Ärzten den Titel "Akademisches Lehrkrankenhaus".
Besuch des Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Mitte) im Fachkrankenhaus Großschweidnitz. Er überbrachte am Donnerstag den leitenden Ärzten den Titel "Akademisches Lehrkrankenhaus". © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Eine junge Frau ist bereits da und absolviert ihr praktisches Jahr in Großschweidnitz. Seit wenigen Monaten hat das Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie den Titel "Akademisches Lehrkrankenhaus" der TU Dresden. Am Donnerstag hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer nun den Titel auch ganz offiziell verliehen. Wegen Corona wurde der Besuch bis jetzt verschoben.

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Als Lehrkrankenhaus darf Großschweidnitz jetzt Medizinstudenten in den Wahlfächern Psychiatrie und Neurologie in ihrem sechsten - dem letzten Studienjahr - für ihr praktisches Jahr aufnehmen. Das praktische Jahr ist der letzte Abschnitt des Medizinstudiums. Dann haben die Studenten die Theorie-Ausbildung hinter sich und lernen in der Praxis verschiedene Bereiche kennen. "Anfragen von Studenten fürs praktische Jahr hatten wir zuvor schon", erzählt Dr. Loretta Farhat, die ärztliche Direktorin des Fachkrankenhauses Großschweidnitz. "Wir durften sie aber nicht annehmen." Denn der offizielle Status ist Voraussetzung dafür. Dazu muss die Klinik sich bei der entsprechenden Partner-Universität bewerben. Im Großschweidnitzer Fall ist das die TU in Dresden.

Riesenchance auf Akademiker-Nachwuchs

Dass es nun schon mit einer Studentin geklappt hat, darüber ist Dr. Loretta Farhat sehr froh. Denn die Psychiatrie, sagt sie, hat es nicht leicht, Ärztenachwuchs zu finden. "Das Fachgebiet ist nicht das beliebteste", hat sie festgestellt. Auch, um das zu ändern, hat sich das Großschweidnitzer Fachkrankenhaus um den Titel "Akademisches Lehrkrankenhaus" beworben. "Wir wollen unser Wissen weitergeben und die jungen Leute für unser vielseitiges Fachgebiet begeistern", so die Klinikleiterin.

Dieses Engagement lobt auch der Ministerpräsident. "Es war ein langer Weg für das Fachkrankenhaus Großschweidnitz diesen Titel zu bekommen", sagt Michael Kretschmer. Er selbst hat die Bemühungen der Großschweidnitzer unterstützt. "Weil das für uns eine Riesenchance ist, junge Akademiker in unsere Oberlausitz zu bekommen", begründet er seine Motivation. "Wir wissen: Wer einmal eine Weile hier gelebt und gearbeitet hat, der bleibt in den allermeisten Fällen." Das Krankenhaus biete beste Bedingungen für junge Ärzte und die Region sei sowieso schön. Um das zu erkennen, müssten die jungen Leute aber eben erst einmal herkommen. Dabei helfe der Titel als Lehrkrankenhaus auf jeden Fall.

Dass es nun für das Fachkrankenhaus geklappt hat, liege unter anderem auch an der Leitung und dem Team, sagt Kretschmer. Bei seinem Besuch habe er einen tollen Teamgeist gespürt.

Anderthalb Jahre hat der ganze Prozess gedauert, von der Bewerbung bis zur Verleihung des Titels, erzählt Loretta Farhat. Bereits vor zehn Jahren hatte sich Großschweidnitz schon einmal bei der TU Dresden beworben. "Damals wurden wir abgelehnt. Wir haben das aber nie aus den Augen verloren und es noch mal versucht."

Auch Ärzte haben sich weitergebildet

Sebastian Spirling ist Chefarzt der Forensik und verantwortlich für das praktische Jahr. Die Studenten bleiben innerhalb ihres praktischen Jahres in der Regel jeweils vier Monate in einem Krankenhaus, erklärt er den Ablauf. Dann wechseln sie in einen anderen Fachbereich.

Kapazitäten hat das Fachkrankenhaus für vier Studenten pro Durchgang. Das Fachkrankenhaus hat vier Kliniken - für Psychiatrie, für Neurologie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Forensische Psychiatrie. "Im Prinzip können wir also pro Klinik einen Studenten im praktischen Jahr betreuen", so Dr. Spirling. "Sie bekommen jeweils einen Mentor zur Seite gestellt", erklärt er. Dafür haben er, Frau Farhat und zwei weitere leitende Ärzte vom Großschweidnitzer Krankenhaus sich extra weitergebildet. "Da lernt man die Methodik, also, wie man Wissen weitergibt", so Spirling. Die Studenten sind vollständig in den Krankenhausalltag eingebunden, arbeiten am Patienten. "Aber immer unter Aufsicht und Betreuung", betont Dr. Spirling. "Sie dürfen natürlich noch keine Entscheidungen allein treffen."

Diese intensive Betreuung wissen die Studenten zu schätzen. Bisher hat das Krankenhaus bereits Famulanten betreuen dürfen. Das sind Medizinstudenten in niedrigeren Studienjahren, die ein Praktikum absolvieren. Sie durfte das Krankenhaus auch ohne den Titel "Lehrkrankenhaus" annehmen. "Von den Famulanten haben wir nur positive Rückmeldungen bekommen. Viele haben uns gesagt, so eine intensive Betreuung hätten sie noch nirgends erlebt", erzählt Dr. Farhat stolz.

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