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Wenn der Jugendtreff im Dorf fehlt

Im Oberland gibt es zu wenige Freizeitmöglichkeiten, ergab eine Umfrage unter Familien. In Oppach wollen zwei Jungs das jetzt auf eigene Faust ändern.

Oft weichen die Jugendlichen auf die Spielplätze aus, um sich zu treffen - keine optimale Lösung. In Oppach gibt es jetzt eine Initiative für einen neuen Jugendklub.
Oft weichen die Jugendlichen auf die Spielplätze aus, um sich zu treffen - keine optimale Lösung. In Oppach gibt es jetzt eine Initiative für einen neuen Jugendklub. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Tischtennis, Billiard spielen oder einfach chillen - Moritz und Paul vermissen in ihrem Heimatort einen Platz, wo sie sich mit anderen Jugendlichen treffen können. Die beiden 13-Jährigen leben in Oppach. Was die beiden Jungs aus Oppach unter den Nägeln brennt, beschäftigt auch viele andere im Oberland: Es gibt zu wenige Freizeitmöglichkeiten. Das geht zumindest aus der Umfrage zum Familienkompass der SZ hervor. SZ wollte wissen: wo lebt es sich am Besten, wo sind die Menschen in Sachsen am zufriedensten. Hier konnten Leser ihr Wohnumfeld bewerten. Der Bereich Freizeit schneidet dabei vor allem im Oberland nicht gut ab. 

In Sachen Freizeitmöglichkeiten bekommt die Region zwischen Seifhennersdorf und Oppach nur die Schulnote 3,4. Ausgenommen ist hier die Stadt Ebersbach-Neugersdorf, sie wurde separat bewertet. Die Gemeinden, die in die Oberland-Bewertung mit hineinzählen sind: Seifhennersdorf, Leutersdorf, Neusalza-Spremberg, Oppach, Dürrhennersdorf, Beiersdorf und Schönbach.  

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Die beiden jungen Oppacher Moritz und Paul wollen das Angebot an Freizeitmöglichkeiten jedenfalls für ihren Wohnort jetzt verbessern. Die beiden pfiffigen Jungs haben die Initiative ergriffen und an die Bürgermeisterin geschrieben. Sie baten darum, ihre Ideen dem Gemeinderat vorstellen zu dürfen. "Da habe ich sie natürlich eingeladen", so Bürgermeisterin Sylvia Hölzel (parteilos). Sie freue sich, dass Jugendliche etwas bewegen wollen für ihre Generation. "Es ist wichtig, dass wir die Jugend aktiv werden lassen und mitnehmen."  Nur, wenn man den jungen Leuten zuhört und sie ernst nimmt, könne man Politikverdrossenheit entgegenwirken. 

Vor Kurzem hatten Moritz und Paul nun ihren großen Auftritt vor dem Gemeinderat. Sie haben genaue Vorstellungen. "Wir wollen einen Treff speziell für Jugendliche, ohne kleine Kinder und ohne Erwachsene", sagen sie. Neben Spielmöglichkeiten wie Tischtennis oder Billiard oder einen Basketballkorb wünschen sie sich ein Sofa zum Faulenzen und vor dem Klub im Freien eine Sitzecke für die Sommerabende.  "Wir wollen einen Ort, wo wir uns treffen können", sagen sie. 

Einen Jugendklub gab es vor Jahren schon einmal in Oppach, in einer Baracke an der Kastanienallee. Der ist aber längst geschlossen. In den vergangenen Jahren habe es dann außerdem immer wieder Bemühungen gegeben, einen Jugendtreff zu schaffen, berichtet Bürgermeisterin Sylvia Hölzel. Aber es sei immer wieder gescheitert, auch an Mitstreitern. Und auch ganz ohne Erwachsene wird es nicht gehen, stellt die Bürgermeisterin klar. Und auch andere Gemeinderäte haben die Jungs darauf hingewiesen, dass jemand sich um den Klub kümmern muss. Wer hält das sauber? Wer übernimmt die Verantwortung? Diese Fragen stellten die Gemeinderäte an Paul und Moritz. "Wir erklären uns auf jeden Fall bereit, mit anzupacken und uns um Ordnung und Sauberkeit zu kümmern", versichern sie.  

So haben Familien im Oberland bewertet:

© SZ Grafik
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Alle stehen der Idee aber offen gegenüber, loben das Engagement der Jugendlichen und wollen es unterstützen - allen voran die Bürgermeisterin. "Ich möchte gemeinsam mit den Jugendlichen nach Lösungen suchen", sagt Sylvia Hölzel. "Ich will nichts auf dem Tablett präsentieren." Denn sie ist der Meinung, wenn die Jugendlichen selbst etwas erarbeitet und geschaffen haben, wird es auch wertgeschätzt und gepflegt. 

Wichtig sei es nun auch, Erwachsene zu finden, die sich da einbringen und den Klub mit betreuen. Das könne aber nur auf ehrenamtlicher Basis organisiert werden. Die Gemeinde habe jedenfalls kein Personal zur Verfügung und auch kein Budget im Haushalt, um eine Betreuungsperson zu bezahlen. 

Genau anders herum stellt sich das Problem in Seifhennersdorf dar, wie Bürgermeisterin Karin Berndt (UBS) schildert. "Wir haben eine Skaterhalle und einen Jugendklub, aber kein Personal dafür", beklagt sie. Die Stadt könne es sich jedenfalls nicht leisten, jemanden dafür einzustellen. Früher habe man das mit den sogenannten ABM-Kräften bestritten. "Die gibt es aber nicht mehr." Und auch nicht jeder sei dafür einsetzbar. Schon mehrfach habe sie beim Landkreis angemahnt, dass es mehr Zuschüsse für die Jugendarbeit geben müsse. "Aber es gibt für diesen Bereich kaum noch Geld. Das ist wirklich eine Schande." 

Die Skaterhalle in Seifhennersdorf.
Die Skaterhalle in Seifhennersdorf. ©  Rafael Sampedro

In Oppach hoffen Paul und Moritz nun auf eine längerfristige Lösung. Mit ihrem Engagement ist der Stein erst einmal ins Rollen gebracht. Sie haben nun von der Bürgermeisterin eine Aufgabe bekommen: Sie sollen weitere Mitstreiter suchen und auch Erwachsene, die sich bereit erklären, dort die Betreuung und Aufsicht zu übernehmen. Für Ende November sollen sie sich dann einen Termin mit der Rathauschefin vereinbaren. "Dann möchte ich wissen, wie der Stand der Dinge ist und wen sie noch dafür gewinnen konnten", so Frau Hölzel. Die Gemeinderäte wollen in der Zwischenzeit auch überlegen, wo ein geeigneter Platz für einen Jugendklub wäre. 

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