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Doppeltes Familienglück

Zwei Oberlausitzer wollten mit ihren Kindern nicht länger in Dresden leben. Sie zogen in ein besonderes Wohnprojekt in Großschweidnitz - ein Glücksgriff.

Stefanie und Marcel Fischer mit ihrem jüngsten Sohn Bruno. Die junge Familie lebt seit einigen Monaten im neu entstandenen Familienwohnpark in Großschweidnitz und fühlt sich dort sehr wohl.
Stefanie und Marcel Fischer mit ihrem jüngsten Sohn Bruno. Die junge Familie lebt seit einigen Monaten im neu entstandenen Familienwohnpark in Großschweidnitz und fühlt sich dort sehr wohl. © Matthias Weber/photoweber.de

Klein-Bruno blinzelt in die Sonne. Schnell ein verschmitztes Lächeln für die Kamera, dann will der Kleine lieber wieder ins Planschbecken. Das steht im Garten am ehemaligen Gasthaus "Sächsischer Hof". Wo man einst am Stammtisch zusammensaß, wohnen jetzt Familien. Nach einigen Querelen um das Haus, dessen früherer Besitzer die Großschweidnitzer oft in Angst und Schrecken versetzte, weil er zum Beispiel Unrat auf dem Grundstück verbrannte, ist endlich wieder Leben im denkmalgeschützten Haus.

Stefanie und Marcel Fischer mit ihren Söhnen Bruno und Carlo gehören zu den vier Familien, die inzwischen im neuen Familienwohnpark eingezogen sind. Insgesamt entstehen sechs familientaugliche Wohnungen in dem ehemaligen Gasthof mitten in Großschweidnitz. Zwei werden Mitte Juli noch fertig, sagt Bauherr Thomas Wockatz. Der Beiersdorfer hatte den früheren Gasthof in einer Versteigerung erworben und im vorigen Jahr mit der Sanierung begonnen. Auch für die beiden Wohnungen, die jetzt kurz vor der Fertigstellung stehen, hat Wockatz bereits Mieter. Das Interesse an seinen Wohnungen war riesig, erzählt er. "Ich konnte aus rund 50 Bewerbern auswählen." Er habe die Mieter so ausgesucht, sagt er, dass die Hausgemeinschaft zusammenpasst. Ihm war wichtig, dass hier Familien mit Kindern ein schönes zu Hause finden. Das ist ihm gelungen, alle Familien haben kleine Kinder und verstehen sich bestens.

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Im Garten gibt es jetzt ein kleines Spielparadies mit Spielgeräten und sogar einen Pool. "Jeder hat etwas beigesteuert, alle nutzen den Garten gemeinsam", erzählt der Vermieter. Auch Familie Fischer ist begeistert. "Wir sitzen gemeinsam im Garten, die Kinder sind mal bei der einen, mal bei der anderen Familie." Sie und ihr Mann schätzen dieses Miteinander sehr. Denn sie haben auch das Gegenteil erlebt. Beide stammen aus der Oberlausitz, sie aus Löbau, er aus Görlitz. In den vergangenen Jahren lebten sie in Dresden." In Dresden war alles sehr anonym", erzählt die 39-Jährige.

Nach Familiengründung zurück in die Oberlausitz

In die Landeshauptstadt ging Stefanie Fischer nach der Ausbildung, weil sie in der Oberlausitz damals keinen Job fand. Nach der Familiengründung war das Ehepaar auf der Suche nach einer größeren Wohnung mit vier Zimmern. Und musste feststellen: In der Landeshauptstadt ist es aussichtslos, etwas Bezahlbares in dieser Größenordnung zu bekommen. Also entschieden sie sich, wieder in die Heimat zurückzukehren und aufs Land zu ziehen. Ein Entschluss, den sie nicht bereut haben. Die Wohnung in Großschweidnitz war ein echter Glücksgriff für die Familie - in doppelter Hinsicht. Denn bei der Wohnungsbesichtigung fand die junge Mutter auch gleich einen neuen Job in der Region.

Eine Verwandte wusste von Fischers Rückkehrplänen. Sie hatte die Baustelle in Großschweidnitz entdeckt, daraufhin hatte sich die Familie mit Bauherr und Vermieter Thomas Wockatz zu einer Besichtigung verabredet. Die Entscheidung fiel sofort, denn in das Haus und das Wohnkonzept haben sich Fischers auf Anhieb verliebt. "Das ist schon ungewöhnlich", sagt Thomas Wockatz. Die meisten würden sich etwas Bedenkzeit erbeten und zumindest vor der Entscheidung eine Nacht drüben schlafen. "Aber da gab es nichts zu überlegen", sagt Stefanie Fischer.

Job und Wohnung an einem Tag gefunden

Und es kam noch besser. Mieter und Vermieter kamen ins Gespräch darüber, was Fischers denn beruflich planen, wenn sie in die Oberlausitz zurückkehren. Stefanie Fischer war da gerade noch in Elternzeit mit dem jüngeren ihrer beiden Söhne. Sie erzählte, dass sie Kosmetikerin sei und sich eine neue Arbeitsstelle in der Gegend suchen wolle. Thomas Wockatz: "Da dachte ich: Das gibt's doch gar nicht!" Denn das Kosmetikinstitut Panitz in Löbau, das seinem Bruder mit gehört, suchte gerade eine neue Mitarbeiterin. Und so konnte Wockatz seiner neuen Mieterin gleich auch einen Job vermitteln. "Wir sind dann im Anschluss noch nach Löbau gefahren und haben uns das angesehen", erzählt Stefanie Fischer. Und auch hier wurde man sich gleich einig. So hatte die junge Frau innerhalb eines Tages Job und Wohnung in der neuen, alten Heimat sicher. Ihr Mann Marcel arbeitet bei den Dresdner Verkehrsbetrieben und pendelt weiterhin, teilweise kann er auch von zu Hause aus arbeiten.

Stefanie Fischer arbeitet im Kosmetikinstitut Panitz in Löbau. Ihr Vermieter Thomas Wockatz konnte ihr den Job vermitteln.
Stefanie Fischer arbeitet im Kosmetikinstitut Panitz in Löbau. Ihr Vermieter Thomas Wockatz konnte ihr den Job vermitteln. © Matthias Weber

Noch mehr Wohnungen im Familienpark

Im Oktober zog die Familie in Großschweidnitz ein und Stefanie Fischer startete ihren neuen Job in Löbau. Leider nicht für lange, denn der Lockdown zwang das Kosmetikinstitut wie alle anderen auch zur vorübergehenden Schließung. Die Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit. Inzwischen konnte das Kosmetikinstitut wieder starten. Stefanie Fischer hat in der Zwischenzeit eine Qualifikation als Ausbilderin absolviert. Weil es in der Branche keine Meisterqualifikation gibt, ist das die Voraussetzung, um ausbilden zu dürfen. Ab August kann das Kosmetikinstitut nun erstmals eine Auszubildende beschäftigen.

Zukunftspläne gibt es auch für den Familienwohnpark in Großschweidnitz. Demnächst sollen auf der Rückseite des Hauses noch Balkone angebaut werden. Darauf freut sich Stefanie Fischer schon riesig. Im Keller des Hauses sollen ein Gemeinschaftsraum und eine Sauna eingerichtet werden.

Und Bauherr Thomas Wockatz plant noch mehr, will den Wohnpark noch erweitern. Er möchte eine Scheune auf dem Grundstück ausbauen. Dort sollen zwei weitere Wohnungen entstehen. Inzwischen hat er die Baugenehmigung für das Vorhaben bekommen und hat Fördermittel übers Denkmalschutzprogramm beantragt. Nächstes Frühjahr will er mit dem Ausbau loslegen.

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