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Warum die Feuerwehren oft umsonst kommen

Fast 200 Mal im Jahr rücken Feuerwehren im Landkreis Görlitz wegen Fehlalarmen aus - so auch in Löbau. Und das kann sehr teuer werden.

Von Markus van Appeldorn
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Wieder mal musste die Löbauer Feuerwehr zu einem Fehlalarm in die Äußere Bautzner Straße ausrücken.
Wieder mal musste die Löbauer Feuerwehr zu einem Fehlalarm in die Äußere Bautzner Straße ausrücken. © Markus van Appeldorn

Die Bewohner der Häuserzeile an der Äußeren Bautzner Straße in Löbau sind die Szene, die sich zuletzt vor zwei Wochen abspielte, schon einigermaßen gewohnt. Die Feuerwehr rückt an - und nach wenigen Minuten stellt sich heraus: Es war ein Fehlalarm. Gott sei Dank zwar, aber wieder einmal. Als SZ über den jüngsten Vorfall berichtete, merkte ein Leser bei Facebook an, dass dies bereits der fünfte oder sechste Fehlalarm in der Häuserzeile in den letzten zwei Jahren war. Und solche Fehlalarme von Brandmeldeanlagen sind ein häufiges und lästiges Problem für die Feuerwehren im gesamten Landkreis.

Kreisbrandmeister Björn Mierisch führt zwar persönlich nicht Buch darüber, kann die Zahl solcher Einsätze aber recht genau benennen. "Die Feuerwehren im Kreis fahren täglich fünf bis acht Einsätze und ungefähr jeden zweiten Tag ist einer wegen eines Fehlalarms einer Brandmeldeanlage dabei", sagt er - das wären demnach jährlich gut 180 Einsätze dieser Art. Und: "99 Prozent aller dieser Alarmierungen sind Fehlalarme", erklärt Mierisch. Es handele sich dabei um technische Defekte oder auch, dass Staub sich in einem Rauchmelder angesammelt hat. "Selbst eine Fliege kann so einen Fehlalarm auslösen", sagt Mierisch.

Viele Meldeanlagen im Kreis

Die Zahl solcher Brandmeldeanlagen sei im Landkreis relativ hoch. "Die Bauordnung schreibt vor, welche Gebäude Sondereinrichtungen sind und mit solchen Brandmeldeanlagen ausgestattet werden müssen", sagt der Kreisbrandmeister - das seien etwa Kliniken, Pflegeheime, öffentliche Gebäude und zahlreiche Industriebauten. Diese Brandmeldeanlagen sind direkt auf die Feuerwehr aufgeschaltet - die wird also automatisch alarmiert, wenn so eine Meldeanlage auslöst. "Der Betrieb einer solchen Anlage ist richtig teuer, alleine schon wegen einer redundanten Telefonleitung. Manche Betreiber bezahlen dafür alleine 500 Euro im Monat an die Telekom", sagt Mierisch.

Teuer kann's auch mitunter werden, wenn die Feuerwehr zu einem Fehlalarm ausrücken muss. "Die Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, dem Betreiber einer solchen Brandmeldeanlage die Kosten für einen Fehlalarm-Einsatz in Rechnung zu stellen", sagt Björn Mierisch. In Löbau etwa ist das in der "Satzung zur Regelung des Kostenersatzes für Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr der Großen Kreisstadt Löbau" festgeschrieben. Dort heißt es: Zum Kostenersatz verpflichtet ist "der Betreiber einer automatischen Brandmeldeanlage, wenn durch die Anlage ein Fehlalarm ausgelöst wird".

Was so ein Fehlalarm kosten kann

"Da können ganz schnell 500 Euro oder mehr zusammenkommen", sagt Mierisch. In Rechnung gestellt wird die Zeit der eingesetzten Feuerwehrkameraden und der Einsatz von Fahrzeugen oder anderer Ausstattungsgegenstände der Wehren. Die Löbauer Satzung etwa berechnet für die Einsatzkräfte 19,08 Euro pro Stunde, die Drehleiter kostet 86,60 Euro die Stunde, am teuersten ist der Einsatz eines sogenannten "Hilfeleistungslöschfahrzeugs" (89,56 Euro). Abgerechnet wird laut Satzung aber nicht pro angefangener Stunde, sondern minutengenau.

Ulrich Wustmann, Geschäftsführer der stadteigenen "Wohnungsverwaltung und Bau GmbH" (Wobau), bestätigt die hohe Zahl der Fehlalarme in der frisch sanierten Häuserzeile an der Äußeren Bautzner Straße. Das Unternehmen sei deswegen aber noch nie zur Kasse gebeten worden. Möglicherweise, weil die Brandmeldeanlage in den Häusern im Grunde genommen völlig korrekt auslöst. "Die Melder der Anlage sind sehr sensibel. Da kann es reichen, dass jemand sein Schnitzel anbrennen lässt, damit der Alarm ausgelöst wird", erklärt er. Dennoch will er dem Problem abhelfen. "Wir überlegen, Brandmelder eines anderen Typs einzubauen, sogenannte Thermomelder", sagt er. Das ginge aber erst, nachdem die Garantie der derzeit installierten Melder abgelaufen sei.