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"Giftauto": Anwalt will Gutachter laden

Gerlind Nitzsche ist entsetzt von der Auffassung des Richters zu einem Gutachten. Nun soll der Experte es selbst erklären.

Gerlind Nitzsche mit ihren Söhnen Robin (l.) und Henrik vor dem Auto, das sie in Lebensgefahr gebracht haben soll.
Gerlind Nitzsche mit ihren Söhnen Robin (l.) und Henrik vor dem Auto, das sie in Lebensgefahr gebracht haben soll. © Archivfoto: Markus van Appeldorn

Gerlind Nitzsche führt einen Kampf um Genugtuung. Die Mutter aus Neusalza-Spremberg ist überzeugt, dass ein gebraucht gekaufter Fiat sie und ihre Söhne in Lebensgefahr gebracht hat - weil giftige Abgase in den Innenraum eindrangen. Sie klagt gegen ein Löbauer Autohaus auf Schmerzensgeld und Schadenersatz. Doch das Gericht neigte im jüngsten Termin zu einer anderen Einschätzung eines Gutachtens, das ein Eindringen von Abgasen in das Auto an sich bestätigt. Ihr Anwalt kann es nicht fassen, wie der Vorsitzende Richter das Gutachten deutet - und will nun härtere Beweise auffahren.

Der Bautzner Anwalt Karl-Heinz Drach will nun erreichen, dass der vom Gericht bestellte Gutachter sein Gutachten dort selbst erläutert und interpretiert. Der Vorsitzende Richter hatte seine Einschätzung angedeutet, dass der Fehler am Auto hauptsächlich vom Katalysator herrühre - und solche Abgasmengen wie von ihr behauptet nicht ins Innere des Fahrzeugs eindringen könnten.

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"Inhalt des Gutachtens nicht erfasst"

Angesichts von Fotos eines völlig eingequalmten Autos äußert Anwalt Drach nun in einem Schriftsatz an das Gericht: "Die klagende Partei war entsetzt hinsichtlich der vorläufig dargetanen technischen Auffassung des Gerichts, dass technisch wohl Ursache des qualmenden Fahrzeugs ein zugesetzter Katalysator war, der nur hätte ,freigefahren' werden müssen." Er äußert den Eindruck, dass vom Richter "der Inhalt des vorliegenden Gutachtens technisch nicht erfasst worden ist".

Anhand beigefügter Aufnahmen sei klar zu erkennen, dass die Keramik im Inneren des Dieselpartikelfilters gebrochen sei. Dies habe zu einem erhöhten Abgasdruck und zur Beschädigung einer Dichtung geführt. "Da die Abgase nicht wie gewollt durch den Filter wegströmen können, suchen sie sich einen anderen Weg" - nämlich durch die Lüftung ins Fahrzeuginnere, argumentiert Drach. All das hätte der Werkstatt des beklagten Autohauses bei dem vorgenommenen Austausch des ebenfalls schadhaft gewordenen Turboladers auffallen müssen.

Der Anwalt bringt vor, dass die Vergiftung des Innenraums jenes Fiat mit Stickoxiden noch heute nachweisbar sei. Zur fachlich richtigen Interpretation des Gutachtens beantragt er daher, den Gutachter zu einer erneuten Verhandlung vorzuladen. Das Gericht hatte eigentlich am 18. Dezember sein Urteil in der Sache verkünden wollen.

So soll das Auto von Abgasen eingenebelt gewesen sein.
So soll das Auto von Abgasen eingenebelt gewesen sein. ©  privat

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